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KC-Blätter · 1931-12-01 · Heft 3 (Dezember 1931) · p. Seite 63

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 3 (Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
Seite 63 (sequence 5)
Language
German
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K. C.-Blätter 63 scheinung, wenn es gegen den Feind geht. Die Masse hat es ja auch leicht, ihren primitiven Haßinstinkten nachzugehen, denn die Gewissensregulation ist ja innerhalb des Einzelnen ausgcschaltet. Freud hat zeigen können, daß die die Masse bindende Gewissensinstauz der Führer übernommen hat, der für die Masse eine sogenannte Vaterimago darstellt. Er entbindet sie des Derantwortlichkeitsgefühls, denn was der Vater tut, ist wohlgetan. Nun ist es aber typisch, daß immer dann die Massenbewegungen entstehen, -wenn eine mehr oder weniger latente Haßbereitschaft schon in der Masse vorhanden ist. Solange das Gewissen bei den Einzelnen aber noch funktioniert, wagt es das Individuum nicht, seine destruktiven Triebe auszutoben, er braucht die Absolution des Vaters, und die findet er durch den Führer. Mit Recht behauptet Lessing, daß nichts rascher ist als der Uebergang vom Guten zum Bösen. Der Uebergang wird durch die Erlaubnis des Führers gefördert. Die Bindung an den Führer ist eine Art Faszination, und diese ist gleich der Hypnose eine blitzschnell eintretende Verliebtheit, die auf Identifizierung mit dem Vater zurückzuführen ist. Der Kopf der Masse ist der Führer. Die geistigen Fähigkeiten eines Einzelnen treten innerhalb einer Masse stark zurück. Freud weist auf das Schillersche Distichon hin: „Jeder, sieht man ihn einzeln, ist leidlich klug und verständig, Sind sie in corpore, gleich wird euch ein Dummkopf daraus." Eine Paarung von Haß und Dummheit aber ist vielleicht das Gefährlichste, was es in der Welt gibt. Der Massenhaß bildet eine solche Gefahr. Er ist ein kindischer Haß und als solcher extrem wie alle Gefühlsäußerungen eines Kindes. Le Bon sagt: „Die Masse geht sofort zum Aeußersten, der ausgesprochene Verdacht wandelt sich bei ihr sogleich in unumstößliche Gewißheit, ein Keim von Antipathie wird zum wilden Haß. Wer auf die Masse wirken will, bedarf keiner logischer Abmessung seiner Argumente, er muß in den kräftigsten Bildern malen, übertreiben und immer das Gleiche wiederholen." (Hitler!) Le Bon sagt weiter: „Was die Masse von ihrem Helden verlangt, ist Stärke, selbst Gewalttätigkeit. Sie will beherrscht und unterdrückt werden und ihren Herrn fürchten. Im Grunde durchaus konservativ, hat sie tiefen Abscheu vor allen Neuerungen und Fortschritten und unbegrenzte Ehrfurcht vor der Tradition." (Harzburger Front.) Hier charakterisierte Le Bon die Masse in masochistischem Sinne. Das in den Führer hineinprojizierte Gewissen wendet sich nun gegen die Masse als überstrenge sadistische Instanz. Die Aggressionstendenz dieser Instanz kurbelt andererseits den Haß der Masse wiederum an. Jetzt aber setzt in der Regel der Mechanismus der Verschiebung ein. In der eigenen Gemeinschaft würde der Haß selbstzerstörend werden. Bezüglich des Antisemitismus z. B. darf man annehmen, daß der Haß, der innerhalb der Gemeinschaft durch soziale Gegensätze und durch einen ohnmächtigen Haß gegen den sogenannten Erbfeind Frankreich entstanden ist, auf den Juden verschoben wird. Wenn die Le Bonsche Auffassung richtig ist, daß in der Masse das rassenmäßige Unbewußte hervortritt und das

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