KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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42 K. C. - Blätter Seinsgrundes. Aus der kristallenen Ruhe und Klarheit des Geistes erfaßt den ganzen Menschen eine Kraft des Schaüens, die ihm den Blick über die Welt und ihre Zusammenhänge eröffnet. Das einzelne entreißt sich der Vereinsamung, das Chaos wird zum Kosmos, die Dinge behalten ihre Distanz und sind doch nahe durch die Deutlichkeit des Denkens und Anschauens. Dieses Verhalten schließt kein Leiden in sich, wie alles, was von außen her den Menschen treibt. Es gründet sich allein in der Seele. Es ist das reine Handeln. Keine Norm gebietet, die außer der Seele ist. Auch dre Wahrheit, die letzthin entscheidet, ist nicht für sich, außerhalb der wahren Idee. Das Ja mti) das Nein ist im Denken das Entschleiernde und Verhüllende wie Licht und Schatten in einer Radierung Rembrandts. Ohne von den Gegenständen losgelöst zu sein, weisen sie ihnen den Platz an, der ihnen ihrer Natur nach angemessen ist. Wenn Scheffler vom Licht in Rembrandts Staalmeesters schreibt: „Es ist ein Licht, von dem man sagen darf: es denkt.", so ist hier die Umkehrung erlaubt: Dieses Denken ist Licht,' das erhellt. * Das Urteil, das Wahr von Falsch scheidet, ordnet nicht nur das Gefüge der Welt, das dem ersten Eindruck verworren gegenübertritt. Es ist auch das Tun selbst insofern, als unmittelbar mit der unbezweifelbaren Erkenntnis die Tat gesetzt ist, das Falsche von sich fern zu halten, das Wahre aber an sich heranzuziehen und mit ihm eine vertrauensvolle Gemeinsamkeit einzugehen. Es gibt in diesem Bereich keine Diskrepanz mehr zwischen Wille und Einsicht. Wille und Vernunft erkennt Spinoza als ein und dasselbe. Das Sein bricht nicht mehr in Reue und Verzweiflung auseinander. So weit entrückt der Zerspaltenheit des Daseins, empfindet die denkende Seele nur noch die stille Heiterkeit, die den Uebergang zur Vollkommenheit, zu größerer Realität, zu Tugend und Kraft begleitet. Die klare und deutliche Erkenntnis weist den Weg, den Natur und Vernunft in gleicher Weise gehen: den Weg der unbedingten kausalen Gesetzmäßigkeit. Das strenge Gesetz der Notwendigkeit, nach dem eines aus dem andern folgt und nichts anders sein kann als es ist. kennt nicht Ziel noch Absicht, es läßt keinen Raum mehr für ein Reich der Zwecke. Die Welt, entströmt der göttlichen Substanz, ist in ihrer Ordnung nichts weiter als der Ausdruck der göttlichen Wesenheit selbst. Es hat keinen Sinn, in der Natur Fehler oder Unvollkommenheiten entdecken zu wollen, sie schön oder häßlich, gut oder böse zu nennen. Der Mensch in seiner Ohnmacht lobt oder tadelt mit diesen Worten die Dinge, weil sie ihn angenehm oder unangenehm ansprechen. In der Natur, ebenso wie in der Seele, hat alles feinen Platz, unabänderlich aus der Natur Gottes, der selbst diese Ordnung nicht abbeben kann, weil er sonst sein eigenes Wesen verändern würde. Diese Anschauung schließt in sich die überlegene Resignation des Denkers, von der Goethe spricht, jene Resignation im ganzen, „um allen partiellen Resignationen aus dem Wege zu gehen," die gleichmütige und, im Bewußtsein sicherer Einsicht, hoheitsvolle Ablehnung alles Werkens. - Auf die Frage, wofür Toren, Selbstmörder. Wahnsinnige zu erachten sind, antwortet er: „Ich gestehe, daß ich es nicht weiß". Als Ausdruck dieser durchgängigen Bestimmtheit alles Seins ist auch die viel angegriffene geometrische Methode zu verstehen. Es wäre kaum möglich, in einer andern Form so ruhig und unbeirrt erregende Dinge zu sagen. Er findet für die Leidenschaften, für Haß und Liebe, für Verworrenheit und Einsicht die gleichen unbekümmerten, schlichten Ausdruck. Wie in einem geometrischen Gebilde stimmt alles zusammen: in der Zeitlichkeit die Notwendigkeit von Ursache und Wirkung, deren Erkenntnis die Klarheit und Deutlichkeit der Einsicht verbürgt; für die Ewigkeitsbetrachtung die Gleichzeitigkeit und doch durchgängige Abhängigkeit der Gegebenheiten voneinander, wie im Dreieck die Winkel und die Seiten gleichzeitig sind und doch wechselseitig voneinander abhängen. In dieser Region verbürgt die dritte Erkenntnisstufe, die ausschauende, den Wahrheitsgehalt, die er einmal am Beispiel der einfachen Proportionalzahlen erläutert, da ein Anschauen die Lösung erschließt. *