KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 1 (Januar 1933)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 K. C.-Blätter Dortmunder Rabbiner, seinen 70. Geburtstag gefeiert. Warum haben wir ihm nicht unseren Glückwunsch bereits in der letzten Nummer unserer Zeitung ausgesprochen? Warum ist dieser Termin versäumt worden? Aus einem merkwürdigen Grunde. Wir haben eine ganze Reihe derjenigen Bundesbrüder, die mit ihm aktiv gewesen sind, um einen Aufsatz gebeten, der unseren lieben Benno Jacob in seiner Ganzheit würdigen sollte. Keiner wollte und konnte ihn schreiben, weil die angegangenen Bundesbrüder der Meinung waren und vielleicht nicht mit Anrecht, sie könnten einer Persönlichkeit wie Benno Jacob nicht ganz gerecht werden. Jeder kannte nur Ausschnitte aus seinem Leben. Die Schau aufs Ganze dieser großen Vergangenheit konnte niemand geben. Das sagt viel! Hier sehen wir, wie ein Mann nach allen Seiten hin ein so inhaltreiches Leben führen konnte, daß es dem Einzelnen fast unmöglich scheint, ihn in seiner letzten Bedeutung zu würdigen. And hier ist es meine Pflicht, einzuspringen. Auch ich kann diese siebzig Jahre nur lückenhaft würdigen, aber immerhin: Berus, persönliche und sachliche Neigung haben mir viele Einblicke in die Person, die Lebensarbeit und die Lebensleistung, die unser Jacob in den ersten siebzig Jahren seines Lebens vollbracht hat, gegeben. Gott sei Dank! Die Iudenheit und die Menschheit haben noch viel von ihm zu erwarten. Er ist so rüstig und hat nach dem ungemein betrüblichen Ableben seiner geliebten Lebensgefährtin sich so wacker gehalten, daß noch viele fruchtbare Arbeit von rhm zu erwarten ist. Was ist uns K. C.ern Benno Jacob? In manchem, können wir sagen: unser Gründer. Das wird vielleicht nicht in jeder einzelnen Kleinigkeit genau stimmen, aber in der Sache trifft es zu. Benno Jacob hat der alten Viadrina das eine gezeigt, daß man für jüdische Ideale und jüdische Ziele mit seiner eigenen Persönlichkeit bis zum Letzten eintreten muß. Was heute Banalitäten sind, waren einst großzügige Erkenntnisse. Dieser Kampf um die Selbstwürde, dieser ewige Aufruhr in dem jüdischen Menschen, sich selbst zu erhalten und für seine Ehre, sein Recht einzutreten, Dinge, die heute zu den abgekämpftesten Schlagworten gehören, sie waren in einer Zeit neu, die erfüllt gewesen ist von einer z. T. perversen Assimilation, von einer Verleugnung des jüdischen Namens, von einem Verkriechen vor der Macht, vor ständiger Bequemlichkeit. Zu meiner größten Freude konnte ich neulich in einer Abhandlung über den großen Breslauer Rabbiner Manuel Joel lesen, daß 'Manuel Joel in seiner Zeit den Gedanken und die Tätigkeit der Viadrina hoch» schätzte und gegen die zahlreichen Angreifer verteidigte. And noch einige andere der Leuchten des damaligen Breslau traten aus der Reihe der Spötter und wirkten für die kleine Viadrina. Als deren Exponent konnte Benno Jacob erscheinen, der zu einer Zeit, wo man noch nicht so viele schöne Bücher über das Wesen der Tat als Inhalt des Judentums geschrieben hatte, für die Tat eintrat, für die Tat der Wahrung des ehrlichen Namens des jüdischen Akademikers. II. Was er in der Jugend versprach, hat der gereifte Mann gehalten. Immer und immer blieb er der alte Kämpfer. Mehr gefürchtet als oft im Augenblick geliebt, hat er in seiner Lebensarbeit sich mit Duckmäusern stets frisch auseinandergesetzt und seinen Mut in Lagen gezeigt, wo vielleicht sehr viele andere feige zurückgewichen wären. In einer angespannten Debatte äußerte er einmal, man solle nicht immer allein für den Frieden sein. Es kämen Stunden, wo die Erkenntnis notwendig sei, die in unserem alten Worte läge: Wahrheit, Recht und Frieden. Erst käme die Wahrheit, dann das Recht und dann erst der Frieden. Das war sein Programm im Leben. Benno Jacob war ein Kämpfer für die Wahrheit, und zwar ein Kämpfer ohne irgend welche Vorzeichen, die eine Einschränkung zulassen. Er hat sehr oft die wohl bekannte Gefahr der Anbeliebtheit auf sich genommen, um der Wahrheit und um des Rechtes willen. So war er für uns» die jüdischen Akademiker, zeitlebens ein Vorbild, mit seiner starken Natur, seiner wuchtigen Hand, die sich auf alle diejenigen legte, die ungerecht und voller Hohn unserer