KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 1 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Sport. Eine mr-izinische-piidagogische Studie« Von Dr. med. David Rothschild, (Badcmae-Naffoviae, Frankfurt a. M.) Pisportarc: Sich zerstreuen, ist vielleicht der Ursprung des englischen Weltwortes: „Sport". Die besondere Art, durch systematische Körpcrüdung einen Ausgleich gegenüber der trocknen Erwerbstätigkeit und der reinen Geistigfeit im Gleichgewicht des Lebenshausbaltes zu schaffen, Kat dem Sport eine wichtige Rolle in der Erziehung des modernen Menschen zugewicsen. Während im Altertum die Gnmnastik Selbstzweck und die in den Erholungspausen cingesügtcn Lebrstunden auf geistigem Gebiete Unterbrechung der Körpcrpslcge-Kultur bedeuteten, ist der umgekehrte Entwicklungsgang unserer Zeit ein Versuch, das „mens sana in corpore sano" bewusst in die Tat umzusehen. Der Wille bildet in diesem Streben den entscheidenden Faktor. Wie Demosthenes den Reichtum seiner Phantasie zügeln musste, um der schweren Zunge durch mühselige Aebung die Fädigkeit zu verleiden, die sich überstürzenden Gedanken in beredter Form zum Ausdruck gelangen zu lasten, so wobnt in jedem, der guten Willens ist. die Kraft, den Ausgleich zwischen Trieb und Können zu schassen und durch Uebung zur Harmonie der p'eismng zu gelangen. Daran-? folgt, dast nicht Höchstleistung das allgemeine Sportziel bildet, sondern Angleichung an da-? individuell Erreichbare. Der Weg zu diesem Ziel führt über Irrtum zur Selbsterkenntnis und Selbstbescheidung. Die Höchstleistung kann nur vom körperlich und geistig ebenmästig Entwickelten erwartet werden. Der Versuch, über die Kraft durch Ueberspannung de-? Willens idr nadezukommen. zeitigt schwere körperliche rmd beim Ebrgeizigen seelische Schäden. Es «st noch nicht lange der. das, unsere Gesellschaft dem Arbeiter erlaubt, neben der dürren Sorge um'» tägliche Brot eine Erholnngssttmde dem Geist und Körper zu gönnen. Und doch wissen wir schon, da«, Mc Beschränkung der Arbeit ans eine angemeksene Stundenzahl den Wert der Leistung erhöbt Geschicklichkeit und Arbeitssrende aber auch ihr?»nhessett beben sich Mirct» bie Erholung. Sport liche Betätigung in dieser Zeit führt durch Stählung der?\'u*fclu und Ableuknng von Berufskergeu zur willigeren Uebernadme der Vernfspslichr Sei» zweihundert Zähren hat die maschinelle Mechanisierung der Arbeit ungeahnte Fortschritte gemacht. Tausend Fädigkeiten sind bereits vergessen oder drohen uns adhattden zu kommen, ,veit jedes Training fehlt. Unsere ungeübten Hände verstehen nichts mehr von Spinnen und Weben, bald wird das Schristsehen vergessen sein und selbst das Waschen besorgt die Maschine schon bester als die Hand der Hausfrau. Der Mensch im klassischen Altertum bedurfte de» Körper-Drainings. der um fastenden gymnastischen Ausbildung, um den Gefahren der Ratur und den Feinden seiner Kultur durch überragende Geschicklichkeit erfolgreich zn begegnen. Tie Anpassung an die Bebelfsmaschine führt zur Verkümmerung und Leistungsschwache ganzer Muskelgruppen. Fm Sinne L a n, a r ck s must dem Menschen bei dauernder Inanspruchnahme maschineller Hilfe nicht nur die Fähigkeit, unsere Organe richtig zu gebrauchen, verlorengeben. — der fortgesetzte Richtgebrauch bestimmter Mnskelgruppen wird .zwangsläufig zur Rückbildung wertlos gewordener Organe.führen, — so wie der Olm in den Hödlen von Kram sein in ewigerRächt wertlosgewordenes Augenlicht verlor. Die Engländer haben die Rotwendigkeit des Sports als Gegengewicht gegen die Maschine zuerst erkannt, da sie als Seefahrer und Kolonisatoren den fundamentalen Wert der menschlichen Geschicklichkeit im .Kampf mit den Elementen täglich neu erfahren baden. Sport ist gleichzeitig der beste Helfer, um die Berussgesabren zu überwinden. Kapitäne der Industrie haben es schon ausgesprochen, dast der sportbeflissene Arbeiter sich nicht nur anstelliger zeigt, sondern auch sich wesentlich seltener verletzt. Die Berufskrankheiten nehmen in steigenden, Maste das Interesse der Soziologen, der Aerzte und Unternebmer in Anspruch. Die Benlfsgefahren entspringe», entrveder zu einseitiger Betätigung, oder sre konunen von der pklichtgemästen Berührung in der Arbeit mit Giften. Bakterien. Verunreinig»»»»- gen aller Art. In beiden Fällen kann die Arbeit»- bvgiene nur milpern. Vernünftig betriebe»,er Sport wirb d»,rch gleichmästige Inansprnchnabme aller Organe, durch Lüftung der Lungen, durch rlebung der Muskeln. d»»rch Stärkung des Herzens Krankheit und Siechtum wirksam Vorbeugen. Der Staat als Verslcherungsträger. der beitragspflichtige Sin« ternedmer. die tdcsaurierenden Versicherungsgeseilschäften, die durch den Sport Krauldeits- »»nd Siechtums-Renten fpare»». sollten sich in Bereitwilligkeit überbieten, den Sport zu unterstütze»».