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KC-Blätter · 1931-07-01 · Heft 7 (Juli 1931) · p. Seite 114

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 7 (Juli 1931)
Date
1931-07-01
Page
Seite 114 (sequence 4)
Language
German
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114 K. C. »Blätter Nachr.-Hefr das wahre Recht der Wiener Studenten hat dem Gerichtshof nicht zur Beurteilung Vorgelegen» denn der Wiener Studenten wahres Recht ist die E n t t h r o n u n g des Rechts durch die Brutalität. Darum haben denn auch die Wiener Akademiker gleich nach Verkündung des unbequemen Spruchs in ihrer traditionellen Weise gezeigt, was bei ihnen rechtens ist. Es war beileibe nichts Neuartiges mehr, als der studentische Pöbel auf Iudenhatz zog; neu wäre es gewesen, wenn diese jahrzehntelange Gewohnheit plötzlich aufgehört hätte. Die Ausländer, die infolge gefahrbringender Physiognomien zu Leidensgefährten der Juden wurden, werden auf diese Weise wenigstens von einem Irrtum befreit worden sein, von dem Irrtum, Oesterreich für eine Festung der Kultur zu halten. Man muß schon sagen, die Art und Weise, wie in Oesterreich mit der Kultur Raubbau getrieben wird, die Gleichgültigkeit, vielleicht sogar Nichtachtung, die der primitivsten Anforderung an Gesittung und Anstand entgegengebracht wird, ist bis heute noch von keinem anderen Lande übertroffen. Selbst in Rumänien, dem Exportlande des Hochschulradaus, tun die Behörden wenigstens mit Worten so, als wollten sie Schritte ergreifen. In Oesterreich hat man von den Behörden noch keinen leisen Ton gehört, der gegen die Rüpelsucht Maßnahmen ankündigte. Im Gegenteil, das Verhalten der Universitätsbehörden kommt nahezu einer Ermunterung gleich; jedenfalls erfreuen sich die Versammlungen und Entschließungen der Hakenkreuzler des Protektorats maßgebender Professoren, und die Betätigung des Rektorats geht offensichtlich dahin, die interventionsbereite Polizei möglichst vom Tumultplatz fernzuhalten. Der ewige Skandal, den die mißleitete Jugend vollführt, ist in Wahrheit ein per» manentrr Skandal der Aochschul» behörde. Denn der Zustand, daß in ununterbrochener Hebung mehr als zehn Jahre hindurch jüdische Studenten auf österreichischen Hochschulen straflos verprügelt werden dürfen, daß die Sicherungsmaßnahmen der staatlichen Macht vereitelt werden, weil der Schauplatz des widerwärtigen Kampfes „exterritorial" sei —, dieser Zustand ist einzig und allein von den Hochschulbehörden verschuldet. Nur, weil noch niemals in all den vielen Jahren ein völkischer Rohling bestraft wurde, noch niemals dem jüdischen Studenten der selbstverständliche Schutz bereitet wurde, nur darum durfte es soweit kommen, daß die Wiener Hochschulen heute schon gewohnheitsrechtlich zu einer Stätte jüdischer Fried- und Rechtlosigkeit geworden sind. Die Anbekümmertheit, mit der diese anarchistische Entwicklung von den „Pädagogen" geduldet wird, ist mit Weltfremdheit allein nicht zu erklären. Wer wundert sich, wenn er dann erfährt, daß die randalierende Menge ihre „Tätigkeit" vorstoßen läßt in die Bezirke des allgemeinen Lebens, und auch auf den Wiener Straßen gegen Geschäfte und Kaffeehäuser wütete. Muß diese Jugend nicht glauben dürfen, die ganze Stadt sei ihrem Terror unterjocht, wenn sie nirgends etwas anderes gelernt hat, am allerwenig-, sten von denen, die für ihre kulturelle Ausbildung verantwortlich sind? Peinlich wird es wohl erst verspürt werden, wenn das Ausland sich von dieser Art österreichischer Kulturverbreitung abwenden und seine Studenten nach anderen Orten schicken wird, wo erfreulichere Zivilisationsbegriffe herrschen. Welch wichtiges Bollwerk der Völkerverständigung dadurch zerstört wird, das zu erkennen und zu würdigen ist man wahrscheinlich nicht einmal imstande. Aber in puncto Finanzen wird der Schaden fühlbar sein, und es ist sicherlich eine nationale Tat, ihn einem Lande zuzufügen, dessen Etat solchen Luxus wahrlich nicht gestattet. Das Ausland, ohne das auch der eingefleischteste Nationalist schließlich nicht existieren kann, weiß woran es ist. Im stammverwandten Deutschland wissen die einsichtigen Kreise ebenfalls, wie hoch in Oesterreich die Hochschulkultur zu bewerten ist. Unsere Deutsche Studentenschaft aber hat der österreichischen Krawallgilde so innige Nibelungentreue geschworen, daß sie lieber den Selbstmord wählte, ehe sie von dieser Treue ließ. Lieber wollte sie die staatliche Anerkennung missen, als die Koalition mit der Oesterreichischen Studentenschaft, der Beschützerin des rassereinen Radauprinzips. Es wäre unserer

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