KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 2 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vertrauliche Beilage der K. C.-Blätter 13 Gedanken zur Keilarbeit Ein interessantes Experiment ist vor einiger Zeit in der l. K. V. »Bavaria" durchgeführt worden. Auf einem Diskussionsabend äußerten sich die Bundesbrüder darüber, wie sie selbst zum Eintritt in denK.C. gekeilt worden waren, welche Ansichten sie vorher über den K. C. gehabt hatten, und welche Meinungen sie sich über die Art des Gekeiltwerdens gebildet hatten. Das Ergebnis der Diskussion liegt schriftlich vor. Es wird in den nächsten K. C.-Blättern behandelt werden. Wir bringen als Eröffnung nachstehenden Aufsatz. D. Red. Das S. S. 32 in Heidelberg ließ den, der aufmerksam die Zahl und Art der Aktivmeldungen verfolgte, sehr interessante Beobachtungen machen, die ihrerseits wieder wichtige Rückschlüsse auf unseren Verband zulassen. Die christlichen Verbindungen blieben mit ganz wenigen Ausnahmen erheblich hinter der Zahl ihrer sonstigen Konfuxien zurück. Das ist auch erklärlich, da dort der finanzielle Druck, der vom Aktivwerden abhält, den seelischen Druck der widrigen politischen Verhältnisse, der den jungen Menschen zwingt, sich einer Organisation anzuschließen, weit überwiegt. Aber auch hier konnte man bemerken, daß die jungen Leute, wenn sie sich auch keiner studentischen Korporation anschlossen, sich doch meist verpflichtet fühlten, in irgendeine studentische, meist politische Gruppe hineinzugehen. Bei den jungen Juden sollte man meinen, da der seelische Druck hier den finanziellen weit übertrifft, daß jener für den jungen Menschen als einzelnen nicht mehr erträglich ist, so daß er, um überhaupt gegen die anstürmenden seelischen Widrigkeiten bestehen zu können, sich einem Kräfte-Reservoir. einer bestehenden jüdischen Organisation anschließen muß. Von insgesamt etwa 50 ersten jüdischen Semestern wurden 4—5 im K.J.V., 3 in der F.W.V., 10 im K. C. und etwa 10—15 in politischen Gruppen aktiv, so daß noch fast 50% blieben, die sich nicht entschließen konnten, irgendwo tätig zu werden! Warum die anderen Gruppen, insbesondere die K. I. V. und F. W. V., so wenige bekamen, interessiert hier im Moment nicht, für uns ist aber die Frage von größter Wichtigkeit, warum bekam die Bavaria so viel Füchse und warum bekam sie nicht noch mehr? Die Tatsache des „Hauses" darf als Keilfaktor nicht überschätzt werden; wohl ist sie ein Positivum in der entscheidenden Ueberlegung eines Keilfuchsen, aber keine Existenzfrage. Die, die sich aktiv gemeldet haben, wären wohl auch ohne Haus aktiv geworden, und die, die das Haus allein zur Aktivmeldung veranlaßt, deren Laufbahn als K. C.er sehen wir mit etwas gemischtem Gefühlen entgegen. Der straffe Betrieb, der hier erwiesenermaßen durchgeführt wird, wird bei einem Keilfuchsen, der nur ungern etwas von seiner Bequemlichkeit aufgibt, auch nicht gerade übertriebene Lust zum Aktivwerden wecken. Trotz der Sichtungen, die durch die erwähnten und andere körperliche, charakterliche und tendenzielle Voraussetzungen unter dem Keilmaterial erfolgen muß. wären m. E. noch etwa 8—10 Keilsüchse für den K.C. brauchbar gewesen. Die Gründe dafür zu suchen, daß diese Leute sich dem K. C. nicht anschlossen, das ist die Pflicht desjenigen, der von der Richtigkeit seiner Idee überzeugt ist, und aus dieser Ueberzeugtheit heraus folgerichtig neue Träger für diese seine Idee werben will. — Immer handelte es sich nicht um grundsätzlich andere Ansichten auf der ganzen Linie, sondern immer nur um Einzelfragen, wie die der Couleur, des „freiwilligen Ghettos", der zu starken Gebundenheit usw. Man könnte glauben, daß es einer guten Keilarbeit gelingen müsse, einen Menschen, der sonst vollkommen mit uns einig geht, von der Unrichtigkeit seiner Einzelbehauptung zu überzeugen. Es hat sich aber herausgestellt, daß dieser Glaube trügt, daß es niemals oder nur sehr selten möglich ist, in der so kurz bemessenen Keilzeit einen Keilfuchsen zur Aufgabe seiner äußerst zäh festgehaltenen Einzelbehauvtung zu bringen. Es verstreicht schon sehr viel Zeit, bis diese jungen Leute überhaupt einmal ihr Mißtrauen gegen alles ihnen Fremde ablegen; dann kommt es meistens so weit, daß