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KC-Blätter · 1931-12-01 · Heft 3 (Dezember 1931) · p. Seite 72

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 3 (Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
Seite 72 (sequence 14)
Language
German
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72 K. C.-Blätter Bildfläche, und es blieb unklar, ob nicht mit den Namen die Begriffe selber ausgelöscht waren. Erst geraume Zeit nach der Umwälzung wagte sich das Bekenntnis zu beiden Begriffen wieder hervor; es entstand sogar eine Partei, die das in der ersten Revolutionszeit mißtönend gewordene Wort „konservativ" ihrem Namen wieder einfügte, allerdings mit der Verkoppelung an den Begriff „Volk". Schon hierin zeigte sich eine Neusormung des alten Begriffes, die noch frappanter wurde durch die Betonung des Willens, im neuen Staat mitzuarbeiten, wiewohl dieser Staat an Stelle seines konservativen Vorgängers getreten war. Sogar die Zusammenarbeit mit Parteien, die ein liberales Programm versprachen, wurde erwogen. Aber uns interessiert nicht die politische Entwicklungsmöglichkeit der neugestalteten Begriffe, sondern nur die Feststellung, daß sie eben neugestaltet sind. Anders liegen die Verhältnisse in religionspolitischer Beziehung. Hier sind Namen und Begriffe unverändert geblieben, obgleich die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts nicht nur staatsrechtliche, sondern kulturgeschichtliche Bedeutung hatten. Von jeher haben, wie Montefiore hervorhebt, die politischen Begriffe des Konservatismus und Liberalismus nichts mit den gleichnamigen religionswissenschaftlichen zu tun gehabt. Die Beziehungen zwischen religiösem Konservatismus und Liberalismus sind enger, als zwischen den ebenso benannten Auffassungsformen der Staatspolitik. Diese Klarstellung scharf herausgearbeitet zu haben, ist ein Verdienst des Montefioreschen Buches. Beiden Anschauungen ist der Grundgedanke von der unerschütterlichen Existenz des einzigen und ewigen Gottes gemeinsam. Insoweit konserviert auch der Liberalismus das Dogma vom göttlichen Sein. Angesichts der Unklarheit, die oft über das innere Wesen des jüdischen Liberalismus herrscht, ist diese Eindeutigkeit der Darlegungen Montefiores erfreulich. Nach seiner Ueberzeugung findet sich im Liberalismus keinerlei Kompromißlertum oder Unschlüssigkeit, kein Paktieren mit den gegensätzlichsten Eventualitäten, sondern unbedingte Bejahung des Gottesglaubens. Montefiore betont auch besonders das Traditionsmoment im Liberalismus. Sein Buch dient vornehmlich dem Zwecke, den folgenden Generationen die Ueberlieferungen zu erhalten. Das ist ein Vorzug seines Werkes, und zugleich in mancher Beziehung eine Fehlerquelle. Montefiore hat sein Buch konstruiert nach dem Gesichtspunkte eines Leitfadens zur Erteilung jüdischen Religionsunterrichtes. Er kommt dabei an einigen Stellen leider allzusehr ins Fibelmäßige. Er hat — um die wenigen Nachteile in einem abzuhandeln —, auch Verzicht darauf geleistet, die besondere ethische Bedeutung der jüdischen Religion zu erklären, sondern sich nur auf das Doktrinäre beschränkt. Hiervon aber abgesehen, danken wir seinem Werk manche Begrisfserklärung und Anregung. Die Uebereinstimmung mit dem Konservativismus in der grundsätzlichen Bekenntnisfreude erstreckt sich nicht aus jegliche Form der Glaubensbetätigung. Der Liberalismus hält es für vereinbar mit dem Gottesglauben, die Form der Ritualien auf ihren Uebereinklang mit dem wahren Inhalt zu prüfen, und nach den jeweiligen Erfordernissen der modernen Zeitauffassung zu verändern. Er lehnt den Satz ab, daß

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