KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 106 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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106 K. C.«Blätter Mühe gemacht haben, sie sachlich zu erfassen. Mit sachlicher Aeberlegung wird im Lager der Chauvinisten nicht gearbeitet, und die Zugehörigkeit zum Waffenring verbietet es nicht, mit ganz eindeutigen Anwahrheiten eine üble Letze zu schüren. So sind wir denn bereits so weit gekommen, daß ein in der Fachwelt anerkannter Gelehrter, der, nebenbei gesagt, sich politisch zur Rechten zählt, von fanatischen Studenten angepöbelt wird, aus dem alleinigen Grunde, weil er Cohn heißt. Man braucht heute nicht mehr Fememörder zu entlarven, nicht einmal mehr Republikaner zu sein — die Maske fällt, man wird verfolgt, eingestandenermaßen nur weil man Jude ist. Rundfunk wünscht keine Studentendebatten. Bisher wurden von mehreren deutschen Sendern sogenannte „Studentendebatten" veranstaltet, bei denen die Vertreter der verschiedenen hochschulpolitischen Gruppen in sachlicher Form unter Leitung namhafter Hochschullehrer sich gegenseitig auseinandersetzten. Der Deutsche Studentenverband regte bei der Funkstunde Berlin die Wiederholung dieser Aussprachen für das beginnende Wintersemester an. Die Anregung wurde abschlägig beschieden, ohne daß man Näheres über die Ablehnungsgründe erfuhr. Es ist auf alle Fälle zu bedauern, daß damit eine Gelegenheit verschwindet, wirklich sachliche Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Weltanschauungslagern herbeizuführen. Die Oeffentlichkeit hat sicher ein Interesse daran, zu sehen, daß Studenten auch anders als nur mit der Faust ihre Ansichten vertreten können. K.C. und deutschjüdische Zugend. Vor längerer Zeit hat unser Kartellbruder Ernst Wolff-Frankfurt a. M., der leider durch ein grausiges Schicksal uns gerade in dem Augenblick entrissen wurde, in welchem wir ihn so dringend brauchten, in diesen Blättern die Frage von K. C. und Jugendbewegung behandelt und hierbei trotz mancher Bedenken sich für eine Vereinbarkeit eingesetzt. In der Zwischenzeit sind die politischen und ökonomischen Verhältnisse in Deutschland einer schon damals von Ernst Wolff als notwendig anerkannten Entwicklung entgegengekommen, sodaß das Problem heute brennender denn je der Lösung harrt. Die Existenzberechtigung des K.C. kann unter einem großen Gesichtspunkt nur dann gewährleistet werden, wenn unser Verband sich eingliedert in die Front der deutschjüdischen Jugend. Niemals kann der K. C., will er verantwortlich junge Menschen erziehen, seine Aufgaben nur um seiner selbst willen stellen, sondern nur dann, wenn er auf siine Art an der Lochschule deutschjüdische Menschen werben und sich erhallen will. Diesem Gedanken haben schon eine Anzahl Kartellbrüder Rechnung getragen und sich für ihre Person der deutschjüdischen Jugendarbeit im Reich und in Berlin zur Verfügung gestellt. Es hat sich hierbei gezeigt, wie wesentlich und aufschlußreich der Austausch der Erfahrungen aus den Verbindungen und den deutschjüdischen Bünden ist. Die Jugendarbeit im Reich auf deutschjüdischer Grundlage hat ihren organisatorischen Niederschlag in dem Reichsjugendausschuß des Centralvereins (R I.A.) gefunden, dem in Berlin die Kbr. Kbr. Matzdorff und Rubinstein und im Reich bisher die Kbr. Kbr. Richard Mainzer - Frankfurt a. Main, Plaut - Essen, Rosenthal - Schneidemühl angehören. Die Arbeit des R. I. A. erstreckt sich im wesentlichen auf die dauernde intensive Fühlungnahme mit nichtzioniftischen Bünden und einzelnen jungen Menschen im Reich. Dies geschieht u. a. durch dauernden Gedankenaustausch, durch Entsendung vonRednern, durch dre Iugendbeilage „Von deutschjüdischer Jugend" und durch die Rundbriefe des R Z. A. Besonders diese haben im Reich eine überaus starke Resonanz gefunden, weil sie in freier offener Aussprache all die Frage diskutieren, die jeden deutschjüdischen jungen Menschen — also auch jeden K.C.er — aufs Entschiedenste bewegen. Lier bestehen die größten Möglichkeiten für gemeinsame Arbeit. Die Rundbriefe können als Grundlage für die geistige Ausbildung der Verbindungen dienen, sie können auch den einzelnen K.C.er in seiner Aniversitätsstadt und in den Leimatorten dazu bewegen, den Zugang zu anderen jungen Menschen auf gleicher weltanschaulicher Basis zu suchen. (Der soeben erschienene Rundbrief Nr. 3 enthält eine Zusammen-