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KC-Blätter · 1933-02-01 · Heft 2 (Februar 1933) · p. Seite 44

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 2 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 44 (sequence 8)
Language
German
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44 K. C.-Blatt er leiden macht, rvas in uns verworrene Ideen erzeugt, was unser Lebensgefühl herabstimmt) ist dem Zustande des vollkommenen Seins entgegen. : Darum sind alle Leidenschaften, Trauer und Unlust, Mitleid, Demut und Neue schlecht. Der Affekt aber, der das Lebensgefühl erhöht und das Denken fördert, ist gut: das ist die Freude. Nannten die 'anderen großen Denker jener Epoche alle Affekte schlecht, so nimmt Spinoza diesen einen aus, soweit er nicht im Uebermaß auftritt. Dieser eine Affekt vermag das. was der Wille nicht kann, wei'l sein Wirkungsbereich nie in die Sphäre der Körperlichkeit übergreift: er vermag die schlechten Affekte zu verdrängen und an ihrer Stelle ein vollkommeneres, beruhigtes Dasein unter der Leitung der Vernunft zu verbürgen. Selbst Trauer verwandelt sich in Freude, wenn in klarer Einsicht ihre Ursache erkannt wird, und hört damit auf. eine Leidenschaft zu sein. Die Freude aber wird zur Heiterkeit — das lateinische Wort bilarituL bezeichnet noch deutlicher, was gemeint ist — wenn sie sich auf Körper und Seele zugleich bezieht. Dieser Zustand des Gemüts kann niemals ein Uebermaß haben. Mit ihm ist die vollkommene Berubigung erreicht. Die Einsicht ist nicht mehr getrübt durch die Einwirkung fremder Dinge. Keine Leidenschaft behindert mehr das reine Handeln. Hier ist der ganze Mensch tätig. Seine Tugend ist auch sein Glück. Sein, handeln, leben, das bedeutet: glückselig sein, gut handeln, gut leben. So strebt alles zum Ganzen. In der sozialen Sphäre lehrt die Einsicht, daß für den Menschen nichts nützlicher ist als der Mensch, und die Pflichten freundschaftlicher Zuneigung, hilfreichen Beistandes und unbestechlicher Gerechtigkeit werden, nicht aus einem vagen Gefühl heraus, sondern aus freudiger Einsicht erfüllt. Den Menschen aufrichten, das ist besser, als ihn durch Tadel zerbrechen. Dem Ganzen der Welt gegenüber bezieht die Erkenntnis der Zusammenhänge alles Geschehen auf Gott, dessen Emanation es ist. Mit der Einsicht steigert sich die Liebe zu Gott, jene stolze und freie Haltung des Geistes, deren Mystik klar wie Kristall und doch tief ist wie der Brunnen der Unendlichkeit. Sie kennt kein Verlangen nach Gegenliebe, sie schließt niemanden aus, ja. sie wird größer noch, je mehr Menschen an ihr teilnehmen. Diese letzte Stufe des Lebens ist nicht der Lohn für die Taten der Ueberwindung. Sie macht die Taten der Ueberwindung erst möglich. Sie schenkt nicht Glückseligkeit als Lohn, sondern sie ist Glückseligkeit selbst. In der geistigen Liebe zu Gott ist die Verbundenheit mit dem Weltgrunde beschlossen. Sie vollendet das Denken Spinozas, wie es in Gott begonnen hatte. * „Ich erinnere mich gar wohl, welche Beruhigung und Klarheit über mich gekommen. als ich einst die nachgelassenen Werke jenes merkwürdigen Mannes durchblättert." So bezeugt Goethe den Eindruck, den Spinozas Werk auf ihn machte. In diesem Hohelied der Weisheit, das vielfach an die biblische Weisheit des Königs Salomo erinnert und hinwiederum antikes Ebenmaß mit modernem Willen zum Unendlichen vereinigt, ist ein Zustand der Stille und Geborgenheit erreicht, der ganz ferne steht dem leidenschaftlichen, verwirrenden Treiben des Menschenlebens. Es liegt darin ein sehr tiefes Wissen um alles Leiden und Mühen. Streben und Sich-Freuen. Dies Wissen aber berührt und erregt nicht mehr die denkende Seele. Es mündet wie ein Strom, dessen Kraft gebändigt ist, in die große Unbewegtheit des Gemüts und wird geläutert in einer Flamme, die nicht brennt, sondern nur leuchtet. Die ganze Hingabe eines tapferen Herzens wendet sich nur dem einen zu: dem Erkennen, der Allverbundenheit und der mystischen Versenkung in den Weltgrund. Dieses Grundgefühl herrscht nicht nur im Werk, sondern auch in dem stillen, geduldigen Leben seines Schöpfers. Es ist kein Bruch zwischen

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