Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1928-07-01 · Heft 1 (Juli 1928) · p. Seite 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1928
Issue
Heft 1 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2268830-2269009-2269010--3413-2273451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 Brise von etwa. 5 Sekundenmetern die Segel und den Druck auf dem Steuerruder zu halten, der einen Anker aus dem saugenden Schlammboden unserer Flüsse und Seen herausgeholt hat, und der dle sonstigen, nie abreißenden seemännischen Arbeiten auf einer auch noch so kleinen Segelyacht zu leisten hat, kann da überhaupt mitreden; und der starke Zustrom de- Jugend zum Segelsport beweist, daß er imstande ist, das Körpergefühl und den natürlichen Bewegungsdrang der Jugend voll zu befriedigen. Es soll aber nicht geleugnet werden, daß das Segeln bis ins hohe Alter und auch bei gewissen körperlichen Behinderungen auf geeigneten Schiffen und mit der nötigen Mannschaft vollwertig betrieben werden kann. Es führt zu weit, im Rahmen dieses Aufsatzes auf die technisch-physikalischen Grundlagen unseres Sports und auf die zahlreichen 'Yachttypen näher einzugehen. Nur einiges sei mitgeteilt, um dem Leser wenigstens einiges Verständnis auch für diese Dinge zu vermitteln: Jedes an einer Boje oder vor Anker liegende Schiff hat das Bestreben, sich gleich einer Wetterfahne mit der Spitze gegen den Wind zu drehen. Dieses Bestreben behält auch jedes unter Segel und in Fahrt befindliche Schiff bei. Es ist klar, daß, wenn man dem Eigenwillen des Schiffes freien Lauf läßt, überhaupt keine Fahrt zustande kommen kann. ES gehört vielmehr ein bestimmter Einfallswinkel deS Windes auf die Segel dazu, um eine Fahrt zu ermöglichen. Wollen wir z. B. ein Ziel erreichen, daS in der Richtung liegt, aus dem der Wind kommt, so legt der Steuermann daS Steuerruder zunächst soweit um. daß der oben erwähnte Einfallswinkel des Windes zum Segeln zustande kommt, und wir sehen, daß bet einem Einfallswinkel von durchschnittlich 15° unser Schiff alSbald in schöner Fahrt zu laufen beginnt. Wenn nun die Yacht, ähnlich einem Ruderboote, keinen besonderen Tiefgang hätte, so würden vir infolge der starken seitlichen Abtrift in der Zielrichtung kaum irgendwelche Fortschritte machen. Infolgedessen haben unsere Segel- Yachten eine Konstruktion, die mit beträchtlicher Tiefe, aber nur in geringer Länge und Breite ins Wasser reicht und durch die schräge Lage deS Schiffbei der sogenannten Am-Wind-Fahr». — d. h. jeder KurS. bei dem der EinfaliSwinket deS WtndeS. von der Spitze gerechnet, zwischen 0 und S0» liegt und die ja überhaupt erst das Erreichen eines Zielgegen den Wind ermöglicht — einen so starken Wasserdruck auSzuhalten hat. daß die Abtrtsft auf ein Minimum herabgesetzt wird und auch das seitliche Umschlagen — Kentern — des Schiffes selbst verhindert wird. Bei dem nun einmal eingeschlagenen Kurs ist aber nicht nur nötig, das Ruder immer so zu halten, daß das Schiff nicht wieder seinem eigenen Willen nachgeht und mit der Spitze in den Wind schießt, sondern man muß auch dem Segel die dem jeweiligen Einfallswinkel gemäße Stellung geben. Segelstellung und Ruderlage ändert sich mit jeder. Aenderung des Einfallswinkels. Je spitzer eine Yacht gegen den Wind fährt, desto schräger wird ihre Lage, ein Anblick, der bei vielen Beobachtern eine Gänsehaut hervorruft. Aus dem vorher Gesagten ist aber ersichtlich, daß bei jedem Zentimeter stärkere Lage der Wasserdruck auf die oben erwähnte Unterwaffervorrichtung stärker wird, und ferner ist klar, daß dabei durch die Vergrößerung der ins Wasser ein-> getauchten Fläche der Außenbordswand das sogenannte Reservedeplacement in Wirkung tritt, so daß eine gut konstruierte Yacht an Stabilität gewinnt, je mehr sie Lage hat. Wenn der Kurs mehr und mehr aus dem Wind herausführt, wird die Lage des Schiffes horizontaler, bis es platt vor dem Wind praktisch auf ebenem Kiel läuft. Aber gerade bei dieser scheinbar ruhigen und ungefährlichen Fahrt liegen die stärksten Gefahren, weil jetzt der volle Winddruck auf dem Segel lastet und jede Böe. die den drychstehenden Wind manchmal um ein Vielfaches verstärkt, große Ansprüche an die Güte des gesamten TakelmaterialS stellt. Bel dieser Fahrt vor dem Wind ereignen sich infolgedessen auch die meisten Havarien, wie Mastbrüche. Segclnsse u. dergl. Die mehrfach erwähnte Unterwasservorrichtung ist bei kleineren beweglicheren Schiffen eine mittschiffs befindliche, auf- und niederholbare Metallplane. das Schwert, an dessen Stelle bei größeren Yachten ein fester, gewöhnlich die Form einer Haisischflosse zeigender Kiel tritt, der je nach der Größe der Yacht noch mit vielen Zentnern Blei alS Ballast beschwert ist. Hiermit haben wir nun schon die zwei Haupttypen unserer Segeiyachten. Die Schwertboote heißen Jollen oder, wenn sie «ine Kajüte tragen. 2oiienkr«r»zer. Die Kielboote führen sämtlich den Namen Kreuzer und werden nach Größe und Art ihrer Besegelung unterschieden. Die gebräuchlichste Takelung ist die sogenannte Slupbesegelung. die auS einem vor dem Mast befindlichen Vorsegel (Fock) und dem hinter dem Mast stehenden Großsegel besteht. Bei größeren Schiffen treten vor die Fock noch ein diS zwei Vorsegel und über daS Großsegel noch «l» kleines viereckiges Topsegel. womit wir die klassische Kuttertakelung haben. Viele größere Yachten haben auch einen zweiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.