KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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104 K. C.-Blatter Wer bejaht den Volksbürgerschaftsgedanken? Wir wir der Zeitschrift „Student" (2. Juli Folge 1932 S. 171) entnehmen, hat im Wiener ausländischen Studentenklub ein Bortrag über „Jüdische Volkstumbewegung" stattgcfunden, wobei der dem Judentum angehörende Referent (Dr. Margolies-Leitmeritz) den Anhängern des Volksbürgerprinzips einige Annehmlichkeiten sagte. Er behauptete, seiner zionistischen Einstellung entsprechend, daß der Assimilationsvorgang um so rascher aufhöre, je mehr Menschen in einen fremden Organismus strömen wollten. Er machte sich also die völkische Theorie vom Sättigungspunkt zu eigen, und meinte, die Assimilation entziehe den Juden das seelische Rückgrat. Rach seiner Auffassung sei Antisemitismus keine Angelegenheit der Juden, sondern der Völker, die ihn pflegen. Im gewissen Widerspruch hierzu meinte er weiter, daß der Antisemitismus „Inhalt der kranken jüdischen ^eele" sei, und er versagte sich immerhin die Beantwortung der Frage, ob denn eigentlich ein jüdischer Nationalismus die Erlösung vom Antisemitismus bringen könne. Dr. Margolies begrüßte sehr warm das österreichische Studentenrecht, dem er geradezu die Aufgabe zuwies, Vortrupp der allgemeinen Anerkennung eines jüdischen Volkes zu sein. Er sah zwar gewisse Schwierigkeiten darin, daß die Nationalitätsbestimmung sich nach der Sprache richten sollte, denn den Juden fehle noch die allgemeine eigene Sprache. Bezüglich der Aeberwindung dieser Schwierigkeit äußerte er sich zwar im optimistischen Sinne, aber das lag wohl daran, daß ihm die zentrale Bedeutung gerade dieses Problems nicht ganz bewußt war. Die Sprache, die bei den deutschen Juden deutsch, bei den französischen Juden französisch, bei den italienischen italienisch ist, ist eben ein sehr beredter Ausdruck dafür, was die wirkliche Nationalität eines Juden ist, und sicher ein brauchbarerer Zeuge, als es Nase und Haarfarbe sind. Hier zeigt sich die Achillesferse aller völkischen Rasseprediger, mit Einschluß der jüdisch-völkischen. Deswegen wirkt es etwas grotesk, wenn Dr. Margolies betonte, die Natiönaljuden seien nicht zur Erleichterung der Assimilationsbestrebungen da. Das hat man ihnen auch nie unterstellen wollen, aber interessant ist es, zu sehen, daß gerade die zionistische Denkweise auf Schwierigkeiten stößt, die eigentlich ihnen selber den Weg versperren. Wertvolle Hilfe war der Vortrag des Dr. Margolies natürlich für die „volksbürgerlichen" Bestrebungen der „Deutschen Studentenschaft". Ihr Organ, der „Student" zieht den erwähnten Vortrag als Beweis dafür heran, daß das „jüdische Volk" den Volksbür gerschaftsgedanken bejahe. Ans scheint freilich, daß dieser Zeuge aus jüdischen Reihen sehr wenig klassisch ist, denn wenn er zur Vernehmung geladen würde, dürfte sich Herausstellen, daß er unauffindbar ist. Das deutsche Judentum denkt gar nicht daran, das „Volksbürgerprinzip" gutzuheißen, weil es eben ein deutsches Judentum ist, und kein „jüdisches Volk". . Es wird aber gut sein, auch in Deutschland die Tätigkeit der Zionisten daraufhin zu beachten, ob sie etwa als Schwurzeugen für eine Idee auftreten, die eindeutig gegen die Lebensinteressen der deutschen Iudenheit gerichtet ist, und von der überwältigenden Mehrheit daher abgelehnt wird. Shstemwechsel? Begreiflicherweise versprechen sich die der „D. St." nahestehenden Kreise mancherlei von den in Preußen geschehenen politischen Veränderungen. Die „Burschenschaftl. Bl." schießen, wie gar nicht anders zu erwarten war, wieder einmal den Vogel ab. Für sie ist die dahingegangene Aera Braun-Severing weiter nichts als eine einzige Korruptionsperiode gewesen, die iu einer grandiosen Bevorzugung alles Jüdischen bestanden habe. (Sonderbar, daß immer nur die andern etwas davon spüren, wie gut es uns geht!) Im Septemberheft der „Burschenschaftl. Bl." (S. 280) wird ein Aufsatz der „Dtsch. Ztg." wiedergegeben, in dem haarsträubende Fälle von Vetternwirtschaft „aufgedeckt" werden, wobei leider die Namen der Hauptbeteiligten vorsichtig verschwiegen werden. Vielleicht ist auch