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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 10

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 10 (sequence 13)
Language
German
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10 K. C>BILtter Denn wie der Sauf- und Lärm- Student, so ist auch der Brotstudent für ihn nicht ein Gegensatz, sondern nur eine Abart der Philisterei. Goethe hat einen kleinen Vers geschrieben, der manchem vielleicht leicht hingeredet scheint — aber er enthalt seinen letzten Ernst: Was willst du, daß von deiner Gesinnung Man dir nach ins Ewige sende? Er gehörte zu keiner Innung, Blieb Liebhaber bis ans Ende. Das allerdings ist Goethes vollster Ernst, daß hier das Kernstück seiner ganzen Existenz liegt! Er ist niemals „Fachmann" gewesen, denn er hat all sein Wirken nur „stellvertretend" genommen und es war ihm „gleich, ob er Schüsseln machte oder Töpfe!" Ein Liebhaber aller Dinge ist er gewesen. Der Dichter, der Naturforscher, der Kulturforscher, der Theaterdirektor, der Staatsmann — und das alles war Goethe fast in gleichem Maße; aber alles a^ „Liebhaber"! Das heißt nicht als Dilettant, nicht spielerisch leicht. Mit letztem Ernst hat er jede dieser Tätigkeiten ergriffen. Aber es heißt wohl als Künstler — nicht im Sinne einer bestimmten Fertigkeit, andern in dem Sinne, daß der Kunster ein Liebhaber des Lebens ist» den eine tiefe, bewundernde, immer neu taunende Leidenschaft zum Zeugnis zwingt. Nur in solchem Sinne oarf man sagen, daß Goethe zu allererst Künstler gewesen ist. Denn auf seine dichterischen Werke hat er keineswegs mehr Zeit und mehr Arbeit gewendet, als auf die großartige und erfolgreiche Mühe seiner Naturforschung und auf seine Arbeit im Staat. Aber daß er alle diese Dinge nicht um ihrer selbst willen tat, sondern gleichsam im Auftrag einer höheren Daseinspflicht, daß es ein religiöser Ernst war, mit dem er alle diese vergänglichen Dinge angriff, als Gleichnisse eines geahnten, aber nicht vorstellbaren höheren Wesens — diese wahrhaft neue, wahrhaft schöpferische Verbindung von irdischer Tätigkeit und überirdischer Frömmigkeit — diese Einheit von Griechentum und Christentum — sie macht ja die geschichtliche Größe aus, sie bedeutet seine eigentliche Sendung! — Der Fachmensch aber, der selbstzufriedene, dem ein kleines Feld der Erkenntnis und der Wirksamkeit völlig genügt, er kann niema.s in diesem frommen Sinne tätig, in diesem tätigen Sinne fromm sein. Für ihn hat Goethe nicht gelebt. Der Einwand liegt nahe: nur wenige haben die Gaben, um auf mehr als einem Gebiete auch nur Taugliches zu leisten. Und noch näher liegt heute der zweite Einwand: die Not der Zeit läßt ja so viele gar nicht zur Besinnung kommen, gibt keine Möglichkeit, sich außerhalb des Vrotstudiums umzusehen. Aber beide Einwände beruhen auf einem Irrtum. Denn nicht die Leistung, nicht einmal das tiefgründige Studium auf vielerlei Gebieten ist gefordert» nur das teilnehmende Interesse, nur die Tendenz, doch um den Zusammenhang des Lebens und des Geistes zu wissen, unr das Ganze, in dem die notgedrungen beschränkte eigene Tätigkeit steht. Und wenn man sieht, wieviel Zeit so viele Studierende heute trotz allem etwa an Sport oder an politische Betätigung setzen, so kann man finden, daß für einen sehr großen Teil doch die Möglichkeit gegeben wäre, zu Wegen in der Goecheschen Richtung Zeit zu finden. Damit soll übrigens keineswegs gesagt sein, daß Sport und Politik nicht auch wesentliche Gebiete des menschlichen Universums sind; es ist nur gemeint, daß sie heute in vielen Kreisen einen so gewaltigen Teil des Interesses absorbieren, daß für das Ganze des Daseins nicht genug übrigbleibt. Dann was unsere Zeit naturwissenschaftlich und technisch bewegt, was ihre Denker und ihre Künstler als Sinn zu fassen suchen, das ist am Ende ein Stück des Daseins, ohne dessen Kenntnis auch eine Betrachtung der politischen Daseinsprobleme nicht sehr fruchtbar sein dürfte. Denn Politik treiben heißt ja mit den lebendigen Menschen und allen ihren Daseinskräften rechnen können! Gewiß wird der einzelne es nicht zu der Goetheschen Weite des Geistes oder gar zu seiner Produktivität auf so vielen Gebieten bringen können. Aber das ist es auch nicht, worauf es zuletzt ankommt. Hat doch Goethe selbst gesagt: „Beim Leben kommt es aufs Leben und nicht auf die Resultate des Lebens an!" Ein Leben Goethescher Art ist es, zu dem sein Vorbild

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