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KC-Blätter · 1933-02-01 · Heft 2 (Februar 1933) · p. Seite 46

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 2 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 46 (sequence 10)
Language
German
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46 K. C. - Bliitter Land"*) nennt. Es handelt sich um eine Geschichte Israels von seinen Anfängen bis zum Tode Salomos. Das Buch ist nicht nur als Einzelerscheinung bedeutsam und begrüßenswert, sondern die Methode ist es, die uns für weitere Arbeiten Auerbachs viel verspricht, die geradezu Grundlage dieses Zweigs der Wissenschaft überhaupt werden müßte. Auerbach gehört keineswegs etwa zu denen, die die göttliche Führung in Israels Geschichte leugnen! Man gewinnt im Gegenteil aus seiner Darstellung den Eindruck, wie besonders gewaltig der göttliche Geist sich in der Geschichte unserer Vorfahren offenbart hat. Er erzielt aber diesen Eindruck dadurch, daß er zunächst einmal Israels Vergangenheit als Profangeschichte erfaßt und beschreibt, und er gewinnt damit den festen Boden des Tatsächlichen. SowieAuerbachsieuns dar stellt, hat sich sicherlich d i e Ge schichtedes altenJsraels abgespielt. Gewiß wird sich vom Standpunkt der Bibelkritik aus zu Einzelheiten seines Buches manches sagen lassen. Es gehört freilich nicht an diese Stelle. Orthodoxe, von vornherein festgelegte Anschauungen werden an der Tatsache Anstoß nehmen, daß er das Vibelwort nicht so nimmt und deutet, wie es überliefert worden ist. Radikale wissenschaftliche Strömungen werden seine starke Rücksicht auf die Tradition als unwissenschaftlich verurteilen. Es kommt aber darauf nicht an. Es gibt auch in der Darstellung der Geschichte etwas Intuitives, und wenn man dieses Buch liest, das in der Anschaulichkeit und Lebendigkeit seiner Darstellung oft wie Unterhaltungslektüre wirkt, so fühlt man instinktiv, daß in dem Geiste des Verfassers die Vergangenheit seines Volkes lebt. So kann man nur schreiben, wenn man selber ein Glied der Gemeinschaft ist. die man darstellt. So weiß man nur die Zusammenhänge zu deuten, wenn im Unterbewußtsein die Voraussetzungen dieser Ereignisse noch in der letzten Tiefe vorhanden sind. Auerbach wird freilich dadurch unterstützt, daß er ein ausgezeichneter Kenner des Landes Israel ist, und die Erdgebundenheit der geschichtlichen Er- *) „Wüste und gelobtes Land", Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salomos von Elias Auerbach. Mit 18 Bildtafeln und 8 Abbildungen im Text. Kurt Wolff Verlag A-G-, Berlin 1832. eignisse muß vor allem in der Erklärung der Bibel beachtet werden. Was schon für die Realien der Bibel, wie Fauna, Flora, Geographie etc. eine Selbstverständlichkeit ist, muß auch Grundlage der geschichtlichen Wissenschaft sein. Auerbach kennt das Land, und ihm eröffnen sich die vom Boden und vom Klima, von. der geographischen und historischen Gestaltung des Landes abhängigen Zusammenhänge mit einer Selbstverständlichkeit, die auch auf den Leser überzeugend wirkt. Dazu kommt eine große Kenntnis der Bibel und der sie betreffenden Literatur, mit der Auerbach glücklicherweise nicht in einer unübersehbaren Fülle von Anmerkungen prunkt, die aber doch aus jeder Zeile für den Kenner spricht. Auerbachs Buch wirkt., eben überzeugend, und das ist letzten Endes das Beste, was man von einem geschichtlichen Werk zu sagen vermag. Auerbach legt besonderen Wert auf die Darstellung des geschichtlichen Sinnes der alten Juden, ein Sinn übrigens, der sonst im Orientalen nur schwach entwickelt und der dem Juden des Mittelalters fast vollständig verloren gegangen ist. Er weist auf, daß in Israel zuerst der Begriff der Geschichte und des geschichtlichen Denkens auftauchte und daß in diesem Volk sich die Geburt der Geschichtsschreibung vollzieht. Er geht sogar soweit, daß er die Erfindung der Buchstabenschrift überhaupt dem alten Judentum als Kulturtat zuschreibt. Daß Chroniken und Geschichte nicht dasselbe sind, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Assyrien und Babylon, das alte Aegypten, kannten den Begriff der Chronik und der Annalen sehr wohl. Es ist aber ein außerordentlich glücklicher Gedanke von Auerbach, wenn er zeigt, daß das alte Judentum auch hier das Kulturgut der Umwelt in seinem Sinne verarbeitet und veredelt hat. Wie die Sagen der Umwelt — besonders bekannt ist das Beispiel der Sintflut — vom biblischen Zeitalter aus dem chaotisch - kosmischen umgebogen worden sind in das sittliche und richtunggebende. so steht es mit der Geschichte auch. Grundlage aller Geschichte ist die Chronik. Die Chronik aber zu deuten, den Zusammenhang der Dinge zu erkennen, diese Erkenntnis zur Grundlage politischen und im alten

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