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KC-Blätter · 1933-01-01 · Nr. 1 (1.1933) · p. Seite 8

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Nr. 1 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Vertrauliche Beilage der K. C.- Blätter die zu häufigen Repartitionen eine unerträgliche Belastung der Aktiven darstellen, werden Offizien wie Kneipe und Exbummel immer seltener. Diese Tatsache gibt zwar dem Verbindungsleben ein etwas verändertes Gesicht, es lohnte sich aber nicht darüber zu sprechen, wäre sie die einzige Feststellung, die wir zur Wirtschaftslage der Aktiven zu machen hätten. 2n engster Verknüpfung mit der Beschränkung der Geldmittel steht eine andere Belastung des Aktiven, weit bedeutungsvoller, weil sie über seinem Innenleben lagert. Wir wissen alle, wie es heute in der jüdischen Familie aussieht. Wir wissen, daß wir im engeren oder weiteren Verwandtenkreis heute auf offene, materielle Not treffen, auf bitterste Entbehrungen. Wir verstehen deshalb den Aktiven, dem diese drückenden Bilder ständig vor Augen stehen, und der uns sagt: ich habe in dieser Zeit der Not meinen Eltern gegenüber, die mir — (wer weiß, unter welchen Schwierigkeiten) — das Studium ermöglichen, die bindende Verpflichtung, meine Studienarbeit sehr ernst zu nehmen. Wir müssen begreifen, daß dem gegenüber Verband und überhaupt Studentenleben zurücktritt. Es ist ja überhaupt kein Studentenleben mehr im Sinne des alten Begriffs, das der Student in der Gegenwart führt. Seitdem er denken gelernt hat, weiß er nicht mehr, was Sorglosigkeit, was Freiheit und Jugend ist. Immer dem Druck der seelischen Belastung ausgesetzt, immer elterliche Mahnung und Klage im Ohr, immer mit einem Fuß über dem Abgrund plötzlicher Verarmung hat er verlernt, vielleicht nie gelernt, auf übermütige Streiche zu sinnen, aus tiesitem, freien Herzen Student, befreit und jung zu sein. Hinter ihm und um ihn die Sorgen der Familie und vor ihm eine Zukunft, die jede Hoffnung abtöten muß. Der Gedanke an die Zukunft erhöht die seelische Belastung fast über erträgliche Grenzen hinaus. Denn er ist der Gedanke an einen Verzweiflungskampf, der nach bestandenem Examen beginnt, ein Kampf um die nackte Existenz gegen das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Die jungen Studenten sehen Bundesbrüder und Bekannte, wie sie als Assessoren, als junge Aerzte, ohne Anstellungsmöglichkeiten, ohne Aussicht auf Begründung einer Praxis herumlaufen. Nur hier und dort gelingt es einem von vielen sich durchzusetzen, sich eine Existenzmöglichkeit zu schaffen. Ich sage mit Absicht an dieser Stelle, es gelingt ihm sich durchzusetzen, denn es ist üblich geworden, auf einen solchen Mann mit dem lobenden Bemerken seiner Tüchtigkeit, mit einem Wort über seine Leistungen, die aus der Menge hervorragen, hinzuweisen. Und es ist keine andere Tendenz, die die Fakultäten veranlaßt, durch Vorprüfungen dem Ueberangebot an Kräften zu steuern, als die, den Studierenden zu intensiver Arbeit, zu immer besseren Leistungen anzuhalten. Ich glaube nicht, daß der Verband an diesen Tatsachen vorübergeh tn kann. Insbesondere bei den Bemühungen um den Nachwuchs darf diese Situation nicht verkannt werden. Denn wenn Freistudenten oder Angehörige anderer Korporationen schneller und besser Examen machen als K. C.er, wenn sie auf Grund von Leistungen eher zu Stellung und Existenz kommen, wer wird dann noch wagen, K. C.er zu werden? Es ist aber nun so, daß der Verband nichts von sich aus tun kann, ohne die Strömungen in den Reihen der Aktiven zu beachten. Der Verband kann nur dem Ausdruck geben, was bereits unter den Aktiven — überhaupt unter den jungen Menschen, die bei uns sind und die zu uns kommen wollen — mehr oder minder bewußt umgeht. Die Probleme und Diskussionen freilich, die die gegenwärtige Generation der 20jährigen beschäftigen, sind selbst viel zu tiefgehend, als daß sie an dieser Stelle dargestellt werden könnten. Nur das sei gesagt, was jedem oberflächlichen Beobachte: auffallen muß, daß nämlich die Jugend nicht weiß, wohin sie soll. In materieller wie in ideeller Beziehung. Die Jugend von heute — und besonders die jüdische Jugend — zeichnet sich aus durch fortwährendes Dis kutieren. Und das in betonter Unabhängigkeit von den Erwachsenen. Dauernde Diskussionen aber darüber, was man ist, wo man ist wohin man soll, zeigen, daß man aus ungewissem Dunkel einen Weg sucht. Die Aei-

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