KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 78 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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78 K. C.« Blätter die Zusicherung, daß ein der D. SL. genehmes Studentenrecht geschaffen werden soll. Der Entwurf zu diesem Studentenrecht ruht zur Zeit noch, ohne daß ihn je eines gewöhnlichen Sterblichen Auge erblickt hätte, in der Schublade des Bundesministers für Unterricht Eermak. Bei der Konstellation im österreichischen Bundesparlament — außer den Sozialisten, die nur über 65 von 165 Mandaten verfügen, wird keine Partei, soweit bisher bekannt ist, gegen das neue Studentenrecht stimmen — ist mit der Annahme dieses Entwurfes zu rechnen, wenn es nicht noch im letzten Augenblicke gelingt, das Gewissen der Oeffentlichkeit wach zu rütteln und damit die Parteien zu einer anderen Stellungnahme zu bewegen. Zum Zweck der Bekämpfung dieses Studentenrechts-Entwurfes hat sich bereits ein „Akademisches Komitee" gebildet, das aus namhaften Professoren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Oesterreichs besteht. Es kann damit gerechnet werden, daß auf Veranlassung des Deutschen Studentenverbandes sich auch zahlreiche reichsdeutsche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens diesem Komitee anschließen werden. Weiterhin hat die letzte Hauptausschuß- und Kreisleitertagung des Deutschen Studentenverbandes, die am 9. 12. 1931 in Berlin tagte, einen offenen Brief an den österreichischen Bundesminister Eermak gerichtet, in dem es u. a. heißt, und besonders in Oesterreich großen Widerhall gefunden hat: „Sehr geehrter Herr Bundesminister! Mit größter Besorgnis haben wir vernommen, daß die österreichische Bundesregierung dem Drängen der Nationalsozialisten nachgebend, dem österreichischen Nationalrat einen Studentenrechtsentwurf vorlegen will, der die Studentenschaft der österreichischen Hochschulen nach nationalen Gesichtspunkten trennt. Dadurch würde der Aufbau der österreichischen Studentenschaften der Rassentheorie der Nationalsozialisten gerecht werden. Der Deutsche Studentenverband, als die Zusammenfassung der freiheitlichen Korporationsverbände, der demokratischen Studentengruppen, der Studenten der deutschen Zentrumspartei und der Sozialistischen Studentenschaft, glaubt nicht daran, daß es in Oesterreich, das als eins der bedeutendsten deutschen Kulturländer gilt, möglich ist, daß das Rassenprinzip dem Aufbau der Studentenschaft zugrunde gelegt wird. In dieser für das studentische Gesamtgeschehen so wichtigen Angelegenheit wenden wir uns in ernstester Stunde an Sie, hochverehrter Herr Bundesminister, mit der Bitte, dafür zu sorgen, daß an Oesterreichs Hochschulen nicht die brutale Willkür einer Partei gesetzlich verankert werde, sondern daß eine Studentenschaft aus Staatsbürgerprinzip aufgebaut wird, die allein den großdeutschen Aufbau der Studentenschaft gewährleistet und Oesterreichs Hochschulen nicht außerhalb des deutschen Kulturgeschehens stellt. Wir würden Sie ergebenst bitten, Herr Bundesminister, diese unsere Auffassung Ihrer hohen Regierung zur Kenntnis zu bringen."