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KC-Blätter · 1933-01-01 · Heft 1 (Januar 1933) · p. Seite 5

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Journal
KC-Blätter
Volume
1933
Issue
Heft 1 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 5 (sequence 8)
Language
German
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K. C.«Blatter 5 Ehre als Deutsche und als Juden zu nahe zu treten versuchten. m. (Sin großer Kopf, wie es Jacob immer gewesen ist, hat er sein Leben neben seiner Betätigung in der ihm eigenen politischen Frische, neben der Ausübung seines Rabbinats der Bibelwissenschaft in hervorragendem Maße gewidmet. Jacob, der ursprünglich Philologe gewesen ist, hat einen großen Kommentar zum ersten Buch der Thora geschrieben. Er hat in seiner Studie „Auge um Auge, Zahn um Zahn" entscheidende Gesichtspunkte der jüdischen Lehre in einer Weise beleuchtet, die davon zeugt, daß das Judentum lebt und daß es in seinen Heiligtümern sich nicht zu verstecken braucht. Wenn auch Benno Jacob nicht in einer Zentrale der Gelehrsamkeit, nicht in einem Brennpunkt jüdischen Lebens seine besten Jahre vollbringen konnte, er hat immer in sich das zentrale Moment gefunden, das ihn schließlich als anerkannten Mittelpunkt des K. C.- Gedankens auf der einen Seite, der jüdischen Gelehrsamkeit auf der anderen Seite, hervorgehoben hat. Daß unsere Ideen richtig sind, beweist sein Leben. Ohne Hohlheit, ohne tönende Phrase, ohne eine verschrobene Romantik, hat er uns seine siebzig Jahre vorgelebt, und er hat uns bewiesen, daß der Weg des K. C.ers nie bequem sein darf, daß er aber erfüllt sein kann von den reinsten Freuden, die ein wahrhafter Charakter einem Menschen verleiht, der den Mut hat, sich auch einmal herauszustellen. So steht Benno Jacob mit seinen 70 Jahren vor uns .Wir lernen von ihm und wir begrüßen ihn. Lange, lange Jahre, liebster Jacob, mögest Du uns erhalten bleiben! Wir wissen, was wir an Dir haben, und wenn Du auch in Deiner unerbittlichen Kritik an uns manches auszusetzen hast, so weißt Du, daß wir nicht alle mit der Stahlhärte der Erkenntnis, mit der Kraft unbeugsamen Willens, in dem Maße ausgestattet sind, wie Du es immer warst. Als Begründer und Führer unserer Bewegung rufen wir Dir zu: Gott segne Dich und schenke Dir noch ein recht langes und erfolgreiches Leben! Ludwig Holländer. Benno Jacobs Kampf mit Liebermann v. Sonnenberg. Nachfolgende Zeilen zeigen in anschaulicher Weise, wie unser hochverehrter Benno Jacob stets nach alter Viadrin enart sich gegen unsere Feinde zur Wehr gesetzt hat. Er hat in den K. C.-Biä.tern des Jahrgangs 1911 s. Zt. eine persönliche Erinnerung an seine Auseinandersetzungen mit dem antisemitischen Agitator Liebermann von Sonnenberg veröffentlicht. Anläßlich des 70. Geburtstages des alten Kämpfers Jacob bringen wir heute auszugsweise die lebendige Schilderung, die Kbr. Jacob selber von diesem Kampfe gibt» wieder zum Abdruck. Der Auszug setzt ein, nachdem eben dargesteUr war, wie Liebermann von Sonnenberg unter gewaltigem Beifall der Menge seine Ausführungen beendet hatte. Die Red. Als sich die Wogen der Erregung gelegt hatten, bestieg ich die Tribüne, stellte mich dem Vorsitzenden förmlich vor und begann, mit dem Rücken gegen den Vorstandstisch gelehnt, zu sprechen. Es herrschte lautlose Stille. Die allermeisten der Anwesenden hatten sicherlich noch nie in ihrem Leben einen Rabbiner gesehen oder gehört und stellten sich vielleicht nach den vorherigen Andeutungen eine mittelalterliche hebräisch redende oder mauschelnde Figur in Kaftan und mit Ringellöckchen vor. Ich bezog mich sogleich auf diese Andeutung, indem ich in absichtlich gewählter Rede versprach, daß ich mich bemühen wolle, mich so gut es ginge» in deutscher Sprache verständlich zu machen, was mir vielleicht dadurch erleichtert würde, daß ich in Deutschland geboren und erzogen sei, im deutschen Heere gedient habe, nur deutsche Schulen und Amversitäten besucht hätte — wenn auch vielleicht nicht mit demselben Erfolge wie der Herr Abgeordnete — und nie eine andere Sprache gesprochen hätte. Wenn ich mauscheln wollte, so müsse ich dies eigentlich erst von den Antisemiten lernen, denn wie das Beispiel gezeigt habe, seien sie es und keineswegs die Juden, die sich dieses interessanten Idioms so wirkungsvoll bedienten. Hier ertönten einige Zurufe, die ich für „Juden raus!" deutete, aber viel-

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