KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 1 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Uorrr Korsport. Die Notwendigkeit sportlicher Betätigung für die Jugend und die Erwachsenen bedarf heute keiner Begründung mehr,- verkannt wird aber heute vielfach, daß gerade der Borsport eines der hervorragendsten Mittel zur körperlichen Ertüchtigung bildet und es verdient, Volkssport und besonders jüdischer Volkssport zu werden. Das allgemeine Vorurteil gegen das Boren, das als roh und brutal von vielen bezeichnet wird, besteht noch in weitesten Kreisenes entbehrt aber jeder Berechtigung. Boren ist ein gerade so fairer Sport wie Fechten, an sportlichem Wert aber dem Fechten bei weitem überlegen. Wer sich mit der für den Laien schwer durchsichtigen Technik des Boxens befaßt hat, wird dieses Werturteil für keine Aebcrtreibung halten. Das Polslerhandschuh-Fechten ist kein roher Sport, obwohl es dabei blutige Vasen, geschwollene Bugen usw. geben kann. Man übersieht, daß diese kleinen Verletzungen nur äußerlich und durchaus harmlos sind, und das Gcfahrenmoment bei anderen Sportarten weit bedenklicl)er ist. Selbst im Lager der Vroscssionalborer. in dem .Kämpfe naturgemäß weit härter ausgetragen werden, gehören schwerere Unfälle zu den Seltenheiten. Der Famtkampf der Amateure wird mit dicken gepolsterten Handschuhen geführt, unterliegt genau sestgesetztenAegeln. die jedeAusschreitung verbieten, und geht stets unter Aufsicht des in Frage kommenden lokalen Verbandes vor sich. Die Vorbereitung zum Boren verlangt eine systematische Durcharbeitung des ganzen Körpers, die mit Hilfe vielseitigster Gymnastik erreicht wird. Schlagübungen an Sandsack. Sandbirne. Birnenball. Doppele,idball. Schattendoren. Seilspringen, gymnastische Hebungen und zuletzt Boxen im Ring mit gepolsterten Trainingshandschnhen erzielen eine gute, schnelle, kräftige Durchblutung des ganzen Körpers und eine Stärkung des gesamten körperlichen Organismus. Man kann uttu oft den Einwurf hören: ..Ich bin zu alt zum Boxen!" oder: ..Ich bin zum Kampsboxer nicht geeignet!" Es ist richtig, daß das Kampsboxen besondere Anforderungen stellt und auch nur für junge, besonders geeignete Menschen in Frage kommt. Es ist aber nicht nötig, Kampfborer zu werden und im öffentlichen Borring zu kämpfen. Es genügt, seinen Körper durch systematisches Bortraining zu stählen. Auch wenn man anderen Sport treibt, ist die Borgymnastik wegen ihrer Vielseitigkeit die beste Ausgleichsbewegung. Diese Vorzüge des Boxens müßten gerade für den K. E.er überzeugend wirken. Gegen Anpöbeleien von völkischer Seite nützt der Sabel nichts, weil Satisfaktion mit studentischen Waffen heute dem jüdischen Akademiker von diesen Kreisen verweigert wird. Dagegen steht fest, daß die Leistungen jüdischer Boxer, im besonderen des Berliner Borklubs „Maccabi", der seit mehreren Jahren eine der besten deutschen Bormannschasten aufweist und zurzeit den Brandenburgischen Meister im Leichtgewicht und Olympia-Kandidaten Malz in seinen Reihen hat, im Kampfe gegen den Antisemitismus ein erhebliches Aktivum bedeuten und dazu beitragen, daß die Vorstellung vom krummen Ghettojuden verschwindet, und daß feige und körperliche Bntüchtigkeit nicht mehr als spezifische jüdische Eigenschaften gelten. Wer z.B. — wie der Verfasser des Artikels — die letzte Kampfveranstaltung des „Maccabi" mit dem Polizeisportverein auf dem Polizeistadion Ehausseestraße vor 1ä00 dis 2000 Zuschauern gesehen hat. braucht hierfür keine weitere Begründung. Es muß daher für K. E.er eine Ehrenpflicht sein, die jüdische Boxsportbewegung zu fördern, nach Möglichkeit sich selbst aktiv in ihr zu betätigen. und zwar an der Stelle, die die besten Voraussetzungen dafür bietet, im Berliner jüdischen Boxklub ..M a c c a b i". Dr. S ch e i n m a n n . Spreviae. Leiter der Alt.»erren.Adt. des Boxklud Maccabi.