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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 13

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 13 (sequence 16)
Language
German
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K. C.-Blätter 13 um dafür das Panier Günthers und Hitlers aufzupflanzen» in dem wird, trotz allen propagandistischen Lärmes der Gegenwart, der unvoreingenommene Kritiker nicht den Vertreter einer Geistesrichtung sehen können, die als „deutscher Idealismus" der Welt des 19. Jahrhunderts und damit auch der Gegenwart ihr geistiges Antlitz gegeben hat. National im besten Sinne des Wortes wird immer und ewig auf deutschen Hochschulen derjenige sein und bleiben, der unbeirrt von irgendwelchen Tagesmeinungen treu und aufrecht zu seiner wissenschaftlichen und persönlichen Aeberzeugung steht. And deshalb wird es Zeit, daß bald wieder der Tag kommt, wo deutsche Studenten sich des tiefen Sinnes der Worte bewußt werden, die man in den letzten Wochen so gern in den Gängen der Aniversität gesungen hat: „Wer die Wahrheit kennet und saget sie nicht, der ist fürwahr ein erbärmlicher Wicht!" Es ist uns nichts davon bekannt, daß in diesem Preisliede auf Aeberzeugungstreue und aufrechte Gesinnung ein Unterschied gemacht wird zwischen einem christlichen und einem jüdischen Wahrheitssucher. II. Aber die Angelegenheit des Prof. Cohn an der Breslauer Universität zwingt nicht nur durch die Haltung der Studentenschaft zur Stellungnahme, sondern, so wie sich die Dinge in den letzten Wochen entwickelt haben, ist es auch notwendig geworden, die Kollegialität der durch Rektor und Senat vertretenen Professorenschaft einmal näher zu betrachten. In den letzten Wochen vor den Weihnachtsferien schienen allmählich, nicht zuletzt dank der energischen Haltung des preußischen Kultusministeriums, besten Ziel die Aufrechterhaltung der Staatsautorität war, wieder Ruhe und Ordnung einkehren zu wollen, wenn auch der Eindruck nicht ganz von der Hand zu weisen war, daß es sich nur um einen Waffenstillstand, aber nicht um einen Friedensschluß handelte. Da trat in der Weihnachtswoche ein neuer Amschwung ein. Auf eine Rundfrage, die eine Berliner Zeitung an verschiedene Persönlichkeiten gerichtet hatte» wie man sich zu einem Asylrecht für Trotzkr in Deutschland stelle, hatte Prof. Cohn eine sach.ich bedeutungslose, formal aber unangreifbare Antwort erteilt. Möglich, daß durch einen Hörfehler die Antwort in der Zeitung entstellt wiedergegeben wurde, möglich auch, daß es nicht gerade notwendig war. daß Professor Cohn überhaupt eine Antwort auf die Anfrage erteilte. Wie aber auch die Dinge liegen mögen, die Antwort enthielt bei objektiver Beurteilung nichts, was irgendwie nach einer partei-politischen Stellungnahme aussehen konnte. Trotzdem hielt es die deutschnationale Schlesische Zeitung für notwendig, sofort in einem gehässigen Artikel die Hetze gegen Prof. Cohn von neuem zu eröffnen. Die Folge davon war. daß am 23. 12. 1932 in der Presse eine Erklärung von Rektor und Senat der Aniversität Breslau erfolgte, in dem die Aniversitätsbehörde tundqab, „Prof. Cohn habe es an der pflichtgemäßen Zurückhaltung durch unnötiges tzervortreten in einer um* stritlenen politischen Frage vermissen lassen; deshalb halten Rektor und Senat eine weitere Lehrtätigkeit des Herrn Prof. Cohn an der schlesischen Aniversität im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung und eines ungestörten Lehrbetriebes für nicht tragbar." War schon diese Erklärung dem Inhalt und dem Tone nach» aber auch nach der beamten- und verfassungsrechtlichen Seite hin eine Anmöglichkeit, so bedeutete die sofortige Veröffentlichung in der Tagespresse eine bis dahin einzig dastehende Tatsache. Das Echo» das diese Erklärung bei denjenigen fand, denen der Begriff der akademischen Freiheit und verfassungsmäßig garantierte Geistesfreiheit kein inhaltsloser Begriff ist, zeigte sich sofort in den überaus scharfen Protesterklärungen, die von Seiten hervorragender deutscher Aniversitätslehrer — unter anderem Toennis, Zellinek, Radbruch, Ziekursch, Röptke — gegen die Entschließung des Breslauer Senats veröffentlicht wurden. Gleichzeitig aber jubelte die nationalsozialistische Presse auf. „Der Jude Cohn verschwindet von der Breslauer Aniversität t Ein Sieg der nationalen Studentenschaft!" Aber es mußte doch der hohen Bres-

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