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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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K. C.-Blatter 11 uns aufrufen soll, ein Leben, das sich nicht mit Genuß betrügt, das sich in immer strebendem Bemühen erlöst, das jedes einzelne Geschäft mit letztem Ernst tut und doch alle nur als Gleichnis einer göttlichen Arbeit empfindet. Eine solche währe Studentenschaft, ein heiliges und unersättliches Streben, das seinen Sinn in keinem Examen und keinem zu erreichenden Resultat, sondern nur in sich selbst findet, das ist es — dazu ruft Goethe uns alle auf! Deutsch — oder „national"? (Ein deutliches Wort zum Fall Prof. Cohn an der Universität Breslau.) Von Dr. Ernst Fraenkel (Thur.), Breslau. Zum genaueren Verständnis sei mitgeteilt, daß der l. Abschnitt des Aufsatzes bereils geschrieben war, bevor die im 2. Absatz behandelte neue Stellungnahme derUniversttätsbehörde erfolgte. D. Red. l. Ende des Sommersemesters 1932 ernannte der Preußische Kultusminister den aus Breslau stammenden Privatdozenten Dr. Ernst Lohn von der Universität Frankfurt a. M., dessen Namen die juristische Fakultät der Universität Breslau gemeinsam mit dem des Herrn Prof. Neuner, Prag, an die erste Stelle ihrer Vorschlagsliste gesetzt hatte, zum ordentlichen Professor für Handelsrecht. Wenige Tage später schrieb der „Schlesische Nationalsozialrstische Beobachter" (13. August 1932): „Die Breslauer Studentenschaft ist durch die Berufung eines jüdischen Professors aufs schwerste provoziert worden. Wie sich diese unerhörte Maßnahme des Kultusministeriums im kommenden Semester auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Die Breslauer Studentenschaft wird nicht dulden, daß Herr Cohn in Breslau seine „talmudische Weisheit" verzapft. Und wenn der Skandal so groß wird, daß die Universität geschlossen wird. Lieber ein Semester verloren-als Herrn Cohn auch nur eine Stunde lang reden zu lassen!" Mit diesem Aufrufe der Nationalsozialisten war für das Wintersemester das Signal zum Angriff gegeben. Die schamlosen Szenen, oie sich seit Anfang November an der Schlesischen Fri'cdrich-Wi.helms-Universitat durch dcs Verhalten der sogenannten „nationalen" Studenten abspielten, sind durch die Presse genügend bekannt geworden» um sie noch einmal darzustellen. Man hat gewagt — vielleicht nicht zuletzt durch das shmpatisierende Verhalten einiger prominenter Prcfessoren in seinen Entschlüssen gestärkt! — den Eindruck zu erwecken, als ob undiszipliniertes, kulturwidriges Randalieren in den der Wissenschaft und ihrer Lehre gewidmeten Räumen der Universität gleichbedeutend sei mit dem Ausdruck überschäumender nationaler Begeisterung. Wie kläglich muß es um die deutsche Kulturgesinnung von jungen Menschen bestellt sein, die so wenig Achtung vor der Würde des Herrn Universitätsrektors haben, daß sie ihm, der sich bemühte, die Skandalmacher zur Ruhe zu bringen, zuriefen: „Hände aus den Hosentaschen", und wie tief muß der Sinn für die verpflichtende Stellung dcs Akademikers gesunken sein, wenn sich junge Studenten vor der Universität mit dem schnell gesammelten Straßenpöbel zu gemeinsamen Kundgebungen gegen den „Juden Cohn" finden konnten! Rektor und Senat haben, nachdem Verhandlungen erfolglos blieben, mit der uns im Interesse des Ansehens der deutschen Wissenschaft und der akademischen Diszrplin als selbstverständlich geltenden Energie durchgegriffen. Aber ebenso wenig, wie die beschämende Tatsache der Unruhen an der Universität Breslau.uns das wesentliche an den ganzen Vorfällen zu sein scheinen, so wenig dürfen uns die Strafen, die einen Teil der Studenten bereits getroffen haben, den Abschluß des Falles Cohn bedeuten. Es ist das erstemal, daß an einer deutschen Hochschule Studenten gegen einen in der Wissenschaft anerkannten und in seinem Verhalten untadligen Professor einzig und allein deswegen protestierten» weil er aus seiner Zugehörigkeit

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