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KC-Blätter · 1928-07-01 · Heft 1 (Juli 1928) · p. Seite 21

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Journal
KC-Blätter
Volume
1928
Issue
Heft 1 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 Koren als Keibesübung. Von cand. ing. Mar Friedemann (Mn.), Obmann für Boren an der Technischen Lochschule Berlin. In der Zeit, in der fast alle Sportarten schon festen Fuß im K.C. gefaßt haben, in der das Sportprogramm des G.A. Leichtathletik, Schwimmen. Rudern und Waldlauf umfaßt, wo zahlreiche Verbindungen Tennis offiziell eingeführt haben, ist eine Sportart vernachlässigt und immer nur von vereinzelten Kartellbrüdern getrieben worden, das ist das Boren; gerade der Sport, der auf Grund seiner mannigfachen Vorzüge mehr und mehr volkstümlich wird und auch vom K.C. besonders bevorzugt werden müßte. Boren wird heute auch von dem Laien nicht mehr als der rohe Sport angesehen, als den es jahrzehntelang verschrien und — verboten war. Vernünftige Regeln verhindern Auswüchse, Verletzungen kommen bei Amateurboxern kaum vor. es sei denn anfangs einmal eine blutige Rase oder ein verstauchter Daumen — Verletzungen, wie sie ähnlich bei allen anderen Sportarten auch auftrcten, und die nur einen Angsthasen vom Sport abhalten können. Gibt cs aber Laiet», die den alten Anschauungen huldigen, und die Boren nach den - Berufskämpsen beurteilen, so mögen sie hingehcn zum Trainingsabend der Hochschulen oder eineS gut geleiteten Boxclubs, am besten aber zu dem Freilusttraining. das viele Elubs eingesührt haben. Da ändern sich schnell die Anschauungen, sie werden Freunde und Anhänger des Boxsports werden. Dort übt eine Ansängergruppe. Sie boxen nicht, aber was sie treiben, ist das ABC des Borenö. Stilspringen für Kinder eine Kleinigkeit letzt eine Kunst, die erst erlernt sein will, und die Herz und Lunge. Bein- und Bauchmuskeln durch die stetige federnde Arbeit für die enormen Daueranstrengungen vorbereiten. Gymnastik. Wochenlang übt der Anfänger, lockert die Muskeln, dehnt die verkümmerten Bänder. macht den Körper seinem Willen untertan. Er weltet den Brustkorb und erarbeitet sich Ausdauer. Bauchmuskeln, anfangs schwach und in überflüssigen Fettpolstern vergraben, werden in anstrengenden Bodenübungen herausgearbeitet. Mt dem Medizin ball werden alle Stöße vorgeübt und der Körper schon an kräftige Erschütterungen gewöhnt. Alle Vorstöße werden im einzelnen ohne Handschuhe geübt. Gerade, haken. Schwinger vom Borlehrer sorgfältig deobachtet und verbessert. Dann heißt es decken, ducken, meiden, fangen, parieren, vor» zurück- und seitwärtsgehen. Dann Schläge kombiniert mit Paraden verbunden und schließlich, wenn alles klappt, nach wochenlangcm Reben ein Festtag. Der Anfänger darf zum ersten Male die Handschuhe anziehen, weite dick gepolsterte 8. 10 oder 12 Anzen Handschuhe, die dem Schlag jede gefährliche Wirkung nehmen, und die doch nicht zu weich sind, um tyn Körper abzuhärten. Run werden alle Stöße und Paraden wiederholt - Mann gegen Mann — Serien eingeübt und schließlich — Kampf, edler Kampf zwischen Gegnern, die keine Feinde sind. Jede neue Stunde beginnt wieder mit Seilspringen. Medizinballtraining und Gymnastik. Jede Stunde endet mit einer Dusche und'kräftigem Frottieren. Boren als Kampfsport betreiben heißt nur das Training verschärfen und — ein sportgerechtes Leben ohne jede Ausschweifung führen. Der Erfolg. Durch die schnellen und vielseitigen Aebungcn. die keine Muskelgruppen vernachlässigen. wird der Körper allseitig gekräftigt und geformt. Herz und Lunge gewöhnen sich an außerordentliche Leistungen. Es gibt kein Organ, das bevorzugt wird — das ist das Besondere am Borsport, daß eS keine einseitige Bervegung gibt. — Dabei bedeutet Boxen mehr alS nur Schlagen und Decken. Boren beißt: sehen, beachten, die Situation erfassen und niemals sich blnffen lassen. Kein Sport erzieht so zur Geistesgegenwart und Schlagiertigkeit. übt so das Auge, schult so Milt und Willenskraft. Denken und Handeln. An Eleganz der Bervegung und der Körper» gewandtheir ist döchstenS noch das Fechten aus Sportwaffen dem Boxen Vergleicher. Lautlos gebt der Kampf vor sich. Kein Schreien ttitd Rusen, kein wüstes Benehmen, ja nicht einmal eine verräterisch« Bewegung zeigt dem Gegner die Wirkung seiner Stöße. Ein WiilenStraining ohnegleichen. Am meisten jedoch imponiert die sporüiche Ritterlichkeit, die Boxen zur ..edlen Kunst der Seldstverteidigung" macht. Da gibt eS kein Schlagen mehr, tvenn der Gegner kampfunfähig oder zu Boden gegangen ist. Und mit dem ..Aus" deS Ringrichters sind die Kämpfer keine Gegner mehr. Besiegter und Sieger drücken

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