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KC-Blätter · 1932-08-01 · Heft 4 (August 1932) · p. Seite 84

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Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 4 (August 1932)
Date
1932-08-01
Page
Seite 84 (sequence 10)
Language
German
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84 K. C.-BLLtter als in den anderen Vierteln und^auch nicht übervölkerter. Die alte l^tadt hatte nicht die Absicht, die Juden schlechter wohnen zu lassen als die übrige Bevölkerung, nur —sie wurden abgetrennt; und auch diese Abtrennung war oft, was das Leben angeht und wie die Klagen über Reberschreitungen der Verordnung zeigen, in Wirklichkeit nicht so streng, wie es nach den Vorschriften erscheint. Ich habe im Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde Berlin einige Photos und Zeichnungen aus dem Wormser Ghetto veröffentlicht. Sie geben nur zufällige ^Unterlagen zu einem kleinen Ausschnitt des Problems. Sie zeigen, daß es auch in den Ghettohäusern reizvolle Höfe gab und lustige Altanen, mehrgeschossige holzgebaute Säulengänge, von denen aus ein freier Blick über Gärten hinweg ins Freie führte. Gärten im Ghetto, Altanen — gewiß, zwar nur als Bestandtei'e von Häusern wohlhabender Besitzer, aber doch eben als vorhandene Bestandteile. Es ist wie überall, die Armen wohnen armselig und die Vermögenden können sich einen gewissen Luxus erlauben. Es ist ungewöhnlich interessant, festzustellen, daß es noch heute im Wormser Ghetto eine besonders schöne Treppe gibt, die unter Denkmalschutz steht und reizvolle stuckicrte Decken in ehemals unzweifelhaft schönen Räumen. Der sentimentale Besucher des Ghetto vergißt, wie die Stadt ringsherum aussah, vergißt, wie noch heute in den unberührten mittelalterlichen Städten — Rothenburg etwa — die Bevölkerung zu wohnen gezwungen ist, und daß auch dort die Rotwendigkeit besteht, sich auf dem verfügbaren Platz einzurichten und auszukommen. Man mag einwenden, daß Worms nichts als Beweis für das Ghetto anzusehen ist. Gewiß nicht, aber es ist ein Beispiel für ein Ghetto — und über die anderen wissen wir nicht genügend Bescheid. Vielleicht genügt der Hinweis, die Diskussion ins Rollen zu bringen und eine eingehende Untersuchung zu veranlassen. Das Material ist reichlich vorhanden und die Zeit wartet auf die Verarbeitung. Es ist ein Stoff für Historiker, Kunstgeschichtler, Architekten. Der Reichspräsident gegen nationalsozialistische Entrechtungspläne und antisemitische Ausschreitungen. Die Erfahrungen, insbesondere der letzten Monate machten es dem Central - verein zur Notwendigkeit, dem Herrn Reichspräsidenten ein Weißbuch vorzulegen, in welchem neben der Schilderung des judenfeindlichen Programmes der Partei lediglich rein akten mäßig und i n jeden: Fall urkundlich belegt, alle jene Drohungen, Beschimpfungen und Herabwürdigungen wiedergegeben j'tnb, die maßgebende Nationalsozialisten gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in Presse und Versammlungen ausgesprochen haben. Den Drohungen seien die bekannten Terrorakte gefolgt. Der Herr Reichspräsident hat durch Herrn Staatssekretär Meißner hierzu folgendermaßen Stellung genommen: „Das Schreiben des Central - Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und die diesem beigefügte Materialsammlung hat den: Herrn Reichspräsidenten Vorgelegen. Der Herr Reichspräsident, der jeden Versuch einer Einschränkung der verfassungsmäßig politischen und religiösen Rechte deutscher Staatsbürger und die von Ihnen mitgeteilten Ausschreitungen jüdischeil Reichsangehörigen gegenüber lebhaft mißbilligt und bedauert, Hai das Schreiben und die Anlagen dem Herrn Reichsminister des Inner?' zur Nachprüfung zugeleitet. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung gez. Meißner." Reber den Inhalt des Weißbuches, das Herrn Reichspräsidenten vorgelegt worden ist, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Aktenmäßig ist das gesamte juden gegnerische Material der NSDAP dargestellt, angefangen beim Partm Programm und Schrifttum und abgeschlossen mit den neuesten Bomben attentaten auf kleine jüdische Geschäü in ostpreußrschen und schlesischen Städten. Zitate aus Hitlers „Mein Kampf", aus Goebbels „Kampf um Berlin" und aus anderen Bücher::, wörtlich wiedergegebene Stellen aus Versammlungsreden aller national-

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