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KC-Blätter · 1931-07-01 · Heft 7 (Juli 1931) · p. Seite 115

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 7 (Juli 1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
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Nachr.-Heft K.C.-Blätter 115 D. St. nicht sehr schmeichelhaft, wenn man auch in diesem Fall aus der Freundeswahl auf den eigenen Charakter schließen wollte. Wir haben trotz allem von der D. St. in ihrer Gesamtheit eine etwas bessere Meinung als von der Oesterreichischen Studentenschaft. Die Kreise, die zu ihr gehören, sind keineswegs sämtlich Befürworter von Tumult und Exzeß. Aber, soweit sie es nicht sind, trifft auch sie eine Mitschuld an den Ereignissen» die das reichsdeutsche Ansehen bedrohen. Die D. St. hat bisher noch kaum ein scharfes Wort gefunden, um Ausschreitungen auf deutschen oder österreichischen Universitäten zu verurteilen. 3m Gegenteil, was zu beschönigen war, hat sie beschönigt, und die Zeitschriften der ihr nahestehenden Verbände haben von jeher, einer Betrachtung der eigentlichen Skandalszenen ausweichend, die angebliche Gefährdung der „akademischen Freiheit" untersucht. Es ist in diesen Blättern schon oft gegeißelt worden, welche Unaufrichtigkeit in dieser Verschleierung des Problems liegt, welche Unverantwortlichkeit, „akademische Freiheit" als Patronin rüder Ungesetzlichkeiten anzurufen. Es liegen zur Stunde noch keine Aeußerungen der akademischen Presse über die Ereignisse der letzten Wochen vor. Man darf diesmal mit besonderer Spannung darauf warten, ob der Sand noch immer in den Augen sitzt, und ob bei aller Sympathie zur nationalsozialistischen Theorie nicht endlich gemerkt wird, daß die nationalsozia- Mische Draxis wirklich nichts anderes als Barbarei ist. Das Gebrüll, das sich diesmal an den deutschen Universitäten erhob, ist, weil es gleichzeitig von so vielen Orten scholl, laut genug gewesen, um manchen Schlummernden zu erwecken. „Deutschland erwache" ist reichlich genug geschrien worden, und auch wir, die wir ein Erwachen für sedr nötia halten, hätten in diesen Ruf durchaus einstimmen können. Rur sind wir uns bewußt, daß mit der Kraft des Kehlkopfes allein ein Rettungswerk noch nicht vollbracht wird. Hierzulande glauben viele, daß derjenige das Vaterland am ehesten rettet, der am lautesten „Deutschland erwache!" brüllt. Wenn es ihnen aber ein wenig dämmert» daß es ganz so bequem nicht geht. dann lassen sie ihre Worte in Untaten übergehen» und prügeln auf den Juden los, vorausgesetzt» daß sie sich in mindestens fünffacher UebermachL wissen. Das hat sich an den deutschen Universitäten nicht zum ersten Male ereignet, und wir müssen sagen, daß es auch in Deutschland ein bißchen häufig zu werden beginnt. Nehmen wir allein eine Stadt wie Berlin. Der erste Krawall ernsthafterer Art geschah im Mai 1929,- der zweite im November 1929, der dritte im November 1930, der vierte im Mai 1931, der fünfte im Juni 1931. Fünfmal innerhalb zweier Jahre gewalttätige Pöbeleien der NationaLsozialisten! Dürfen wir uns über Wien allzu hoch erheben? Und wie haben unsere Behörden vorgebeugt? Sie haben bisher noch jedesmal post kestum erklärt, jetzt fei es das letzte Mal gewesen! Sie haben sogar jedesmal immer wieder überrascht getan, daß io etwas möglich sein sollte. Wir scheuen uns aber nicht, zu sagen, daß der, der sich noch beim fünften Male überraschen läßt, die Augen nicht sehr weit ausgehabt haben .kann. Wir waren schon nach dem ersten Male nicht mehr überrascht, und wir sind von nationalsozialistischen Loyalitätserklärungen noch lange nicht beschwichtigt. Wir haben dieses Mal das allerschärfste Mißtrauen» — ja beinahe schon die sichere Gewißheit, daß auch dieses letzte Mal sich als einstweilen vorletztes erweisen wird —, wenn nicht endlich, endlich die schlimmsten Störenfriede aus der Universität, in die sie nicht gehören, ausgemerzt werden! Von „Maßnahmen", Besprechungen, Beteuerungen haben wir schon seit den dritten und vierten Malen genug; wir haben gelernt, daß das nicht im geringsten etwas nutzt! Ein Beispiel, Magnifizenz? Die in Berlin einberufene „Arbeitskonferenz", die doch den Burgfrieden sichern sollte, hat beim vierten und fünften Male versagt; ihre Wirkung wird vor dem sechsten Mal bestimmt nicht Nachkommen. Man verläßt sich eben nicht auf das Ehrenwort von Leuten, die in aller Oeffentlichkeit von ihren eigenen Ehrenworten abrücken, und sich ins Fäustchen lachen, weil der andere auf rhren politischen Geschäftstrick hineinaefallen ist. Solchen Leuten weist man die Tür und heißt sie weichen von

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