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KC-Blätter · 1928-07-01 · Heft 1 (Juli 1928) · p. Seite 10

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Journal
KC-Blätter
Volume
1928
Issue
Heft 1 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 den Alpinismus und insbesondere den Alpenverein in schwerste Mitleidenschaft zog.") Die Gründe für den österreichischen Antisemitismus, der schon vor dem Kriege stärker war als der deutsche, liegen tiefer. Der Ausschluß der Juden aus den österreichischen Sektionen, hauptsächlich ans der Sektion „Austria", die früher zahlreiche Juden als Mitglieder hatte, begann dort nach dem starken Zuzug der Ostjuden nach Wien. Sicher ist, daß diese von vielen als Frerndkörper empfunden wurden. Sie fielen auf und die Weltfremdheit vieler Bergsteiger, der vielfach unberechtigte Hochmut der Alpinisten, welche die zwei Welten, die sich hier kreuzten, nicht verstanden. mußte sich an ihnen stoßen. Die völkischen Doktrinen taten ein übriges dazu. Der völkische Führer im Alpenverein, hofrat Pichl in Wien, trat infolge der Tatkraft seiner Anhänger und — der Interesselosigkeit der jüdischen Mitglieder — an die Spitze der „Austria" uni) veranlagte den Ausschluß der Juden. Es kam als Gegenpart zur Gründung der Sektion ..Donauland", in die viele der ausgeschlossenen Juden cintraten. und zu den Kämpfen im Alpenverein. die schließlich, als durch die Rebellion der österreichischen Sektionen der Bestand des hauptvcreins bedroht wurde, im Jahre 1924 zum -Ausschluß der Sektion „Donauland" und deren Weiterbestehen als selbständigen Verein führte. Das Gist war inzwischen aber auch nach Deutschland geströmt, hatte in Berlin zu Spaltungen und zur Gründung des „Deutschen Alpenvereins Berlin", in München zum Austritt von etwa achtzig Münchener Alpenvereinsmitgltedern auS der Sektion München geführt. Damals trat an jeden die Frage heran, waS zu tun sei. Und die Verbitterung, die Verzweiflung war bei manchem so groß, daß er an die Idee nicht mehr glaubte, den Pickel hinlegte und den Bergen sernblieb. Der kundige aber wußte, und eS ward ihm zum Sroitc. daß gerade viele der bedeutendsten Alviuisten. Männer wie Stüdl, Kugy, Lämmer sich gegen den alpinen Antisemitismus wandten, daß sie immer wieder darlegten, daß Rasse. Politik und Religion nichts mit den alpinen Idealen zu tun bade, daß der AlpiniSmuS «ine interkonsesitouelle. eine international« Angelegenheit sei. . Doch «* gekörten starke Menschen dazu, in dieser Zeit der Anlechtung dem Gedanken treu zu bleiben und sich sogar oft neue Freundeskreise zu suchen, wao den wirklichen Bergsteigern jedoch meist gelang. Viele jedoch gaben daS Rennen anl. viele suchten keinen Anschluß mehr an alpine ') EiebeDr.G.H.^rqmann-.DieIudenimDeutsrden unv Oel»,rrti<dis<den Alpenverein. K. C.»Blätter XV. t. Kreise, vielen auch war tatsächlich in Ermangelung eines solchen Kreises die Teilnahme am alpinen Leben verschlossen, wenn sie nicht die Kraft zu Alleingang besann. So hat die Nachkriegszeit, in der an und für sich ein großer Aufschwung der alpinen Bewegung erfolgte, die deutschen Juden unter besonders schlechten Auspizien gesehen, und es konnte nicht ausbleiben, daß sich dies auch auf ihre Anteilnahme an der alpinen Bewegung ungünstig auswirkte. Man wird ihnen aber daraus keinen Vorwurf machen können, sondern höchstens ihren Gegnern. Wie liegen die Dinge nun heute im Alpenverein? Der hauptverein ist ohne Zweifel nicht antisemitisch» der völkische Sektionenbund ist aufgelöst. In Oesterreich herrscht bei acht Zehnteln der Sektionen der Arierparagraph, die deutschen Sektionen nehmen in ihrer Mehrzahl wie auch vor dem Kriege Juden auf. So wird es auch weitaus den meisten K. C.ern heute möglich sein, wieder Mitglied des D.u. Oe. A.V. zu werden. Für die noch Studierenden ist dies nicht einmal erforderlich, denn die StudentenherbergsauSweise des D. u. Oe. A. D., welche bei den Astas der Hochschulen erhältlich sind und lediglich eine kleine Gebühr kosten, ersparen auch hier dem Studenten die größer« AuSgabe der meist 8—15 M. belaufenden Mitgliedsbeiträg«. Von diesem Rechte haben in den letzten Jahren die Mehrzahl der Aktiven der am Alpenrand beheimateten K. E.-Derbindungen Licaria-München und Neo-Friburgia-Freiburg. Gebrauch gemacht. Der in letzter Zeit sehr stark in diesen beiden Verbindungen in Aufnahme gekommene Wintersport — die Freiburger Verbindung besitzt sogar eine eigene Skihütte —. welcher unsere Kartellbrüder in alle Teile des Alpenlandes bracht, und langsam bricht sich di« Erkenntnis Freude auch am Gommerbergstelgen zu heben. Die letzten Jahre haben im übrigen auch dem alpinen AntilemitiSmuS manchen Rückschlag gebracht und langsam bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß da droben alle gleich sind in der einigenden Idee des Alpinismus, daß der Steinschlag und der Schneesturm auch keinen Unterschied macht zwischen Juden und Christen, zwischen Deutschen oder Franzosen. yosftrr wir daher, daß dieser völkerversöhnende Gedanke des Friedens auf den Bergen bald wieder voll zur Wahrheit werde und mit ihm die Worte dezweiundsiebzigsten PsdlmeS: ..Mögen die Berge Frieden bringen dem Volke und die Hügel Gerechtigkeit."

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