KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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5t. C. - Blätter 47 Israel auch sittlichen Wollens zu machen, das ist Geschichte! Es ist notwendig, daß eine Profangeschichte Israels geschrieben wird. Sie stellt aber in schlichter Eindringlichkeit die Frage, warum es gerade Israel vergönnt war zu bleiben und zu wirken, ein Kulturfaktor zu werden. So wird denn diese Darstellung der Profangeschichte zum besten Beweis für das Ewige, das in Israels Geschichte sich offenbart. Auerbach stellt es nicht dar. aber seine Geschichtsauffassung atmet es auf jeder Zeile von selber. Auerbachs Werk soll fortgesetzt werden. Die äußerst verwickelte Darstellung der Geschichte der beiden Reiche Israel und Juda, die Geschichte des politischen Wirkens der Propheten wird in einem zweiten Bande dargestellt werden. Auf diese Vollendung des Werkes wird man warten. Die Methode Auerbachs läßt es als gewiß erscheinen, daß seine Darstellung auf viele ungelöste Probleme ein neues und überraschendes Licht werfen wird. Dr. Felix Goldmann, Leipzig Soziale Umgestaltung aus dem Geiste jüdischer Religion und deutschen Rechtsdenkens Von Rechtsanwalt Dr. Ostwald (Rhen.-Sil., Rhen.-Bav.j, Münster i. Westf. Nachstehender Aufsatz ist bereits vor den Reichstagswahlen im November 1932 geschrieben worden. Er ist jedoch auch heute noch immer aktuell und wir bringen ihn seiner interessanten Gedankenführung halber, unter ausdrücklicher Betonung, daß er lediglich private Ansichten seines Verfassers Wiedergibt. D. Red. Es ist eine betrübende Tatsache, daß zu den furchtbaren sozialen Wirren und und Nöten, in denen das verarmte deutsche Volk um die Gestaltung einer neuen Lebens- und Volksordnung kämpft, niemals vom Standpunkt der jüdischen Religion aus Stellung genommen worden ist. Wohl haben seit Mitte des 19. Jahrhunderts einzelne erleuchtete Köpfe und eine Reihe Nachzügler jüdischer Abkunft, aber meist nicht jüdischen Glaubens, zu den Gründern und Vorkämpfern des Sozialismus gehört. Doch hat dieses für das Problem unserer Tage wenig zu sagen, vor allem deshalb, weil es sich damals nur um die Emanzipation der Arbeiterklasse und ihre allmähliche Eingliederung in die bürgerliche Gesellschaft handelt. Heute geht es um die Neuordnung und Umgestaltung der Lebensform des ganzen deutschen.Volkes und damit auch der deutschen Juden. Einzig und allein Walther R a t h enau — wohl der geistig bedeutendste deutsche Jude seit der Emanzipation — hat in vielen seiner Schriften Forderungen aufgestellt, die denen der jetzt erstrebten sozialen Neuordnung gerecht werden. Er wird auch heute noch in geistigen christlichen Kreisen mehr als in jüdischen beachtet. Von katholischer und evangelischer Seite ist in den letzten Jahren zu diesen brennenden Problemen sehr oft Stellung genommen worden. Ich verweise nur auf das Rundschreiben Pius XL „Zum 40. Jahr" aus 1930, in dem er von katholisch-religiöser Einstellung aus praktische Vorschläge zur sozialen Umgestaltung gibt,' in diesem Rundschreiben wendet sich der Papst sowohl gegen die Auswüchse des Kapitalismus und Mammonismus wie auch gegen die der proletarischen Diktatur. — Aus evangelischer Seite sei auf die Anhänger des „Tat" - Kreises verwiesen, dessen Bestrebungen und Schriften besonders die jüdische Jugend beachten möge — auf den evangelischen Zentrumsmann Adam Röder, der in seiner „Süddeutschen konservativen Korrespondenz" von ähnlichen Gesichtspunkten wie der Katholizismus die Auswüchse des Konzernkapitalismus geißelt, endlich auf die Bestrebungen des christlich-sozialen Volksdienstes. Wenn man alle diese Veröffentlichungen liest, muß man als Jude mit Beschämung das Fehlen solcher Erscheinungen in der Jetztzeit von jüdlschreligiöser Seite aus feststellen! Ein Anhänger der christlichen Landvolkpartei erklärte mir: „Die jüdische Religion hat einst der Menschheit den Gedanken des Jubeljahres gebracht, die deutschen Juden haben darum die Verpflichtung, dem deutschen Volke in seinen schweren wirtschaftlichen und sozialen Kämpfen mit gutem Beispiel voranzugehen"!