Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1931-11-01 · Nr. 6 (11.1931) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Nr. 6 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268996-9971334--4186-2273378
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 Vertrauliche Beilage der K. C.-Blätter Vor allem diese unheilvolle Vielheit, die mit einer tatkräftigen Gemeinschaft unvereinbar ist, würde vermieden. Die K. L.er würden durch die Waffe zufammengeschweißt, während sie jetzt nur ein Programm zusammenhält. Mein Vorschlag ist ein Radikalmittel, das, wie ich Wohl weiß, keine Aussicht auf Anwendung hat. Aber besser ein ehrliches Nichtsein als ein Halbsein! In einer Zeit, wo stärkster Aktivismus uns bedroht, dürfen wir uns keineswegs einem passiven Weltgefühl, das in der Iudentzeit augenblicklich symptomatisch ist, ergeben. Laßt uns das Ansrige tun, wenn es auch wenig ist. Doch was wir tun können, das wollen wir auch ganz tun. Punkt 2: Vertiefte Bildung, Geistigkeit. Preußen in seiner größten Not verstärkte die Geistesbildung; es gelang ihm so, Abstand von den augenblicklichen Gegebenheiten zu gewinnen und der Not der Zeit innerlich nicht zu unterliegen. Das gilt für Deutschland auch jetzt und für die jüdischen Deutschen besonders. Ls wird uns heute schwer, ganz abgesehen von religiösen Fragen, zu Problemen wie Volk und Staat, Deutschtum und Vaterland den richtigen Standpunkt zu gewinnen. Nur durch Vertiefung des Geistigen kann es uns gelingen. Wir haben heute kein Recht mehr, von einer besonders starken Geistigkeit des Durch« schnittsjuden zu sprechen. Ich wenigstens muß gestehen, daß ich bei christlichen Freunden für irgendein Problem häufig feineres Verständnis fand als bei meinen jüdischen. Ls bleibt uns in dieser Hinsicht viel zu tun. — Wir sind bei der heutigen Situation körperlich in die Verteidigung gedrängt, ein Angriff von uns wäre unsinnig und vermessen. Aber durch den Geist ist es möglich, eine unangreifbare Position zu erklimmen. Nur die geistige Persönlichkeit ist wahrhaft frei! — Es bedarf wohl kaum einer Erörterung, daß Tendenzstunden zur geistigen Vertiefung gänzlich ungeeignet sind. In einem nichtjüdischen Kreise haben meine Freunde und ich eine Einrichtung getroffen, die uns alle sehr gefördert und viel Freude gemacht hat. Für m\\ :t Wissens- und Kunstgebiete ton, ,u Dezernenten ernannt, die nach Fachbildung und Interesse auf t>em"iv*r. Gebiet den andern voraus war n. Das ließe sich auch in einer ch > bindung sehr gut durchführen. Die Juristen würden wissenswerteProbl^:..e des öffentlichen und Zivilrechts erläutern und die Corona über rechtliche und politische Entwicklungen uns dem laufenden halten. Die Mediziner könnten über wichtige Fragen chrcs?'aches (Tuberkulose, Geschlechtskrankeiten) aufklären und naturwissenschaftliche Probleme erörtern. Auch die Philosophie müßte einen gewissen Raum einnehmen. Es ist z. B. nicht angängig, daß die Brander unbedingte Satisfaktion geloben, ohne die grundlegenden Ausführungen Schopenhauers zu kennen und ohne, als Gegenstück, über Nietzsches Herren- und Sklavenmora! etwas gelesen zu haben. Gemeinsamer Besuch von Aufführungen und Konzerten mit anschließendem Austausch der Eindrücke würde sich auf das Kunstverständnis der einzelnen vorteilhaft auswirken. Judentum als Religion ist irrational und daher nicht erfaßbar. Judentum als Wissenschaft kann m. E. nur einen gewissen Vorrang, keineswegs einen Vorzug* verlangen. Aktivität bedeutete bisher Verzicht auf viele Bildungsmöglichkeiten, nach den eben genannten Richtlinien würde aber gerade durch die Aktivität jeder seine Bildung vorteilhaft abrunden können. An Stelle von manchmal recht unsinnigen Offizien würden sinnvollere treten. In 4 Semestern l zt sich nicht nur Breiten-, sondern auch Tiefenarbeit leisten. Es wird avch für Füchse interessanter sein, in ein n derartigen Kreis einzutreten, als ln e es mir geschah) in den Fuchse stunden mit biblischer Geschichte Lr rtiert zu werden. Nur dann ist glühende, lebend;e Liebe zum Vaterland, die ja^ ans Korrelat zu vaterländischer „Ge > nung" ist, möglich, wenn man r m deutschen Geist, der unendliche En rgien ausgestrahtt hat und noch a s-- strahlen wird, wenigstens einen Ha w verspürt hat. Aus tiefem, urkräftchem Gefühl möge es quillen, nicht nur ans bläßlichen Reflexionen, wenn wir an n

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.