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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 7

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 7 (sequence 10)
Language
German
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K.C.-Blätter 7 Meiner übrigen Ausführungen entsinne ich mich nicht mehr genau, aber ich hatte eine selten glückliche Stunde gehabt und, als ich schloß, da folgte — o Wankelmut des Volkes! — ein minutenlanger stürmischer Beifall, genau so frenetisch, wie ihn vorher Liebermann gehabt hatte. Diese Viadrinen-Mensur war eine Abfuhr des Gegners nach allen Regeln der Kunst gewesen. Am Tage darauf, Sonntag nachmittag, sollte Liebermann in dem benachbarten Hannov.-Münden sprechen. Da sagte ich mir: wer weiß, wie der Mann die Sache dort entstellt und seine Niederlage womöglich als einen Sieg ausposaunt. Ich reise ihm nach, um ihm auf die Finger zu sehen. And so tat ich. Aber siehe da, in Münden war er wie umgewandelt. Von Juden kaum ein Wort, dafür „Mittelstand". Er erwähnte allerdings die gestrige Versammlung und die „interessante" Debatte, die er mit dem dortigen Herrn Rabbiner gehabt, sprach mit der größten Achtung von mir und daß er sich freuen würde, wenn ich auch hier das Wort ergriffe. Nur um nicht umsonst gekommen zu sein und die Versammlung mit zarter Schonung Liebermanns über den gestrigen Tag aufzuklaren, sprach ich einige Minuten, da es für mich sonst nichts abzuwehren und zu verteidigen gab. Seitdem mied mich Liebermann von Sonnenberg wie die Pest, sprach in den kleinsten Dörfern, aber um Göttingen ging er stets in weitem Bogen herum. Sein Versprechen, im nächsten Jahr wiederzukommen und mich zu widerlegen, hat er nie eingelöst, was ihm noch bitter vorgemerkt werden sollte. Wenn er in einem andern Orte der Provinz sprach und ich auf Einladung der bedrängten Glaubensgenossen herbeieilte, wurde es ihm sofort hinauftelegraphiert unv alsbald begannen die Manöver. Er sprach bis eine Viertelstunde, bevor der Saal geräumt werden mußte, und erklärte dann bedauernd, daß wegen der vorgerückten Zeit leider jedem Redner höchstens fünf Minuten gegeben werden könnten. Aber auch dies half ihm nichts. Denn auch diese kurze Frist nützte ich nach Möglichkeit aus. In der Folgezeit focht ich noch mit manchen anderen Parteigrößen des Antisemitismus einen Strauß aus: mit einem Iskraut, Lesdorps, rh. v. Berlepsch, Werner, e u ß u. a. Wenn die Antisemiten in Göttingen ein Flugblatt verbreiteten, erschien spätestens vierundzwanzig Stunden darauf ein Gegenflugblatt von mir und, was - auf die Bevölkerung besonderen Eindruck machte, mit meinem Namen unterzeichnet, so daß sie bald mäuschenstill wurden. Die in der Wahlzeit 1893 gegen die Antisemiten in Hannover und Hessen in Zehntausenden von Exemplaren verbreiteten Flugblätter waren, wie ich wohl jetzt verraten darf, von einer mir ziemlich nahestehenden Seite verfaßt. Jetzt ruht der grimme Feind in der Erde und gerne will ich ihm das Zeugnis geben: er war noch nicht der Allerschlimmste. Ihm war doch in bessern Stunden immerhin noch eine gewisse Ehrlichkeit des Hasses und Ritterlichkeit im Kampfe eigen. — Aber nichtsdestoweniger freut es mich noch heute, daß er von einem Viadrinen erfahren sollte: dlemo me impune 1ace88it! „Niemand reizt mich ungestraft". Goethe und die Studenten. Von Julius B ab, Berlin. Der bekannte Publizist Julius Bao hat uns auf unsere Bitte hin freundlich folgende Zeilen zur Verfügung gestellt, die vor einiger Zeit in der „Pommerschen Hochschule", der Lwchschulbeilage des Stettiner „Generalanzeigers" erschienen war. D. Red. Sollen die Studenten Goethe feiern? And wenn sie es tun, in was für einem Sinne? Goethe ist ja selbst Student gewesen. Ein Rokokostudent» noch sehr aufgek.ärt, allwissend, blasiert und etwas gelangweilt (und nur in seiner heimlichen Problematik etwas von dem eigentlichen, dem kommenden Goethe verratend), war er es in Leipzig; das zu seinem Eigensten hervorbrechende junge Genie, der Mensch des großen, dumpfen Gefühls, der Schüler Herders — das war der Student in Straßburg. And Goethe hat Denkst Du daran?!

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