KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 6 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertrauliche Beilage der K. C.- Blätter 63 Angreifern entgegenrufen: „Wir lieben unser Vaterland!" Dann wird es auch ein leichtes sein, in einer Zeit, wo unsere tiefinnere Aeberzeugung durch äußere Angriffe wankend werden könnte, uns durch das Kantsche: „And Dennoch!" oder Lichtes: „Gerade weil!" aufzurichten und den Weg zu gehen, den wir gehen müssen. Die zwei Punkte meines Vorschlags harmonieren nur scheinbar nicht miteinander. Man mag in Verfolgung geistiger Spekulationen, ganz unphilosophisch gesprochen, ausrufeu: „Ich habe einen Leib", und so zu einer gewissen Kampfmüdigkeit und Passivität, wie sie beim heutigen Judentum zu beobachten ist, kommen. Wenn man aber wirken will, durch Daten wirken will, und eine Kampsmüdigkeit nicht aufkommen soll, wird man nicht umhin können zu behaupten: „Ich bin mein Leib!" So dürfte sich wohl auch die Zusammenstellung der beiden Punkte rechtfertigen unter der Devise: Mut, Geist, Wille, Kraft! Ich bin auf starken Widerspruch erade der Alten Herren gefaßt. Ls at sich nämlich gezeigt, daß sie jünger sein wollen als wir. Ich möchte ihnen aber zurufen: Wenn wir Jungen den Weg aus der Not nicht allein finden, ihr Alten werdet ihn uns nicht zeigen können! Ich darf, sehr geehrter Herr K. L.- Redakteur, wiederholen, daß es mir fern liegt, die Ansichten anderer zu mißachten und daß ich nur meiner höchstpersönlichen Anschauung, (das Recht, sie zu wahren, muß ich mir freilich Vorbehalten) Ausdruck gegeben habe. Ich bin mit kartellbr. Grüßen Ihr Siegfried Weihl (Nass.). Amstellung? Umstellung! So gut und so schön die Ideen und Gedankengänge der Kbr. .Kbr. Reichmann und A. Pincus in den beiden letzten Nummern der K. C.-Blätter auch sind, so schießen sie doch in den praktischen Folgerungen entweder über das Ziel hinaus oder sind nicht weitgehend genug. Bei der Betrachtung des ganzen Fragenkomplexes muß, wie bei allen Reformvorschlägen — denn um etwas anderes handelt es sich doch im Grunde gar nicht — oberster Leitsatz sein: erst aufbauen, dann ab bauen! Ls erscheint mir daher nicht angebracht, mit dem Negativen, wie Abschaffung der Couleur und der Kneipe, Verbot der Mensur zu beginnen. Wenn es uns gelingt, dem K. L. einen neuen geistigen Inhalt zu geben, dann werden diese Dinge ganz von selber verschwinden, ohne daß man mit Verboten Vorgehen muß, die doch nur wieder einen Teil der Aktiven vor den Kopf stoßen. Anter diesem Gesichtspunkt betrachtet, scheinen mir die Vorschläge und Anregungen von Kbr. Löwenstein (Nass.) äußerst beachtenswert. Genau wie er bin ich der Ansicht, daß sich unser Verband — wenn er auch in Zukunft seine Daseinsberechtigung erweisen will — umstellen muß und wieder zur Kampftruppe gegen den Antisemitismus und für die Freiheit und Gleichheit aller Menschen werden muß. Wie die Dinge heute an den Aniversitäten leider nun einmal liegen, ist nicht damit zu rechnen, daß der ritterliche Zweikampf auf der Mensur je wieder das werden wird, was er noch vor dem Kriege war. Im Gegenteil, wir werden uns noch mehr, als das heute schon geschieht, auf den Kampf mit Bracchialgewalt umstellen müssen. Es wäre nun äußerst falsch, wollte man zu diesem Zwecke so etwas wie eine jüdische S.A. ins Leben rufen. Sie würde uns nicht nur nichts nützen, sondern im Gegenteil nur schaden, indem sie eine Drennungsschranke mehr zwischen uns und denen bedeuten würde, die eigentlich unsere Bundesgenossen sein sollten. Wir wollen uns doch einmal darüber klar sein, die letzten Ausschreitungen an den Aniversitäten richteten sich primär gar nicht gegen die Juden, sondern gegen Nichthitlerianer und Republikaner. Die Juden werden — in den meisten Fällen wenigstens — nur deshalb angegriffen, weil man ihnen in der Mehrzahl ansieht, daß sie anders denken als Hitler und weil eine Nase ein bequemeres Erkennungszeichen ist als ein kleines Abzeichen am Rock!