Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1932-08-01 · Heft 4 (August 1932) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 4 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 83 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268989-2268994--4319-2273499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

K. C.« Blatter 83 hältig, wenn die „D. St." in ihrem Schreiben an den Innenminister ausschließlich von den kommunistischen Gewalttaten spricht, nicht aber die genau so scheußlichen Mordbübereien verdammt, die von nationalsozialistischer Seite begangen wurden. Es ist Heuchelei und Scheinheiligkeit, wenn die „D. St." von den Königsberger Vorgängen behauptet, sie seien nur „ein Beispiel dafür, daß die Erregung des Volkes ins Unermeßliche gestiegen sei". Jeder weiß, daß die Königsberger Attentate kaltblütig und berechnend angelegt waren und daß keine Rede von spontanem Gefühlsausbruch sein konnte. Es ist sehr traurig, daß die „Deutsche Studentenschaft sich zum Sprachrohr einer einseitigen Letzpolitik macht, anstatt sich dafür einzusetzen, daß unterschiedlos alle anständig Gesinnten die Front gegen das Rowdytum schließen. Wie ste „arbeiten". Wie eifrig die Nationalsozialisten die wirklichen Belange der Studentenschaft wahrnehmen, kann man aus folgenden Beispielen ersehen: Der nationalsozialistische Vorsitzer der „D. St. ' beschwert sich brieflich beim Reichskanzler von Papen, daß er in Lausanne nicht dem nationalsozialistischen Geschmack entsprechend ausgetreten sei. In Würzburg beantragt der R. S. D. St. B. an den Reichs- Präsidenten und den Reichsinnenminister ein Protestschreiben zu richten, weil ihm die Strafen der Barmals und Sklareks zu niedrig, die der holsteinischen Bombenwerfer aber zu hoch erscheinen. Mit anderen Worten gesagt, kümmern sich die nationalsozialistischen Studentenvertreter um alles andere, nur nicht ums Studentische. Sie mischen sich in die Außenpolitik und in die Rechtspflege. Sie reden über Dinge, zu denen sie nicht berufen sind, sie schweigen aber zu den Aufgaben, die ihnen eine allzu gutgläubige und allzu zahlreiche Gefolgschaft anvertraut hat. An den Studenten selber liegt es, sich gewissenhaftere Sachwalter zu bestellen. Manche Anzeichen — wir erinnern an die Königsberger Kammerwahlen — sprechen dafür, daß das mißbrauchte Vertrauen einmal zerstört sein kann. Ghetto. (Hinweis für eine Untersuchung zur Revision eines Fehlurteils.) Von Reg.-Baumstr. Dr. Ing. R. Oppenheim - Berlin (Vis.). Niemand von uns ist von dem Gedanken frei, unter dem Ghetto der vergangenen Jahrhunderte enge, freudlose Gassen zu verstehen, in denen eine bedrückte Bevölkerung zusammengepfercht armselig gehaust hat. Es ist die Vorstellung, die eine sentimentale, unkritische Geschichtsschreibung geschaffen hat und die nie revidiert wurde, weil eine wissenschaftliche, systematische Forschung bis zu diesem Gebiet noch nicht vorgedrungen ist. Fehlen kenntnisreiche Untersuchungen auf fast allen Gebieten jüdisch-nichtreligiöser Lebenssphäre, so ganz besonders in dem mit dem Bauwesen zusammenhängenden Bezirk: Es ist ein Glück, daß wenigstens die deutschen Synagogen und rituellen Bäder vor kurzer Zeit zusammenhängend bearbeitet wurden — an die privaten Bauten ist bisher noch niemand herangegangen. Und doch ist diese Untersuchung dringend nötig, weil sie endlich ein gerechtes Urteil an die Stelle eines Vor- und Fehlurteils setzen würde. Arbeiten auf anderem Gebiete zwangen mich zur Durchsicht der Akten des Wormser Ghettos. Sie sind in reicher Fülle vorhanden und sie vermögen mit ihren durch Jahrhunderte reichenden Aufstellungen ein klares Bild des jeweiligen Zustandes und der Entwicklung zu zeichnen; die Häuser wurden in bestimmten Zeiträumen von Beauftragten der Stadt besichtigt, und es wurden Bestandsaufnahmen gemacht. So ist die Bebauung der Iudengasse, die Anzahl der Häuser und ihre Zeichen, die Zahl und Bestimmung der Räume, die der Bewohner, der Mitbewohner und der Bediensteten bekannt, und für bestimmte Zeitabschnitte sogar das Inventar der Häuser. Noch fehlen zwar alle Vorarbeiten für eine systematische Durcharbeitung und Gliederung, aber so viel ergibt sich auch bei flüchtiger Durchsicht, daß die Häuser nicht schmaler und niedriger und schlechter waren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.