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KC-Blätter · 1933-02-01 · Heft 2 (Februar 1933) · p. Seite 48

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 2 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 48 (sequence 12)
Language
German
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48 K. L.-Blätter Dieser Hinweis enthält für uns alle eine Mahnung und Warnung, zugleich eine Aufforderung, an der sozialen Umgestaltung im Geiste der jüdischen Neligion und Sozialethik mitzuarbeiten! Das Wort und der Begriff des „Jubeljahres" (3. Buch Mose, Kapitel 2o) kann uns als solches wenig helfen, da es nur ein rechtsgeschichtliches Institut der Rechtsordnung eines primitiven Agrarvolkes enthält. Wohl aber ist die aus ihm sprechende soziale Gesinnung auch für unsere Zeit praktisch zu verwerten. In dem heutigen Deutschland tritt diese Frage brennend an uns heran in den Ausschreitungen des Konzernkapitalismus, als deren Folgen die Erscheinung eingetreten ist, daß 96% aller Deutschen nicht mehr zur Vermögenssteuer veranlagt werden, die bei einem Vermögen von 20 000 RM. beginnt, während unter den 4% der zu dieser Steuer Veranlagten sich viele Leute mit einem bescheidenen Einkommen beinden. — Da das Eigentum insbeondere in Gestalt des Konzernkavitalismus nach einer wissenschaftlichen Feststellung des österreichischen Sozialisten Renner nicht allein Herrschaft über Sachen, sondern auch über Menschen bedeutet twas man besonders erkennt, wenn aus irgendwelchen privatwirtfchaftlichen Gründen eine an sich rentable Zeche stillegt und 2000 Menschen oder mit Angehörigen 8000 bis 10 000 Menschen erwerbslos werden) und da weiter nach Forderungen so gemäßigter Sozialreformer wie die der Zentrumsführer Kaas und Lauscher „die Lebensgestaltung des deutschen Volkes nicht von den Interessen einer „hauchdünnen Oberschicht" abhängen darf — da wäre es eine nicht wieder gut zu machende Schuld, wenn wir deutschen Juden stillschweigend an diesem Problem vorübergingen, zumal sich unsere Not von der der anderen Volksgenossen in nichts unterscheidet! Wir müssen die N. S. D. A. P. nicht allein wegen ihres Antisemitismus, sondern auch aus vielen anderen Gründen bekämpfen. Wir dürfen dabei aber nicht übersehen, daß ihr riesiges Anwachsen der Ausdruck der Verzweiflung eines verelendeten Volkes ist. Gelingt es uns deutschen Juden vorbildlich zu wirken und offen alle Auswüchse in unseren eigenen Reihen zu bekämpfen und zu beseitigen, so dienen wir am besten unserem Kampfe um die Erhaltung unserer Stellung als gleichberechtigte Glieder des deutschen Lottes! Gelingt uns dieses nicht, so sinken wir auf die Dauer in politischer, geistiger und wirtschaftlicher Beziehung ins Ghetto zurück, was von den Nationalsozialisten bewußt gefordert wird, aber auch unbewußt von manchen verzweifelten jüdischen jungen Menschen zionistischer oder nationaljüdischer Gesinnung. Ich erinnere nur an die Schrift eines Stuttgarter Nationaljuden, der von Hitler bei Uebernahme seiner Herrschaft für die deutschen Juden nationale Minderheitsrechte — besser gesagt Schutzjudenrechte — Befreiung vom Heeresdienst usw. wünschte, was von den Nationalsozialisten mit großer Sympathie begrüßt wurde. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr einer Hinneigung zum gestaltlosen Kommunismus, der von der überaus großen Mehrheit des deutschen Volkes entschieden abgelehnt wird. Ich sage nichts gegen den Jndividualkapitalismus, der feine geschichtliche Berechtigung gehabt hat und im bescheidenen Maße (ich denke besonders an den mittleren und kleineren Unternehmer) auch in Zukunft haben wird. Wohl aber verlange ich in Uebereinstimmung mit Forderungen maßgebender Parteien Verstaatlichung der Bergwerke (die an sich nichts Erschreckendes mehr hat. wenn man bedenkt, daß die Verstaatlichung der Eisenbahnen schon von Bismarck durchgeführt wurde) und Verstaatlichung oder Kommunalisierung oder in irgendeiner Weise öffentlich-rechtliche Kontrollen der Großbanken wie des gesamten Geldverkehrs, letztere ist schon heute in großem Umfange vorhanden. Ich kennne sehr wohl die Nachteile, welche mit einer Bürokratisierung dieser wirtschaftlichen Zweige geschaffen würden. Vor allem kenne ich das Wort Walther Rathenaus, der sich gegen einen Sozialismus der bloßen Institutionen wandte, und vor allem eine Umwandlung der Gesinnung, sozusagen einen Sozialismus des Herzens forderte. Das gilt vor allem für die großen vom Konzernkapitalismus beherrschten Wirtschaftsgebiete, welche nie für bürokratische Verstaatlichung, Kommunalisierung oder Umwandlung in Genossenschaften in Frage kommen,

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