KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 71 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 71 der Vernichtung, die dem Leben des östlichen Judentums im achtzehnten Jahrhundert ihre charakteristische Note geben. Mag man auch bei allen Arbeiten Dubnows seinen grundsätzlichen Standpunkt ablehnen, der die Ideen des modernen Nationalismus zu immanenten Grundkrästen der jüdischen Geschichte stempeln will, so muß doch auch bei dieser Geschichte des Chassidismus nochmals ein Doppeltes gerühmt werden. Mit einer glänzenden, immer interessant wirkenden Darstellungsgabe verbindet er eine vollendete Kenntnis aller Quellen und des gesamten Stoffes. Dubnow ist der echte Historiker, der imstande ist, eine Epoche wirklich wieder lebendig zu machen. Und keiner, der sich mit dem Chassidismus im besonderen oder der Religionsgeschichte im allgemeinen beschäftigt, wird an diesem grundlegenden Werke vorübergehen können. Der vorliegende Band behandelt nur die Periode der E n t st e h u n g der Bewegung (1740—1781). Ueber Wachstum und Ausbreitung, über die Entartung im Aberglauben des Zaddikimkults, in der Verehrung der Wunderrabbiner, über die Periode des endgültigen Niedergangs wird der zweite Band Kunde geben. Möge es dem greisen Gelehrten vergönnt sein, ihn bald dem Judentum und der Wissenschaft zu schenken und so sein gewaltiges Lebenswerk zu krönen. Dr. Felix Gold mann, Leipzig (Thur., Saxo-Bav.). Umrisse des Liberalismus. (Zu Claude G. Montesiore: Umrisse des liberalen Judentums,- übersetzt von Joseph Kaufmann, herausgegeben von Rabbiner Dr. Seligmann; Verlag Gustav Engel in Leipzig.) Von Rudolf h. Heimansohn (Sprev.). Montesiore unternimmt eine Deutung des Begriffes vom liberalen Judentum. Zu den Begriffen, die in den letzten Jahren eine eigenartige Wandlung durchgemacht haben, gehören auch „Konservatismus" und „Liberalismus". In der Politik des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts schieden sich nach diesen Begriffen zwei Weltanschauungen, die von gänzlich abweichender Blickrichtung her das Weltbild zu bestimmen suchten. Während der Konservative in der bestehenden Ordnung der Dinge etwas Gottgewolltes und darum Unantastbares sah, betonte der Liberale die Eigenpersönlichkeit des Menschen als Mitgestalters seines Schicksals. Die konservative Staatsauffassung in Deutschland dauerte bis zur Revolution fort, nicht ohne gewisse Nivellierungen und Splitterungen, sie rettete ihren Grundcharakter durch alle Sonderbildungen hindurch, deren Namen stets vom Stammbegriff entlehnt war (vgl. „Freikonservative"; „Deutschkonservative"). Der Liberalismus erlitt mancherlei Umformungen und Zerreißungen; Abgrenzungen von anderen Begriffen, wie „Freisinn", „Fortschritt", „Demokratie" wurden nicht immer deutlich und verständlich. Nach der Revolution verschwanden die Namen „Konservatismus" und „Liberalismus" von der politischen