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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 12

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 12 (sequence 15)
Language
German
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12 K. C.-Blätter zum Judentum nie einen Hehl gemacht hat. In dem Augenblick, da das Gefallenengedenkbuch des „Reichsdundes Jüdischer Frontsoldaten" mit den Namen der 12 000 gefallenen deutschen Juden erscheint, unter denen Hunderte jüdischer Offiziere sich befinden, wird man mit Bitterkeit daran erinnert, daß in Friedenszeiten man den deutschen Juden nicht für . würdig hielt, das Offiziersportepee zu tragen, und daß es erst die höchste Not des Vaterlandes war, die erkennen ließ, daß Mut und Aufopferung im Interesse des höheren Gedankens von Volk und Vaterland nicht an die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft gebunden sind. So wenig man in diesen Jahren von 1914 bis 1918 danach gefragt hat: „Woran glaubst Du?", sondern nach den Worten des alten Soldatenliedes gehandelt hat: „Im Felde, da ist der Mann noch was wert", so wenig kann die deutsche Wissenschaft und das deutsche Geistesleben in der Gegenwart es vertragen, daß die Auswahl seiner Verkünder nicht nach dem Werte der Leistung, sondern nach pseudowissenschaftlichen Gesichtspunkten Güntherscher Herkunft geregelt wird. Möglich, daß die Stammbäume der in Deutschland und in der Welt anerkannten Juristen Paul Laband, Edgar Löning, Hermann Staub, Max Hachenberg, Levin und James Goldschmidt, G. Iellinek, Moritz Liepmann, Hans Kelsen, Albert Pinner, Ignatz Iastrow, Franz Oppenheimer. M. I. Bonn usw. dem kritischen Rassenurteil der Breslauer Studenten nicht standhalten können. Der unvoreingenommene Rechtswissenschaftler wird zugeben müssen, daß seine Wissenschaft ohne die Leistung dieser und vieler anderer sich zum Judentum bekennender oder von Juden abstammender Männer unendlich viel armer sein würde. (Vergl. die Ausführungen von Dr. Apt in derC.V.- Zeitung Nr. 51 Jahrgang XI.) Aber nicht auf die Wissenschaft und auf ihre Bedeutung für die gesamtdeutsche Kultur kommt es ja den jungen Herren an: Das Bild vom „deutschen Seist", das sich in ihren Köpfen dank einer jahrelangen beispiellosen Verhetzung gebildet hat, soll Wirklichkeit werden, wenn auch das Ansehen der deutschen Kultur in der Welt dadurch zur Lächerlichkeit verurteilt werden könnte! Deshalb: „Burschen heraus!" Der Ausruf des Breslauer Waffen« ringes vom 11. 11. 1932 als ein Ausdruck der verheerenden geistigen Verwirrung, die in den letzten Jahren in der akademischen Jugend angerichtet worden ist, spricht eine zu beredte Sprache, als daß es nicht höchste Zeit wäre, dafür zu sorgen — sowohl von der Universitätslehrerschaft aus, als auch von den Altherrenschaften —, daß nicht immer wieder parteipolitische Ziele mit den wahrhaft großen nationalen Ideen verwechselt werden. Es zeugt weniger von vaterländischer Gesinnung als von einer auf Unkenntnis beruhenden überheblichen Arroganz, wenn der „Waffenring", der an der Breslauer Universität nur einen kleinen Prozentsatz der Studierenden ausmacht, zu schreiben wagen darf: „Der Breslauer Waffenring wird unbeirrt die Maßnahmen gegen Prof. Cohn ergreifen, die jedem Feind des nationalen Studententums gebühren." Wir fragen: „Wen sieht der Breslauer Waffenring im Sinne seiner Entschließung als Feind des nationalen deutschen Studententums an, wenn er sich dann gleichzeitig gegen einen Professor wendet, von dem er nichts weiß, als daß er Jude ist und Cohn heißt? (Prof. Cohn hat sich nie parteipolitisch betätigt und legt Wert darauf, festzustellen, daß er auch keinesfalls einer Rechtspartei angehört wie irrtümlicherweise öfters in der Presse — auch in der vorherigen Nummer dieser Blätter — behauptet worden ist.) Für uns und für alle diejenigen, die in der Freiheit der deutschen Wissenschaft und ihrer Lehre einen der Pfeiler sehen, auf dem die Größe der deutschen Nation und die Größe ihres Ansehens in der Welt von jeher beruht hat, gibt es nur einen Feind des nationalen Studententums innerhalb der Grenzen unseres Volkes: Wer um parteipolitischer Ziele willen das deutsche Geistesleben wieder in die Enge mittelalterlichen Denkens führen will, wer die Entwicklung Deutschlands in den letzten 100 Jahren ungeschehen machen will, wer den Geist der Humanität Lessings und Goethes vernichten will,

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