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KC-Blätter · 1928-07-01 · Heft 1 (Juli 1928) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1928
Issue
Heft 1 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Der Starke, der Raturfreudige fand im Berg ein frcigcwähltes Kampfgebiet für feine unerfchöpften Kräfte, eine nie eirdenwollende Fundgrube stets neuer und stets großartiger Bilder für seine unverbrauchten Sinne. Schon früh beginnt hier besonders beim englischen Hochtouristen der Begriff des „Sportes" aufzutreten, und für die Männer, die in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts die -Alpen zum „plaiground of Europe" machten, die um das Matterhorn kämpften wie um die Weltherrschaft, galt bald das Wort Henry hoeks-): „Der Kampf mit dem Berg ist das eigentliche Ziel des alpinen Sportes... Der Beiz, der Genuß besteht darin, die Schwierigkeiten in möglichst vollkommener Weise zu meistern." Unzweifelhaft liegen starke sportliche Momente im Bergsteigen. Motive, die besonders in den Klenerfoigen der Bachkriegszcit ihre Triumphe erlebt haben. Dies liegt ja schon im Wesen des Kampfes, der nur zu schnell zum Wettkampf wird. Will man der viel bekämpften Definition heiurich Sreinirzers folgen, dann ist Sport: „Jede Tätigkeit, soweit sie ausschließlich zu dem Zwecke ausgcsührl wird. Kräfte mit anderen unter bestimmten Busfübrungsbedtitgungen zu messen. Die Trieoiedern jeder Tätigkeit, soweit sie Sport ist. liegen anssäüießlich in dem Streben nach persönliäK-r Auszeichnung und -Anerkennung." Ein hartes Work und doch liegt viel Wahrheit darin. Aber es paßt nicht ganz auf den „alpinen Sport", wenn man das Wort schon gebrauchen null. Denn hier kann, rvenigstens nach der deut» üx-u Berchteigeranssasfung. der „Sport". das sogenannte ..-Al'sbildnngsmomcnt" im Bergsteigen nur Mmel zum Zweck, nicht endgültiges Motiv sein. Denn das Bergsteigen gibt dem Alpinisten, ali.ü dein rein ..sportlich" eingestellten Kletterer uiiiere Freude», wie sie kein anderer „Sport" vermitteln kann. Dr. Alired Denaner. der im Kriege gefallene '.ndt'.üe Mnn.ixncr Alpinist und alpine Schrift» neller. sck.rieb enunai »: ..Das eben ist das Bor» nehme am Alpultsmus. daß die Zuschauer fehlen, da'; dte Aesuliare umncizbar sind. tUld daß der bene Mann das Beite Ictjtci mit Mitteln, die für den Millionär die gletckren find wie für den Dlurnifien." Sicher spielt be:m Bergsteigen dets k-rpcr* * \\Ak Ausarbetien. das ziell^ewußte. kraftvolle ) ^'cnru Wanderungen und Wandlungen. ') <xu,r»ch So mmer: Sport und Kultur.München l9lU. ') Alfred Deüauer: Bergwanderungen lnden^stalpen.??xUiuden 1913. Bingen mit Fels und Firn eine große Rolle, aber es muß doch letzten Endes nur Ursache sein für die Wirkung, aus die Seele des Bergsteigers, von der alles Aeußerliche übertönt werden muß. „Anfang und Ende ist die Seele."*) Dazwischen liegt die Tat. Es gibt tausend Definitionen über das Wort „Bergsteigen". Keine erschien mir aber so schön wie die, welche der berühmte italienische Alpinist Guido Bey*) uns gab. Er spricht vom „Bergsteigen" als „dieser unvergleichlichen Freude des ganzen Körpers und Geistes, die so ganz airders geartet ist als die übrigen menschlichen Freuden, weil sie in grenzenlosen, unbeschreiblichen Erregungen ihren Ursprung hat. Sie wurzelt in der Eigenart des Schauplatzes, in der Dünne der Luft, im klaren Himmel, im Felsendust, in der Einsamkeit, die um uns, in der Frohheit, die in uns ist. Sie entspringt dem Gefühl der höhe, der Erwartung der Gefahr, dem Brausen der Freiheit, den Baturtrieben des ungebundenen Lebens und dem Vergessen der weltlichen Dinge." Dreierlei Komponente sind es also, die wir als die kostbaren Schätze alpinen Erlebens bergen können, psychologische, ästhetische und ethische -Werte. Das psychologische Moment tritt uns besonders nahe in dem Motive der Einsamkeit. Der Berg ist einsam. Stille der Ewigkeit herrscht an ihm. Sehnsuchtsvoll sucht der Mensch aus dem Trudel der Weltstadt heraus diese Stätten. Reben dem Erlebnis der Tat wird ihm. — wenn er will — wunschloser Seelenfrieden zuteil. Diese Erkenntnis liegt auch in den Worten Josef Pontens'): „Die Ratur selbst hat keinen Feind. Sie ist ausgeglichen und ruht in sich." Ausgeglichen wird auch der Mensch in der Ratur, der Bergsteiger. Es tritt eine Distanz ein zu den Dingen da draußen, das -Alltagsleben versinkt. Rlcht umsonst suchte schon der in Meditation versunkene Prophet dle Einsamkeit tm Berge (II. Kön. 2. 23), zogen die Mönche hinauf in dte Bergklöster von Athos. Auch Dante hat dies erkannt, als er in seiner „Divina Commedia" die Worte prägt«: „Rigirando la montagna, che drizza voi che il mondo fece torti", „Wieder in die Berge will ich gehen, dte alles aufrichten, was die Welt nlederdog." *) Guido Lämmer : Bergsteigertypen und Bergsteiger, stete. Wien!92i. *) Guido Rev: rUettersahrten. Wien 1925. ) Toses Ponten: Der Gletscher, Stuttgart 1923.

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