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KC-Blätter · 1933-02-01 · Heft 2 (Februar 1933) · p. Seite 50

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 2 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 50 (sequence 14)
Language
German
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50 K. C.-Blätter Der Studentenvater und Hüter der wissenschaftlichen Freiheit Professor C. H. Becker + Mit Professor Becker, dem langjährigen preußis chen Kultusminister, ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der unter den zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten, die dieses Ministerium verwaltet haben, eine ganz eigene Note besaß. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte dafür, wie in der heutigen Zeit einseitige parteipolitische Einstellung den Blick für die Persönlichkeit versperrt und jede tatsächliche Anerkennung der Leistung verhindert, dann wäre es der Amstand, daß dieses Ereignis nicht mit allgemeinen Trauerfeiern an allen deutschen Lochschulen begangen wurde. Becker ist auch auf dem Stuhl des Kultusministers, bei allen Verdiensten, die er sich um die Fortentwicklung des Volks- und höheren Schulwesens erworben hat, stets der besonderen Beziehung eingedenk geblieben, die ihn, den Aniversitätsprofessor, mit dem Lochschulwesen verband. Er hat sich selbst stets gern als Studentenvater bezeichnet und gefühlt. Wenn wir heute seinen Leimgang würdigen dann erscheint es zweckmäßig, ihn selbst zu zitieren und sich zu vergegenwärtigen, wie sich ihm das Wesen der deutschen Aniversität darstellt. Im Jahre 1925 hat Becker hierzu folgendes ausgesprochen:*) „Vom Wesen der Deutschen Aniversität kann man nur mit ehrfürchtiger Scheu sprechen.... Wenn wir von Aniversität sprechen, so.... steht uns klar und deutlich ein Idealbild vor der Seele, eine Art von Gralsburg der reinen Wissenschaft. Ihre Ritter vollziehen einen heiligen Dienst; vom Leiligtum zu allerlei wissenschaftlichem Dienst entsandt, durchwandern und durchforschen sie die Welt, jeder in seiner Weise, jeder nach seinen Methoden, mit seinen Mitteln, nach seinen Kräften, alle aber verbunden durch die Verpflichtung gegenüber dem Gral, der das Symbol der Einheit in bezug auf Gesinnung und Ziel darstellt... Diese Gralsburg der Wissenschaft ist nun aber keine Loge *) „Die Universitätsideale der Kulturvölker" Verlag Quelle & Meyer, Leipzig, 1925. für Vereinsbrüder und kein Gewerkschaftshaus für einen Berufsstand, es ist ein nationales Leiligtum für das ganze deutsche Volk. Sein bestes Streben sieht der Deutsche verkörpert in dem reinen Dienst an der Wissenschaft. Natürlich gibt es auch bei uns Banausen und Geschäftemacher, selbst unter den Professoren, aber das entscheidende ist das restlose und zwecklose Suchen nach der reinen Erkenntnis, und das ist nicht für den Gelehrten, sondern für das ganze Volk so unbedingt die Lauptsache bei der Aniversität, daß sie auf Grund dieses ideologischen Postulats ihre unvergleichliche Position im Selbstbewußtsein der Nation besitzt... Die reine Erkenntnis ist für Deutsche eine heilige Angelegenheit. Wer ihr sein Leben widmet, hat priesterlichen Rang, aber auch priesterliche Pflichten, und trägt eine gewaltige Verantwortung. Jeder Professor ist ein Pfründer der Nation, nicht, weil er künftige Staatsdiener bildet, oder der Industrie den Nachwuchs erzieht, nein, weil die Nation die Notwendigkeit übersieht, daß der Diener am Gral frei und unabhängig dastehen muß. Sie erträgt sogar willig die Auswüchse, die dies System bei Mißgriffen oder Mangel an Nachwuchs nach sich ziehen muß, das Prinzip der nur sich selbst verantwortlichen freien Forschung ist ihr so heilig, wie das der richterlichen Anabhängigkeü. .. Dieser Adel liegt in der inneren. Freiheit zu beliebiger Frage st ellung. (Von Becker gesperrt.) Es ist kein Zweifel, daß der deutsche Mensch im „Professor" Faust den geistigen Prototyp erblickt... Fragen. Forschen ist alles. Nur aus der Frage wird -auch die Ehrfurcht geboren, und nur wer zu fragen wagt, weiß schließlich, was niemals erfragt werden kann. Der Nichtfragende, sich über nichts wundernde Parsifal war der Gralsburg noch nicht würdig. Wer aber das Fragen gelernt hat, wird die Sehnsucht nach der Antwort nicht mehr los, ihn braucht man nicht mehr zu gängeln. Das ist in letzter Linie der Grund für unsere so oft

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