Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1931-11-01 · Heft 11 (November 1931) · p. Seite 188

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 11 (November 1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 188 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2268830-2268996-2269008--4108-2273367
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

188 K. E.« Blätter Rachr.-Heft Zahl aller Burschenschafter. Zur Harzburger Front gehören, und nicht parteipolitisch sein, ist ein Kunststück, das nur ein Burschenschafter fertig bringt. Wie bedenklich die Verirrung ins politische Schlagwort sein kann, insbesondere wenn man es gar nicht so sehr politisch meinte, haben wir in der vorigen Kummer anläßlich des Falles Krieck gezeigt. Bemerkenswert ist der Kommentar, den die V.C.-Rundschau zu diesem Falle liefert. Sie faßt Kriecks Worte so auf, wie sie naheliegenderweise verstanden werden mußten, und sieht in dem Gruß ans Dritte Reich eine Ermunterung der „nationalen (lies: nationalsozialistischen) Jugendbewegung." Demzufolge grüßt sie nun. ihrerseits Professor Krieck als Wegbereiter „neuen Denkens". Da Herr Professor Krieck sich aber lebhaft verwahrt hat, Wegbereiter des nationalsozialistischen Denkens zu sein, so erhebt sich die Frage, ob er nun eigentlich ohne Unbehagen von den Kreisen der V.C.-Rundschau gegrüßt sein möchte. Bekanntlich gibt es zuweilen Grüße, die man lieber übersieht. Professor Krieck erwähnte übrigens in seiner Rede, daß Gotthold Ephraim Lessing schon sich des Wortes vom „Dritten Reich" bediente. Sonderbare Wandlungen eines Wortes, das sich im Kopse eines Lessing bestimmt anders malte als im Kopf eines Hitler. Hoffen wir, daß ein Volk, das zwischen Hitler und Lesstng zu wählen hat, schließlich doch die richtige Entscheidung nicht verfehlt. R. H. Verlängerte Amtsdauer für AniverfitäLsrektoren? Angesichts der jüngsten tzochschulskandale tauchten Vorschläge auf, die Amtsdauer der Rektoren nicht nur auf ein Jahr zu befristen, sondern eine Möglichkeit zu schaffen, wonach Rektoren, die sich in Tumulten bewährt hätten, länger amtieren könnten. Verfolgt man die Chronik der letzten Zabre, so wird einem die Berechtigung derartiger Pläne nur zu gewiß. Es ist im einzelnen noch nicht gesagt, wie in Zukunft nach einer derartigen Regelung die Stellung des Rektors gedacht sei, jedenfalls würde eine grundlegende Strukturänderung des Rektorats die Folge sein. Ob diese Pläne in irgend einer Form verwirklicht werden, ist heute noch nicht abzusehen, und hängt nicht zum letzten vom Verhalten der Studentenschaft ab. Aber bezeichnend ist das Ganze für die Geistesänderung, die heute auf den Hochschulen vor sich gegangeit. ist. Es zeigt sich in der Tat, daß die Aniversität keine friedvolle Stätte der Wissenschaft mehr ist, deren Haupt sich geruhsamen Verwaltungs- und Repräsentationsaufgaben widmen kann. Heute muß der Leiter einer Universität zweckmäßiger Weise danach erwählt werden, wie groß seine polizeitaktischen Fähigkeiten sind. Es ist traurig, daß man heute mit wiederkehrenden Krawallen, als mit wesentlichen Bestandteilen des Aniversitätslebens, rechnen muß. Die Herren, die das verschuldet haben, und sehr erstaunt sind, wenn der Staat die lange geübte Geduld doch mal zu verlieren scheint, zetern dann über Verletzung der akademischen Freiheit. Da ist es in Wien doch besser. Da wird die „akademische Freiheit" in der Universität durch keinerlei Polizeimaßnahmen gestört. Für österreichische Verhältnisse scheint es freilich weniger begrüßenswert, das Amt des Rektors zu perpetuieren. Rach allem, was man aus Wien zu hören bekommt, wäre das absolut nicht gleichbedeutend mit einer Friedensgarantie. In Deutschland ist das aber gänzlich anders. Der Hochschulring will politisch werden. Der Vertretertag des tzochschulrings im Wehrsportlager Stülpe, der am 24/25. Oktober stattfand, ließ die Forderung nach größerer Politisierung erkennen. Die Hauptarbeit des Hochschulrings ist in den letzten Jahren bekanntlich im Wehrsport konzentriert gewesen. In Stülpe wurde betont, daß die Wehrsportarbeit mit einer stärkeren politischen Schulung unmittelbar verbunden sein müsse. Rachstehende Entschließungen wurden angenommen, die etwas mystisch erscheinen: „Die außenpolitische Entwicklung der letzten Wochen zeigt, daß weder durch Wahlen noch durch Proteste das herrschende System abgelöst werden kann. Rur durch systematische politische Schulung und Einsatz in Richtung auf eine befreiende deutsche Außenpolitik kann. eine entscheidende Wendung herbeigeführt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.