KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1933
- Issue
- Nr. 1 (1.1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6 Vertrauliche Beilage der K. C.-Blätter sonderen Fallen der Hilfsbedürftigen. Ls kann sich handeln: 1. um Studenten, also Aktive, deren Eltern einfach die nötigen Mittel nicht mehr aufbringen können, um den Unterhalt, die Kolleggelder und die Lehrmittel ihres Sohnes zu bestreiten, 2. um Alte Herren, die, nach Absolvierung des Examens, oder weil sie von ihren bisherigen Arbeitsplätzen irgendwie verdrängt wurden, eine Verdienstmöglichkeit suchen, ferner 3. um solche, die, im Beruf stehend, infolge der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage oder infolge von Krankheit vorübergehend in Not geraten sind. Im Fall Nr. 1, nämlich wenn für Studenten Wechsel und Kolleggeld teilweise aufgebracht werden sollen, müßte in erster Linie der Landesverband, freilich in engem Zusammenarbeiten mit dem A.H.V. der betreffenden Verbindung in Aktion treten. Die Mitglieder des Landesverbandes werden nämlich auf Grund der Kenntnis der örtlichen Verhältnisse, d. h. der Lage der Eltern usw. im Stande sein, die Frage der Zweckmäßigkeit und der Höhe einer etwa erforderlichen Unterstützung zu prüfen. Unter Umständen, wenn man zu der Uebcrzeugung gelangt, daß es angesichts der Aussichtslosigkeit der akademischen Berufe und des besonderen Falles ein Faß ohne Boden wäre, in das man die Gaben schüttete, wäre es geboten, von einer Hilfeleistung abzusehen. Entschließt man sich aber zu einer Unterstützung, so könnte diese aus den eigens zu diesem Zweck zu erhebenden Semesterbeiträgen geleistet werden, besonders, wenn im übrigen von der Erhebung von solchen Semesterbeiträgen mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Vundesbrüder abgesehen wurde. Der Hinweis auf den Zweck des nunmehr erhobenen Beitrages hat in einem solchen Falle schon oft genügt, um die überaus große Mehrzahl der Landesverbandsmitglieder zu sofortiger Zahlung zu veranlassen. Ein entsprechender Teil der eingegangenen Summe wird allmonatlich dem zuständigen A. H. V., der ebenfalls an der Unterstützung beteiligt ist, überwiesen. Zusammenfassend wäre zu 1 also zu sagen, daß die Landesverbände hier ein weites Arbeitsfeld haben und immerhin auch mit bescheidenen Mitteln manche Hilfe leisten können. Hinzu kommt, daß die Alten Herren auch kraft ihrer Mitgliedschuft in charitativen Organisationen wie Logen usw. ihren Einfluß geltend machen können, um noch andere Hilfsquellen flüssig zu machen. Voraussetzung für eine derartige Tätigkeit ist freilich, daß der Landesverband als Organisation nicht nur auf dem Papier steht, sondern daß er infolge engen Zusammenhaltens der Bundesbrüder eine aktive Kraft darstellt. Was nun Punkt 2, die Beschaffung von Stellen anlangt, so wird auf die bewährte Institution der zentralen Stellenvermittlung zurückgegriffen werden können. Ohne diese kann ich mir eine Aktion für die Unterbringung Stellungsloser gar nicht denken. Bei Medizinern und Juristen ist ja die Sache verhältnismäßig einfach. Nicht so bei den Technikern. Ich habe hit Jahre 25 und Anfang 26 hier in Berlin gelebt und habe mich damals speziell um diese Dinge gekümmert. Ihr habt vielleicht keinen Begriff davon, wie groß die Not unter unfern Technikern war. Einer hatte ein Motorrad und besorgte in seinen Mußestunden damit Botengänge. Ein anderer arbeitete nebenbei als Elektriker. Viele aber schrieben zahllose Bewerbungen, die meist erfolglos waren. Wir haben uns damals zu einem Verband der Techniker im K. C. zusammengeschlossen, weil es dem Einzelnen überhaupt nicht möglich war, allein durchzufinden. Als ich im März 1926 Berlin verließ, war folgende Aktion im Gange, von der wir uns einigen Erfolg versprachen: Die Techniker wollten sämtlich in einer Art Sonder-Adreßbuch ihre Personalien, ihre besonderen Fähigkeiten usw. niederlegen und dieses Buch dann den anderen Bundesbrüdern mit der Bitte zusenden, falls sie technische Arbeiten zu vergeben hätten, oder gar in der glücklichen Lage wären, Techniker in eigenen Betrieben einzustellen, in erster Linie der notleidenden Bundesbrüder zu gedenken. Ich weiß nicht, ob dieser Plan damals in die Tat umgesetzt