KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 95 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-tzeft K. L.«Blätter 95 man sich eine Vorstellung davon machen, wohin wir auf geistigkulturellem Gebiete treiben." Solche Sätze pflegen gewöhnlich im „Völkischen Beobachter", im „Angriff" und ähnlichen Erzeugnissen der Hakenkreuzliteratur zu stehen. Vordem fanden sie sich im „Miesbacher Anzeiger", dessen blumige Redeweise den Prototyp des neudeutschen Kampfstils geschaffen hat. Es gibt auch studentische Zeitschriften, Organe großer Verbände, die sich in die Miesbacher Einheitsfront reihen. Die „Bursche ns chaftlichen Blätter" brachten die eingangs zitierten Sätze zum Ausdruck. Man zerbricht sich rn jenen Spalten den Kopf, wie dem „jüdischen Antigermanismus" entgegenzutreten sei. Es ist bekanntlich der neueste politische Modechic, anstelle des bloßen Undeutschtums der Juden von ihrem Antideutschtum zu fabeln; mit einem Mal sind wir nämlich nicht nur negativ, sondern auch noch aggressiv eingestellt. Es macht sich „wissenschaftlich" auch nicht übel, den Antigermanismus als Korrelat des Antisemitismus hinzustellen. Ls gab immer noch Antisemiten, die es insgeheim verschmähten, offiziell als solche bezeichnet zu werden. Diesen Leuten kann das Gewissen beruhigt werden, denn durch die Erfindung des Antigermanismus ist der Antisemitismus vom letzten Rest der Ominösität befreit. Die Burschenschaftlichen Blätter haben sich also eine durchaus moderne, man möchte fast sagen, fortschrittliche Denkart zugelegt. Rur in einem Punkte sind sie wieder in einen Zustand zurückgefallen, der nicht ganz auf der Höhe der Modernität steht. Man hatte sich verschiedentlich schon abgewöhnt, den Juden» der zwar ein heilloser Schädling am Deutschtum sei, auch allgemein menschlich als Auswurf hinzustellen. Die neueste Entwicklung drängte mehr auf den „Nachweis" der jüdischen Anderswertigkeit, weniger der Minderwertigkeit. Um aber auch diese Anschauung wieder zu Ehren zu bringen, erinnern die Burschenschaftlichen Blätter an „die Menschenschlächtereien in Rußland und Ungarn unter jüdischer Führung, an die Monopolstellung des Juden im Mädchenhandel und Bordellwesen, an die jüdischen Verbrecherkönige in Chikago". Wir gedenken nicht, sachlich hierauf einzugehen. Ammenmärchen sind kein Diskussionsgegenstand. Wir vermerken aber mit Betrübnis, daß eine Zeitschrift, die einem bedeutenden Studentenverband die geistige Nahrung liefert, ihre Leser ungestraft mit derartigen Abgestandenheiten und Aufgewärmtheiten füttern darf. Daß sich das demsche Akademikerturn an derselben Kost Erlabt, die in der allerfinstersten Provinz noch eben dem Geschmack des vierten Bildungsstandes adäquat ist, das, scheint mir, kann man schon als eine kleine Zeitschande bezeichnen. So, wie dieser Artikelschreiber denkt, denkt wirklich die Deutsche Burschenschaft. Es ist kein xbeliebiger Bundesbruder, den man da zu Worte kommen ließ, sondern es ist jemand, der von der DB. zu großen und wesentlichen Aufgaben erkoren wurde. Er arbeitet, wie er mitteilt, auf Grund eines Burschenlagsbeschlusses an einer Schrift über die Verjudung der akademischen Berufe. Man sieht, was die Deutsche Burschenschaft für Sorgen hegt. Und ihre Sorgen müssen — recht verstanden — unsere Sorge sein. Auch in anderen Lagern gibt es Leute, die die sonst gern gehütete Differenzierung vom Nichtakademiker gerade da aufheben, wo die Kameradschaft wirklich keine Ehre macht. In der VC.-Rundschau (Nr. 3.56) meint Herr Schickert, ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift, daß die Radaulust der Nationalsozialisten recht sympathisch sei. Auch diese Lesart ist neu. Bislang galt immer noch das Prinzip, die Krakeelsucht zu ignorieren, was zwar wenig wahrheitsliebend war, aber immerhin ein Anzeichen heimlicher Gewissensregungen. Jetzt plötzlich wird aus der Rauflust etwas, dessen man sich nicht mehr schämt, das man nicht allein entschuldigt, sondern sogar lobpreist. „Hier hat der Nationalsozialismus mit seinen oft urwüchsigen Angriffen frische Lust hineingebracht. Er nimmt keine Rücksicht auf die „akademische Würde" — mit diesem schönen Wort hat man mehr als einmal den Kampfwillen der Studentenschaft lähmen können. Sicher ist es ein Verdienst des NS. Studentenbundes, daß er Unruhe in die Studentenschaft getragen hat, und das konnte er nicht zuletzt deshalb tun, weil die Zeit