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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 8

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 8 (sequence 11)
Language
German
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8 K. C.-Blatter seine Studentenzeit gewiß nicht vergessen. Das große Gedicht seines Lebens, der „Faust", enthält Zeugnisse seines «Ltudcntcnw^ssens voll deutlichster und derbster Satire, und gerade in seinen allerältcsten Teilen, zu denen Auerbachs Keller und Mephistos Gespräch mit dem Schüler ganz gewiß gehören. Und da wird nicht nur das Unwesen, mit dem Studenten Bürger erschrecken, verlacht, das Professorenwesen, das die Studenten leiden macht, wird nicht weniger böse getroffen. — Das mag ja nun Grund für die Studierenden sein, ihres sehr begabten Kommilitonen von 1770 einen Augenblick lang recht freundlich zu gedenken. Das große Pathos, mit dem diese Tage allen und auch den Studenten das Gedächtnis Goethes anbieten, das ist freilich durch solch eine Beziehung nicht gerechtfertigt. Aber was gäbe cS denn Ernsteres, über die äußeren, vorübergehenden Bedingungen ihres Studcntendaseins hinaus, was heute die jungen Leute veranlassen könnte. Goethe ein Denkmal zu setzen? Er hat diese Frage selber einmal beantwortet: Ihr könnt mir immer nngcscheut Wie Blüchern Denkmal setzen; Bon Franzcn hat er uns befreit, Ich von Philistcrnetzen! Das wäre ja nun wohl ein Gesichtspunkt? Denn ein Philister zu sein, das lehnt ja wohl jeder Student, das lehnen alle Studenten einmütig ab. Es ist nur nicht sehr einfach festzustcllen, was denn nun eigentlich „ein Philister" ist. Was ist die Art Mensch, von der Goethe hier mit einigem Accht behauptet, Befreier zu!0.’u;_ §ab immer Studenten, und ich furchte, eS gibt sie in inehr oder weniger zeitgemäßen Variationen auch noch heute recht zahlreich, die glauben, daß man sich durch sehr viel Trinken und sehr viel Lärm entschieden als Nicht-Philister dokumentieren könne. Goethe ist schwerlich dieser Ansicht. Die Studenten in Auerbachs Keller, die außerordentlich viel trinken und lärmen, offenbaren seiner Meinung nach nicht das höhere Menschentum, das der Philisterei entgegengesetzt ist, sondern „gar herrlich die Bestialität". Es ist also wohl anzunehmen, daß Goethe diese Leute für bestialische Philister, aber keineswegs für be-. freite Menschen im Sinne seines Spruches hält. Die Nichtachtung einer konventionellen Lebensform ist an sich etwas ganz Negatives und enthäli gar keinen Wert. Darum handelt es sich, ob man aus neuartigem Streben nach höherem Ziel, an die Stelle der alten Konvention anderes und eigenes Gesetz zu pflanzen vermag. Als ein Führer aber, der lehren könnte, aus solche Art über das Philistertum, das da stumpf im hergebrachten verharrt, hinwegzuwachsein als solch ein Führer, bietet sich Goethe an! Der Student hat schon recht, wenn er sich als den natürlichen Gegner des Philisters empfindet. Denn er ist sehr jung, und Jugend ist nicht dazu oa. Bestehendes gläubig zu übernehmen oder gar vergangenen Idealen nachzutrauern. Die Welt will wcitergehen, und sie geht nur durch die Jugend weiter. Wenn der alte Goethe im zweiten Faust seinen Schüler wiederkehren läßt, so ist er nun zum Bakkalaureus geworden und spricht: „Dies ist der Jugend edelster Beruf: Die Welt, sie war nicht, eh' ich sie schuf". And der alte Goethe lächelt wohl etwas mephistophelisch über dieses „Original in seiner Pracht", denn er weiß, in wie hohem Maße doch alles Neue an das Gewesene anknüpft, wie langsam im Grunde der Fortschritt von Generation zu Generation geht, wieviel Illusion, rückwärts betrachtet, in jedem Aufschwung der Jugend steckt. Aber das Lächeln Goethes ist doch keineswegs lieblos. Er weiß auch, daß Illusion etwas ganz anderes ist wie Irrtum! Er weiß, daß jede rechte Jugend mit diesem größten Anlauf springen muß — „Das Helle vor

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