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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 16

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 16 (sequence 19)
Language
German
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16 K. C.-Blätter Der Arbeitsmarkt vor dem Kriege hielt mit dem stürmischen Vorwärtsdrängen des industriellen Ausbaues nicht Schritt. Der Arbeitsmangel wurde nicht nur durch eine Entblößung der deutschen Landwirtschaft von Arbeitskräften (von Dorf und Kleinstadt nach den Industriestädten), sondern auch durch die Wanderung von Osten nach Westen und die Oeffnung der Grenzen für ausländische Arbeiter behoben. So stehen wir heute deshalb vor der Tatsache, daß sich die Bevölkerung und Wirtschaft auseinander entwickelt haben, daß sich diese nicht mehr da treffen, wo Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind. Der freiwillige Arbeitsdienst muß so angesetzt werden» daß er die Spannung zwischen Wirtschaft und Bevölkerung wieder ausgleicht und natürlicher Abfluß von den menschenüberfüllten Industriezentren in die menschenentleerte Landwirtschaft geschaffen wird. Denn die Landwirtschaft leidet unter einem Mangel an Arbeitskräften. Bei den akademischen Berufen liegen die Verhältnisse sogar noch schlimmer. Unsere Hochschulenjeder Art weisen heute insgesamt etwa doppelt soviel Studierende wie vor dem Kriege auf. Damit ist aber die Ueberspannung soweit getrieben, daß auf etwa zwei in Berufsstellung stehende Akademiker, die doch Jahrzehnte die Stellung inne haben» ein Studierender kommt. Da braucht man sich natürlich nicht über die trostlosen Berufsaussichten der jungen Akademiker zu wundern. Wie Reichskanzler v. Schleicher in seiner Rundfunkrede mitteilte, plant die Reichsregierung für die von den höheren Schulen abgehenden Abiturienten eine gewisse Arbeitsdienstpflicht ernzuführen und damit den Zugang zum akademischem Studium hinauszuzögern und viele der jungen Leute noch vorher in einen anderen Beruf zu lenken. Es ist nun eine der wichtigsten Aufgaben des freiwilligen Arbeitsdienstes, die innere Umstellung zur landwirtschaftlichen Arbeit, die zuerst eine geistige und seelische ist, zu fördern. Hierin liegt das eigentliche Erziehungsproblem im freiwilligen Arbeitsdienst. Erleichtert wird diese Aufgabe durch die Art der Arbeiten, die geleistet werden. Es ist nicht der Sinn des freiwilligen Arbeitsdienstes, irgendwelche Fullarbeiten zu leisten. Unter allen Umständen muß ernsthafte Arbeitsleistung verlangt werden. An erster Stelle stehen hierbei Gewinnung von neuem Ackerland und Bodenverbesserungen, welche die Produktionsmöglichkeiten in der Landwirtschaft heben. Nicht zuletzt soll auch die Siedlung genannt werden, und zwar. in all ihren Entwicklungsstufen, vom vorstädtischen Schrebergärtner des Westens bis zum Voilsiedler des Ostens. Es ist selbstverständlich, daß durch den Arbeitsdienst keine Konkurrenz zur freien Wirtschaft geschaffen werden darf. Bei großen Projekten ist die Einschaltung des Baugewerbes sogar erwünscht. Für die im freiwilligen Arbeitsdienst Beschäftigten wird ein Betrag von 2 RM pro Kopf arbeitstaglich, also 12 RM. pro Woche ausgeworfen. Es ist davon die gesamte Verpflegung, Unterbringung, Bekleidung und sonstige Betreuung einschl. eines Taschengeldes von 30 Pf. arbeitstäglich zu bestreiten. Die Praxis hat ergeben, daß man mit diesem Betrag auskommen kann. Die Unterbringung der Arbeitsdienstwilligen in geschlossenen Lagern ist anderen Möglichkeiten vorzuziehen. Dadurch wird der Arbeitsgeist und das gegenseitige Kameradschaftsgefühl gestärkt. Der Führer soll neben seiner autoritativen Stellung der höher stehende Kamerad seiner Gruppe sein. Bei der Führerausbildung muß man sich darüber klar sein, daß im Grunde genommen Führer nicht ausgebildet, sondern entdeckt sein wollen. Am Anfang des Jahres 1932 waren nur 6800 Personen im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt. Bis zum 1. August war ihre Zahl auf 97 000 gestiegen, um dann unter Einwirkung der Notverordnung vom 16. IuÜ dieses Jahres ziemlich gleichmäßig monatlich zu steigen und am 1. Dezember fast 300 000 zu erreichen. Zum Schluß teilte Dr. Ordemann mit, daß die bisher bewilligten Mittel bis Mitä Dezember verbraucht sind und die neu bewilligten 25 Millionen nicht ausreichen, um den freiwilligen Arbeitsdienst in dem Umfange, zu dem er sich bisher entwickelt hat, weiter-

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