KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 101 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 101 seien einige Glieder herausgenommen. In dem berühmten Privileg Heinrich IV., das er der Stadt Worms für die tatkräftige Unterstützung verlieh, die ihm ermöglichte, sich seiner Feinde zu erwehren, nennt er die Juden an erster Stelle (^uäei et eoeteri Vuormatien8e8). In dem Tagebuch des Wormser Ratsherrn Reinhard Noltz findet sich die Notiz: „An St. Margarethen Tag gienge die Königin in die Iudengaß in die Schul und höret sie singen und schankten die Juden sechs silbern bechern." Es war Maria Blanka, die Gattin des Königs Maximilian, der sich durch Schutzbriefe 1494 und 1500 als den Juden freundschaftlich gesinnt erwies. Die Bestandsaufnahmen, die Dr. Oppenheim erwähnt, hatten leider einen weniger erfreulichen Vorgang. Es war nach dem Fettmilchaufstand in Frankfurt eine gleiche Erhebung in Worms durch die Zünfte und den Pöbel inszeniert worden. Synagoge, Gemeindehäuser und andere Gebäude wurden teilweise zerstört, denn erst nach geraumer Zeit gelang es dem Rat der Stadt, die Missetäter zu verjagen. Die zerstreuten Gegenstände wurden in das Haus zur Sonne gebracht, in allen übrigen Häusern die Vorgefundenen Sachen notariell ausgenommen, denn die Juden waren von den Aufständischen über den Rhein verdrängt worden. Unglaublich reichhaltig sind die Akten aus jener Zeit. Man kennt aus ihnen die Namen der Missetäter und deren Strafen: die ehrenvolle Zurückführung der Juden auf Befehl des Kaisers, die Anzahl der Soldaten, die dazu aufgeb )Len wurden, die Namen ihrer Hauptleute und vieles mehr. 2m Museum der Gemeinde wird das Lopialbuch des umfangreichen Schriftwechsels zwischen der Gemeinde und den Behörden aufbewahrt. Es ist völlig richtig, daß man sich aus diesen Akten ein Bild des Wohnens unserer Vorfahren rekonstruieren könnte. Interessant ist es zu beobachten, wie man bei der Enge der Wohnungen sich einzurichten verstand, und wie sich, mit der Jetztzeit verglichen, alles wiederholt. Wenn wir jetzt in der verkleinerten Wohnung die „Couche" als Bettsofa vorfinden, so war die zum Aufklappen eingerichtete „Bettbank" eine gleichartige, nur einfachere Vorgängerin. Für den Bitte IMamskripte f [einseitig beschrieben [einsenden! Verkehr mit der Umwelt spricht vieles. Da finden wir z. B. in dem illuminierten Machsor des Simcha ben Iehuda von 1272 den Drachen aus dem Wormser Wappen abgebildet, ferner den Drachenfries, einer dem Iudenviertel nahe gelegenen Kirche. In dem Buch „Sagen und Wunder" des von 1620 ab in Worms tätigen Gemeindeschreibers Iuspa Schammes findet sich die älteste Darstellung der Geschichte, wie der Schlüssel in das Wormser Wappen kam. Nach einer Iudenordnung von 1557 durfte die Gemeinde neben der Schule, dem Schulhof, dem Bad, „ein Tanzhaus" halten und das Gärtlein hinter der Schule als „Spaziergang" benützen. Die alten kostbaren Silbergeräte, die im Museum aufbewahrt werden, entstammen ersten Meistern in „Augsburg, Nürnberg, Frankfurt, Köln usw.". Bon Belustigungen kündet eine alte Gemeindeordnung von 1728. Dort ist vom Spielen mit Karten die Rede, bei Bräutigam und Braut, Wöchnerin und Kranken. Die übliche Belustigung an Simchas Thora war, über das Feuer zu springen. Damit die Feste nicht übertrieben wurden, war vorgeschrieben, daß am „Siwlonosabend" zehn, und am Hochzeitsabend 20 Erwachsene und 10 junge Leute eingeladen werden dursten. Die Talmudabteilung feierte stets ein Schlußfest, wobei ein Mahl veranstaltet wurde, an dem jeder teilnehmen mußte. Die Freiheiten der Studenten (Bachurimam Purimstag sind weitgehende; intt> vieles ähnliche könnte noch angeführt werden. Es Wäre recht erfreulich, wenn die Anregung des Dr. Oppenheim, diese Dinge ausführlich zu verwerten, auf fruchtbaren Boden fiele und viele Samenkörnlein von Wissenden zusammengetragen würden, damit Früchte reiften, die allen nützlich waren, nach dem chinesischen Sprichwort: „Als Führer durch die künftige Zeit, dient bestens die Vergangenheit." Denkst Du daran?!