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KC-Blätter · 1931-11-01 · Heft 11 (November 1931) · p. Seite 186

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 11 (November 1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 186 (sequence 4)
Language
German
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186 K. C. «Blätter Nachr.-Heft die ^Kräfteverhältnisse zu hoffnungslos. Wir bedürfen der Anterstützung der (noch nicht ganz ausgestorbenen) Kreise, die für Toleranz und Menschenrecht kämpfen. Was wir hingegen erreichten, wenn wir dem aufgepeitschten deutschen Chauvinismus einen eigenen, jüdischen Chauvinismus entgegensetzten, wenn wir, statt unsere natürlichsten Bundesgenossen zusammenzurufen, uns ins Schneckenhaus verkröchen, — das sollte eigentlich auch den Anhängern der Jüdischen Rundschau kaum schleierhaft sein. Unsere Aufgabe muß es sogar im hohen Maße sein, die nichtjüdischen Kreise mehr als bisher für unsere Fragen zu interessieren, weil nämlich unsere Fragen Schicksalsfragen des Volkes selber sind. Wenn im Deutschen Reich jüdische Bürger entrechtet werden, so ist das kein bloßes Mißgeschick, das ein paar Juden trifft, sondern es interessiert jeden, dem die Wahrung des deutschen Kutturniveaus am Herzen liegt. Mag es auch „nur" gegen Juden geschehen — alles, was geschieht, und jedes Anrecht, das .begangen wird, geschieht im Namen des deutschen Volkes' und wird im Buch der Geschichte auf seinem Konto verzeichnet. And was dem jüdischen Bürger heute geschieht, kann morgen jedem anderen Teil des Volkes begegnen, wenn er irgendwie das Mißfallen der Nationalsozialisten erregt, der Machthaber von morgen, sofern—.Sofern vor allem die Kreise, die heute mit ihm liebäugeln, nicht erkennen, welche Krallen und Zähne er hat. Denn eben das wird nicht erkannt, sei es bewußt, sei es aus Lässigkeit. Eine der auffallendsten Erscheinungen ist es, daß gerade die Brutalität und Blutgier der braunen Scharen kaum einen Wähler abgeschreckt hat. Brave, friedliche Bürger, die bestimmt sich zuweilen über das Treiben des Pöbels entrüsteten, lächelten ihm zu, als es an die Arne ging. Wir lernen für uns, daß die exzessive Betätigung der Hakenkreuzler bisher noch viel zu viele kalt gelassen hat. Das Interesse erhitzt sich auch nicht deswegen, weil unteranderen die Juden Opfer dieser Zustände sind. Hier liegt ein unendlich wichtiges Aufklärungsgebiet. Cs ist sicher richtig, daß sehr vielen Naziwählern die Iudenfrage, das Schicksal der Juden, im höchsten Grade uninteressant ist. Sie haben nicht deswegen nationalsozialistisch gewählt, um den Juden eins auszuwischen, und sie würden ebensowenig einen Finger rühren, um in ihren Parteikreisen eine mildere Tonart gegen die Juden durchzusetzen. Gerade darum muß diesen Schichten gesagt werden, zu sagen jedenfalls versucht werden, daß all das, was man uns tut, auch ihnen selbst getan werden kann. Nur darauf zu vertrauen, daß die Nationalsozialisten im Eventualfälle ihrer Herrschaft „es nicht nötig hätten", Antisemitismus zu pflegen/ scheint mir eine kleine Aeberschätzung unserer prophetischen Fähigkeiten zu sein. Nötig hat das deutsche Volk den Antisemitismus nie gehabt, aber gern gehabt hat es ihn leider öfter. Es gibt, was hierfür bezeichnend ist, kaum eine Veranstaltung oder gar eine Demonstration, bei der nicht die Iudenhetze in irgendeiner Form Eingang findet. Selbst in Halle haben es sich die Tumultanten nicht nehmen lassen, vor dem Kolleg des Herrn Professor Dehn „Juda verrecke" zu brüllen, obwohl Adressaten dieser freundlichen Aufforderung kaum in der Vorlesung des evangelischen Theologen zu vermuten waren. Der Fall Dehn, der an anderer Stelle des Blattes gestreift wird, hat übrigens eine interessante Beobachtung ermöglicht: Wie haben sich die Korporationen dabei verhalten? Bestimmt ist ihnen nicht wohl gewesen beim Treiben ihrer immerhin doch gesinnungsverwandten Nazi-Kommilitonen. Cs ist offenes Geheimnis, daß der Abbruch der Aktion zum Teil auf Einflußnahme der Korporationen zurückging. Vor allem machten sie saure Miene zu dem Projekt, aus Halle auszuwandern. Sie wollten nicht gern ihre Verbandshäuser aufgeben, erklärten sie. .Vielleicht waren sie aber auch um die Erhaltung ganz anderer Werte besorgt, die durch längeres Paktieren mit den Hakenkreuzlern tatsächlich in Gefahr gerieten. Man wird aber kaum annehmen, daß nun, nachdem der Sturm verbraust ist, die Konsequenzen gezogen werden. Man wird wohl allem zum Trotz auch künftighin die Korporationen an der Seite derer sehen, derer sie. sich manches Mal schon schämen mußten. Erfreulich wirkt demgegenüber, wie scharf die „Hochschulgruppen der Deutschen Volkspartei" mit den Nationalsozialisten ins Gericht gehen. Ihre „Hochschulblätter" (Nr. 4^; Nov. 31) geißeln den Grazer Studententag, der sowohl äußerlich wie inhaltlich einem nationalsozialistischen Rummel glich. Sie berichten sehr ergötzlich vom national-

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