KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 1 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 wie man es prozentual und gemessen an anderen Sportarten erwarten müßte. Diese Feststellung ist sehr wichtig, denn im Jahre 1924 hatte die Sektion München des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins den numerus clausus sür Juden eingeführt mit der Begründung, sie fürchte eine Ileberfremdung, obwohl zweifelsfrei feftstand. daß der Prozentsatz höchstens eineinhalb Prozent betrug. Man wird sich aber doch fragen müssen, woran diese auch jetzt immer noch relativ geringe Beteiligung an der alpinen Bewegung liegt. Die Gründe dafür sehe ich einerseits in der Berufsstellung der deutschen Juden, anderseits in dem deutsch-alpinen Antisemitismus und seinen Folgen. Zunächst in der Berufsstellung. Der überwiegende Teil der deutschen Juden gehört dem Kaufmannsstande an. Nun steht aber fest, daß der Kaufmann, besonders der selbständige, nicht übermäßig bemittelte Unternehmer in der alpinen Bewegung nur eine ganz bescheidene Bolle gespielt hat. Jeder, der einmal beobachtet hat, welchen Schichten eigentlich die Bergsteigerangehören, die allsonntäglich zu wirklich ernsten Fahrten ausziehen, wird folgende Schichtung feststellen müssen: Ls sind Beamte, Mitglieder freier Berufe. Angestellte und Arbeiter. Erst im weiten Abstand folgt der selbständige Kaufmann, der WirtschaftSmensch. Auf die soziologische Seite dieser Dinge kann hier nicht eingegangen werden.") So viel aber steht fest: Wer Woche für Woche den entnervenden Kampf ums Stofclit zu führen hat. dem fehlt neben der Zeit am Sonntag auch vielfach die Kraft, zu den Kämpfen der Woche noch den sreigewollten Kampf am Feiertag zu setzen. Der sehnt sich höchstens nach der Buhe der Berge und läßt, ohne eigentlich Alpinist zu sein, den Frieden der Natur auf sich wirken. Dazu kommen bei manchem auch noch die gesellschaftlichen Verpflichtungen, denen er sich, häufig in Auswirkung seines Berufes, nicht entziehen kann. Da nun eine Mehrheit der deutschen Juden dem Kaufmannsberufe angehört, so entfällt demgemäß auch nur ein geringer Prozentsätz von Bergsteigern auf ihren Teil. Tatsächlich sind auch mindestens achtzig Prozent der berühmt gewordenen jüdischen Alpinisten Akademiker gewesen. LS kann nicht geleugnet werden, daß die schon erwähnt« falsch« Erziehungsmethode der alten Generation, die manchen guten Kern schon im Siebe Dr. D. F. Bergmann: .Lochmut »ei Welten.- Rachr. d. Av. Donauland, Nr. 74. zwei Wem Wien 1927. Keime erstickte, noch nachwirkt, hier hat sich aber die Jugend aus sich selbst heraus geholfen und besonders mit Hilfe der „Wanderbünde", „Kameraden",. „Blan-Weiß" u. a., Wandel geschaffen. Aus diesen naturbegeisterten Iugendkreisen ist denn auch ein kleiner bergsteigerischer Nachwuchs hervorgegangen, der auch dem K.C. zugute kam. Zu diesen Hemmungen tritt als stärkstes Hindernis in der Entwicklung des deutsch-jüdischen Alpinisten der deutsch-alpine Antisemitismus. Dieser hat zwei Wurzeln: 1. den Hochschulantisemitismus vor dem Kriege, 2. den völkisch-alpine» Antisemitismus nach dem Kriege. Ich habe schon zuvor ausgeführt, daß es deutschen Juden in der Frühzeit des AlpiniSmuS sicher vor allem auch am Anschluß zum Alpinismus gefehlt haben mag. Die Ausbildungsstätten, gewissermaßen die Nester fast aller bedeutenden Bergsteiger der letzten Jahrzehnte vor dem Kriege, waren die Akademischen Alpenvereinc. Gar bald aber batten diese das antisemitische Prinzip der übrigen hochschulverbindungen angenommen. Der gesellschaftliche Antisemitismus der achtziger und neunziger Jahre griff gerade auf so intime Kreise, wie es die Akademischen Alpinen Vereinigungen waren, rasch über und verweigerte dem jüdischen Studenten den Zutritt. Ls blieb somit dem jungen jüdischen Bergsteiger auf der Universität schon von vornherein der Anschluß an den maßgeblichen Teil der deutschen Bergsteigerschaft versagt. zumal dieses Prinzip auch bald unausgesprochen. aber geübt auf den „Oesterreichischen Älpenklud", die vornehmste deutsche Touristen- Vereinigung, überging. Was das bedeutet, davon wird mancher ein Liedchen fingen können, der sich mühsam seine Gefährten suchen mußte, der alle Erfahrungen selber sammeln, alles selber lernen mußte. rvaS einem anderen durch gute Lehrmeister mühelos in den Schoß fiel. Ein schwerer Anfang iedeufaUS. der den nicht Sattelfesten zurückschrecken konnte. Ilm so schöner aber war der Sieg für den. der sich allein dnrchgekämpst hatte. Derselbe Antisemitismus, der dem deutschen jüdischen Akademiker den Zugang zur Offiziers- und Beamtenlaufbahn versperrte und versperrt, verschloß ihm auch den Zugang zur alpinen Bewegung. hier blieb immerhin die Gefahr mehr auf die Akademiker beschränkt. Weit größer wurde sie» alS in den Vahren 1921/23 von Oesterreich der der völkisch-alpine Antisemitismus einsetzte unb auch