Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 18 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2268830-2268986-2268987--4404-2273171
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

18 K. C.-Blätter nalismus, der eine Flucht aus dem Logischen ins Biologische darstelle. Der Redner des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, RA l)r. Jaeobi, wies auf die Worte hin, die bei der Llebergabe des Gedenkbuches derjüdiscken Gefallenen von dem Vertreter des Reichswehrministeriums gesprochen worden waren Die deutschen Juden seien dort als treue und echte Löhne des Vaterlandes bezeichnet worden. Auch die KC.er hätten sich stets, im Felde wie im Frieden, als solche bewährt. Namens der „Gesellschaft der Freunde" brachte Lerr Kaufmann die besten Wünsche an die Saxo-Bavaria dar. Dann erfreute Kbr. Opernsänger Kathammer die Anwesenden durch den wunderbaren Gesangsvortrag des „Lallelujah". Seine Gattin begleitete ihn am Flügel. Nach diesem mit großem Beifall empfangenen Kunst, genuß ergriff unser verehrter Bundesbruder Ludwig Lolländer das Wort zu einer Festansprache, die durch ihre Meister- Liche Formulierung und ihren überlegenen Blick in geistige Weiten außerord ntlichen Eindruck erzielte. Bor allem gelte es, so führte er aus, sich die Frage nach der Wahrheit zu beantworten, die Frage, was man erstrebt und was man erreicht habe. Die Entwicklung im deutschen Vaterlande sei gekennzeichnet durch Aufstieg und Abstieg und wieder beginnenden Aufstieg. Wie alle Teile des Volkes hätten auch wir Juden diese Entwicklung mirgemacht. Drei Dünkte seien es, die uns als KC er zu besonderen Problemstellungen führten: Als Deutsche beklagten wir den Niedergang des Vaterlandes, als Juden die Llnterdrückmg unserer Menschenrechte und als Akademiker die Minderung des Ansehens und der wirtschaftlichen Stellung. Am über diese Aebelstände hinwegzuhelfen, sei gerade die Gemeinschaft notwendig. Aus diesem Grunde seien die akademischen Verbände nicht überlebt, sondern durchaus zeitgemäß, denn die heurige Zeit habe den Begriff der Gememschaft besonders kultiviert. Speziell der KC. suche, indem er seinen Leuten einen ideellen, zuweilen auch einen materiellen Lalt gebe, das neue Vaterland, das neue Judentum, die neue Gesellschaft und die neue Wirtschaft. Sinn unserer Gemeinschaftsarbeit sei es, daß die Persönlichkeiten sich aneinander bildeten und aneinander abschliffen. Diesem Bestreben geben wir durch unser Dasein als korporativer Verband sinnfälligen Ausdruck. Die vaterländische Aufgabe des Akademikers muß es sein, den Radikalismus zu überwinden. Als Juden sollen wir der biblischen Frage eingedenk sein: „Wächter, wie steht es um die Nacht?" „Es kommt der Morgen" — war die biblische Antwort, und der Morgen kam, der uns aus dem Ghetto befreite. Nach dem Morgen kam wieder die Nacht, und abermals wird der Morgen kommen. Wir wollen ihm die Wege bahnen. Nach den Tagen der Glückseligkeit wollen wir nicht erschlaffen! Nach der Rede von Bundesbruder Lolländer nahm Kbr. Münsterberger als Erstchargierter der Saxo-Bavaria noch das Wort zu einem kurzen Schlußapell, und die Feier wurde mit dem festlichen Ausmarsch der Chargierten geschlossen. Am Nachmittage begann wieder die ungebundene Fröhlichkeit in ihre Rechte zu treten. 9hm zeigten auch die als Gäste erschienenen Kartellbrüder, daß sie sich für die so überaus herzliche Ausnahme in Leipzig revanchieren wollten. Die „Sprevia" brachte ihre in Berlin schon mit großem Erfolge gespielte Revue zur Aufführung. Da derSchreiber dieser Zeilen selbst Spreve ist, so muß er sich hier eine eingehende „Theaterkritik" versagen. Er hofft aber, daß die von redlichem Willen und Einsatz künstlyrischer Kräfte getragene Darstellung den Lörern gefallen hat. Bis in die späten Nachtstunden hinein währte das gesellige Beisammensein der K.C.er und ihrer Angehörigen. Am Abend wurden die Geister noch einmal durch eine wohlmundende Bowle befeuert. Es geschah nicht etwa unter ihrem Einfluß, als man der Gattin unseres l. Kbr. Stein (Leipzig) feierlich das Ernennungsdekret zur Ehren-Alten-Dame der Saxo- Bavaria überreichte. Man wollte damit 'lediglich den wirklich verdienten Dank zum Ausdruck bringen, weil sie die Mitglieder der Festkommission, wenn sie in ihren Räumen tagten, so aufopfernd mit Nahrung versorgt hatte. Zu der neuen Würde einer „Ehren-Alten-Dame" darf man ihr daher mit Recht gratulieren, unter Linweis darauf, daß diese Betitelung lediglich im verbindungstechnischen Sinne zu verstehen ist und, wie der Augenschein lehrt, nickt etwa im allgemein üblichen Sinn. Dank gebührt auch der Festkommisston selber, den Kbr. Kbr. Stein, Kaufmann, Luft und Lueas. Ihre mühevolle Arbeit ist nicht umsonst gewesen Sie haben dem Leip-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.