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KC-Blätter · 1928-07-01 · Heft 1 (Juli 1928) · p. Seite 5

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Journal
KC-Blätter
Volume
1928
Issue
Heft 1 (Juli 1928)
Date
1928-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Der Arzt muß den Gymnasien beraten. Cs gibt zahlreiche Disharmonien in der Entwicklung der Muskulatur, am Skelett selbst in der Relation der Maße innerer Organe, die bewußt beseitigt werden können. Es lohnt ein anatomisch-physiologisch geschultes Auge die durch Aebung erstrebte Körperveranderung überwachen zu lasten. So wie es keine Rankheit an sich gibt, sondern nur kranke Menschen, ist auch der Begriff der Gesundheit unlösbar mit dem Träger — dem Menschen — verbunden. Individualisieren ist deshalb erste Pflicht des Sporthygienikers. Die kühnen Eport-Empiriker haben das langst erkannt und deshalb eine rationelle Einteilung vorgenommen in Jugendliche, Fortgeschrittene, Reise, in Leichtgewichtler, Federgewichtler, Schwergewichtler, in A-, II-, OKlasten, in Werdende und Meister. Der Arzt muß weitergehen. Jeder Sportbeflissene ist systematisch vorzuprüfen. Rur der Arzt kennt die Folgen der Aeberanstrengung. Leistungsfähigkeit, Größe, Schlagfolge, Blutdruck, Rhythmus und Erholungsfahigkeit des Herzens, dieses das Leben bedeutenden Organs der Organe, sind aus das Gewistenhafteste zu prüfen. Dieselbe Sorgsamkeit ist bei der Funktionsprüfung der Nieren und der Lunge erforderlich. Dann erst werden wir in der Lage sein, Uebertreibung im Sport zu vermeiden. Denn das Zuviel schädigt die Sportbewegung. Der Arzt soll ihr treuer Anwalt, aber gleichzeitig ihr strenger Richter sein. Nicht minder wichtig ist die Ausgabe, durch Körper-Training Hemmungen in der Betätigung der Persönlichkeit zu meistern. Ein Schwerhöriger oder Stotterer, besten uitsicher-unbeholfenes Auftreten bei dem Feinfühligen Mitleid erregt, wird durch sportliche Betätigung zur inneren Freiheit erzogen. Gelingt es dem durch spastisch-angioneurotische Zustände Gehemmten oder dem an einem Ausfall von Nervenerregbarkeit Leidenden dain diesen Mängeln bedingte subjektive Minderwertigkeitsgesühl durch sportliche Leistung zu überwinden, so har der Sport seine höchste Ausgabe in der Steigerung des Glücksgefühls der Entrechteten erfüllt. Insoweit ist das Kampfmoment eine notwendige Ergänzung der sportlichen Ziele. Ohne Kampf kein Trieb zur Hervorholung der ungenutzten Kraft und der jedem von Natur befohlenen Aufgabe, feine Individualität im Intereste und zum Nutzen der ganzen Menschheit zu vollenden. Hierin erblicke ich auch die völkerverbindende Macht des Sports. Die Tugend der Fairneß, des natürlichen Anslandes, der selbstlosen Gerechtigkeit, der willigen Anerkennung, der besseren Leistung und des widerspruchslosen Sichbeugens vor der Entscheidung des Unparteiischen ist Herz und Hirn der Sportbewegung. Hier verstummt die Frage nach Geburt und Besitz. Auf sich gestellt, ohne Ansehen der Person, entscheidet die Leistung. Wenn alle Menschen des höchsten Gutes des Sportes einer fairen Lebensauffassung teilhaftig waren, wieviel Schmach und Kummer, wieviel Leiden und Tränen wären uns erspart! Es ist schon so, daß bei der noch für lange Zeit zu befürchtenden Unfähigkeit der Maste, über alle Verschiedenheit der Erziehung, der Hautfarbe, des Besitzes, der „Kultur" hinweg, im Menschen den Menschen, den Bruder, das eigene Ich zu sehen, dem Sport die schwere, aber unendlich dankbare Aufgabe znfällt, Brücken zu schlagen vom Volksgenossen zum Volksgenossen, vom Menschen zum Menschen, von Ration zu Nation, von Erdteil zu Erdteil! Wenn die Aerzte unserer Tage den Begriff des Krankseins immer tiefer in Beziehung zur Persönlichkeit sehen, müssen wir in der Sportbewegung, die den Persönlichkeitswert zu steigern berufen erscheint. einen wirksamen Bundesgenossen im Kampf um das kostbare Gut von Leben und Gesundheit erkennen und schützen. Virchow tat es lange vor der Neubelebung der olympischen Spiele mit den Morten: „Die körperliche Wohlfahrt ist die Grundlage aller Bildung und Freiheit.- Uom Ursen de« Alpinismus und van jüdische» Hergstrigern. Betrachtungen von Vr. Georg Franz Bergmann. 1. Dom Wesen der AlplniSmuS. Man bezeichnet als GedurtSstund« des AlpiniSmuS den Augenblick, da am 8. Juli 1786 der Landarzt 3. Paccard unter der Führung des IägerS 2. Balmat den Gipfel des höchsten Berges SuropaS, den Montblanc, betrat. GS ist hier nicht der Platz, auf dle Geschichte der AlplnlSmuS tm einzelnen») elnzugehen. Nur *) Stehe Lehnen Dle Eroberung der Alpen. München!B24. fodlel fei gesagt, daß das Grundmoment in der wlssenschastllchen Forschung des Zettalters der Aufklärung lag. daß aber dle Freude am Objekt »»Berg" in der zweiten tzälste des neuiv» zehnten Jahrhunderts den klaren Uebergang zum Bergstelgen als Selbstzweck, zum bewußten Alpinismus, hervorrles. Der plötzliche Aufschwung, den dle Bewegung nahm, ist nur zu erklären als ein Protest gegen dle dle Kultur der Zeit überwuchernde Zivilisation.

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