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KC-Blätter · 1928-07-01 · Heft 1 (Juli 1928) · p. Seite 13

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Journal
KC-Blätter
Volume
1928
Issue
Heft 1 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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18 damit notwendigerweise an Staub und schnürt;. Von beidem befreit uns nur der Wassersport. Er befreit uns auch von dem Sportplatz überharrpt. Das aber ist für uns der wichtigste Grund, warum wir den Rudersport pflegen sollen. Das macht ihn zum Geistsport gegenüber dem Muskelsport und das macht ibn daher zum Sport für die akademische Verbindung. Mit Schrecken sieht der besonnene Sportsmann und nicht zuletzt der ältere K. E.--Sportler, das; unsere vugend im Begriffe ist. aus einem als schlecht erkannten Ertrem in ein gar nicht früh genug als schlecht zu erkennendes entgegengesetztes Ertrem zu verfallen. Vernachlässigte man früher vernünftigen Sport durch Kneipe. Bierkomment, das sportlich ganz unsinnige Fechten und auch vielleicht durch Verachtung der körpcrliclxn Betätigung aus falscher, zu geistiger Einstellung heraus, so ist jetzt der Geist aus dem besten Wege zugunsten des rein Körperlichen abzudanken. Wie weit diese unglückselige Entwicklung bereits gediehen ist, davon kann sich nur derjenige ein Bild machen, der sich mit dem Bachwuchs längere Feit intensiv beschäftigt hat. Je mehr die sportlichen Leistungen steigen, desto tiefer sinkt das geistige Niveau. Dabei ist das durchaus keine notwendige En!- Wicklung. Wir sollten eben aufhören, unsere Sportideale aus Amerika zu holen tlnd endlich anfangen, aus der Geschichte Griechenlands und Roms zu lernen, das; harmonische Ausbildung auch einen gesunden Geist im gesunden Körper verlangt. Schließlich sollen unsere Aniversitcusjahre in erster Linie doch immer noch der geistigen Ausbildung dienen. Eine Harmonie zwischen Geist und Körper bcrbeiznsühren. ist der Wassersport aber geeignet wie kaum ein anderer. Der Rudersport befreit uns vom Sportplatz und führt uns hinaus in die schöne, in die weite Welt, ln das große Lehrbuch, das der liebe Gott für uns geschrieben bat. Was kann und »vas muß der Ruderer da alles lernen, um ein guter Wasser- und Naturfreund zu lverden. Wie liebevoll kann er sich in die Schöuheileu der Natur und des Charakters der verschiedenen liegenden und Tageszeiten Verliesen. Wie kann er seine Heimat kennen und erst dadurch lieben lernen. Er blickt in soziale Geheimnisse, die ikm vielleicht sonst ln dieser Anschaulichkeit immer verschlossen bleiben würben. Er bekommt Anschauungsuuterricht in politischer und Raturgeschichte. Er bringt aber auch sich und seinen Stand den anderen näher. DaS macht das Wanderrudern insbesondere für unS K.C.er so wichtig. Wir können für unsere Ideen und für die Ausgleichung mit den weitesten Dolkskreisen schon einfach dadurch außerordentlich viel leisten, daß wir da sind. Das bezieht sich auch auf die Sportskameraden selbst. Vor dem Kriege gab es auf dem Wasser kaum einen nennenswerten Antisemitismus. Soweit es antisemitische Gesinnung gab. blieb sie Gesinnung und trat nicht in Erscheinung gegen den Einzelnen. Ich bin auch der Ansicht, daß ein Antisemitismus in der jetzt üblichen Form, dem Wesen und den Notwendigkeiten des Wassersports so zuwider ist. daß ein solcher Antisemitismus höchstens von außen künstlich ausgepfropft werden, aber nicht halten kann. Ich glaube, daß die Entwicklung des Antisemitismus auf dem Wasser nach dem Kriege meiner Ansicht recht gegeben hat. Wir sind aber in erster Linie dazu berufen, auch an dieser Stelle in der Front zu stehen und da zu sein. Lernt der Ruderer so durch seinen Sport Geographie, Naturkunde. Wetterkunde. Kartenlesen. Handfertigkeit und Findigkeit im Kamps mit den Raturgcwalten, so lernt er noch etwas, was von jeder das hohe Ziel jeder Verbindung war und sein muß. soll das Verbindungsleben überhaupt einen Sinn haben: Disziplin in Kameradschaft. Die kurze Zeit, die seit Aushebung der allgemeinen Wehrpflicht vergangen ist, hat mit ge- »lügender Deutlichkeit gezeigt, wie mangelhaft und unschön die Methoden waren, die die Verbind»»»», gen bisher zur Erreichung dieses Ideals angewcndet hatten. Es wird wohl kaum noch jemanden geben, der im Ernst den Bierkomment für ein »vürdiges Mittel zur Erzeugung der Disziplin halten wird. Die Erkenntnis, daß daS akademische Fechten ebenfalls keines»vegs der richtige Prüf, ftciii für Manncsmut und Selbstüberwindung ist. bricht sich cbenialls inehr und mehr Bahn. Es gehört noch lange kein besonderer Mut dazu, mit dem Schläger auf Mensur zu geben, »venu ein jeder loetß. daß das allzu schlimm nicht auslaufen kann. Die größte Energie, die dabei ein einigermaßen feinfühliger Mensch aufbringen muß. ist die Kraft, ästhetischen Widerwillen zu überwinden. Wie wenig richtig es i)tt nach dem Verhalten beim Fechten Mut und Energie eines Menschen zu beurteilen, bat niemand besser geschildert als Walter Bloem in seinem Studentenroman ..Brüderlichkeit". Anders der AVissersport. Körperlich und geistige Disziplin ist hier die selbstverständliche Grundlage, aus der allein alles andere erst auf- ’tlcNiul tverden Tann. Sinnfälliger alS hier kann überhaupt die unbedingte Rottvendigkeit der Anlerorbnung des Körpers unter den eigenen Witten und des eigenen Wittens unter den des Führers, der wieder nur den Witten der Gesamtheit verkörpert, gar nicht vor Angen geführt

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