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KC-Blätter · 1932-11-01 · Heft 5 (November 1932) · p. Seite 102

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Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 5 (November 1932)
Date
1932-11-01
Page
Seite 102 (sequence 8)
Language
German
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102 K. L. «Blätter Das studentische Werkjahr. Von Theodor Lannes (Vin.) Nachstehender Aufsatz des Kbr. Lannes gibt nur seine private Ansicht über das zur Zeit sehr akute Problem des Werkjahrs wieder. Es wäre begrüßenswert, wenn sich auch andere KE.er zu diesem Thema äußern würden. D. R. Im Deutschen Studentenverband ist seit langem der Plan eines Werkjahres diskutiert worden. Jedoch wurde die Einführung eines solchen Jahres „praktischer Betätigung" aus Gründen befürwortet, die von denen der Regierung erheblich abweichen. Ist doch der normale Studiengang beispielsweise eines Juristen heute der, daß der junge Mensch aus der Wohlbehütetheit des Elternhauses und der Schule sofort auf die Universität geht. Auch hier lebt er nur unter seinesgleichen und dann zieht er, erst als Referendar und später vielleicht als Richter, in die Amtsstuben ein. Zu welcher Ankenntnis und Verständnislosigkeit gegenüber den psychologischen und materiellen Nöten der anderen Volksschichten diese Abkapselung gerade während der Jahre, in der der junge Mensch am aufnahmefähigsten ist, führt, braucht nicht besonders betont zu werden. Die Folgen sieht man dann in den oft unverständlichen Arteilen mancher Richter. . Aus der Erkenntnis heraus, daß diese Abgeschloffenheit und Einseitigkeit der Akademiker unbedingt vermieden werden muß, aus der Erkenntnis heraus, daß dem jungen Menschen Gelegenheit gegeben werden muß, gerade mit den Volksschichten in Berührung zu kommen. die ihm gesellschaftlich fernftehen, haben die republikanischen Studenten bereits vor mehreren Jahren im Zusammenhang mit ihrem umfaffenden Lochschulreformprogramm auch die Forderung nach der Einschaltung eines Werkjahres zwischen Schulentlassung und Studienbeginn erhoben. Dieses Werkjahr muß, wenn es seinen eigentlichen Zielen, die auf pädagogischem Gebiet liegen, gerecht werden soll, vor allen Dingen stark gemeinschaftsbetont sein. Denn nur wenn man den jungen Menschen mit Bevölkerungsschichten anderer gesellschaftlicher Kreise zusammenbringt, kann dem hohen Gedanken einer wahren Volksgemeinschaft wirklich gedient werden. Die Betätigung des künftigen Studenten soll in diesem Jahre nach Möglichkeit in dem gewählten Berufe, oder einem ihm nahe verwandten erfolgen, um den jungen Menschen auch fachlich zu fördern und ihm die Möglichkeit einer Nachprüfung seiner Eignung zu geben. Die bisherigen guten Erfahrungen, die mit dem praktischen Jahr der Techniker und Landwirte gemacht worden sind, wären hier entsprechend zu verwerten. Selbstverständlich ist, daß durch die Einschaltung dieses Jahres nicht die gesamte Ausbildungszeit verlängert werden darf. Ein Verkürzung des Hochschulstudiums ist untragbar, also muß schon während der Schulzeit ein Jahr eingespart werden. Ob man das vierte Grundschuljahr oder das zweite Primajahr fortfallen läßt, ist im Prinzip gleichgültig; die Entscheidung haben hier Fachleute lediglich nach fachlichen Gesichtspunkten zu treffen. Was aber hat die Regierung aus diesem guten und fruchtbaren Gedanken gemacht? In eingeweihten Kreisen munkelt man, daß neben einer ersten allgemeinen Ausbildung auf den Lochschulen die Zusammenfassung in Arbeitslagern und die Anterbringung bei Landwirten während der Erntezeit geplant ist. Vollkommen unklar bleibt, was in dem zweiten halben Jahr aus den jungen Leuten werden soll. Soll man sie in die Fabriken schicken — und werden die Fabriken sie überhaupt aufnehmen? — oder was soll sonst mit ihnen werden? Jetzt soll sogar der Plan aufgetaucht sein, die Studenten während des Winters in gemeinsamen Leimen mit Erwerbslosen unterzubringen. Alle diese Pläne legen den Gedanken nahe, daß es den maßgebenden Stellen nicht darum zu tun ist, tatsächlich die

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