KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 33 als deren gemeinsames Werk ihnen die Iudenbefreiung galt. Dazu kommt gelegentlich ein Unterton des religiösen Antisemitismus. „Juden und Philister sind entgegengesetzte Pole." „Was hier als jüdisch aufgeführt wird, ist nur, was jeder Jude um alles in der Welt gern los würde, außer ums Geld, und was ein edler Jude selbst an unedlen Christen verachtet." In der Dichtung tritt dieser Antisemitismus nicht sehr stark in die Erscheinung; die in 'Frage kommenden Werke sind heute kaum noch lebendig. Im allgemeinen beschränkt sich die Satire auf die Hervorkehrung der niedrigen Eigenschaften im volkstümlichen Iudentyp und aus Züge, die manchmal lebhaft an die „Fliegenden Blätter" erinnern: ein jüdischer Bankier freut sich etwa darüber, daß seine kleinen Söhne so gescheit „Wechselche" spielen; er nimmt unbedenklich 9 Prozent Zinsen, da ja der liebe Gott von oben die 9 für eine 6 ansehe. Nach dem Weltkriege nimmt der Antisemitismus in der Dichtung weiteren Umfang und gefährlichere Formen an. Es handelt sich dabei allerdings um eine Unterschicht der Literatur vom Schlage Dinters. In dieser Gemeinschaft begegnen wir zwei Namen, die wenigstens einen gewissen Klang haben; die beiden in Betracht kommenden Werke erheben sich freilich nicht über das eben bezeichnete Niveau. R. H. Bartsch schildert in dem Roman „Seine Jüdin" eine Mischehe, die an der rassischen Eigenart der Gatten zerbricht. Hier finden wir alle Anschauungen und die ganze Phraseologie des Rassenantisemitismus wieder. E. von Wolzogen tobt in dem Roman „Sem — der Mitbürger" nachträglich seinen Aerger über das Scheitern seines Ueberbrettls aus, wofür er den Geschäftsgeist der Juden verantwortlich macht. In der Schilderung jüdischer Gestalten nähert er sich dem übelsten Radauantisemitismus. Die U. O. B. B.-Logen erscheinen als eine Geheimgesellschaft zur Verbreitung der jüdischen Weltherrschaft; die Juden stützen die Politik Wilhelms II., weil sie Deutschland ins Verderben führt; er ist ihr Bundesgenosse, und sie verraten ihm eine Verschwörung des deutschen Adels, die ihn stürzen will. Eine merkwürdige Geschichtsdeutung! Es ergibt sich also, daß die deutsche Dichtung höheren Ranges, soweit sie wirkliche Kulturwerte darstellt, von Antisemiten fast ganz rein ist. Es wäre in der Tat verwunderlich, wenn es anders sein sollte. Ein Dichter, Schöpfer und Gestalter von Menschen und Schicksalen, der tief in die Seelen der Menschen hineinzubticken weiß, kann nicht Vorurteilen verfallen, die im Grunde nur Aeußerungen der Unsicherheit und Unaufrichtigkeit, Kompensation eines Minderwertigkeitsgefühles sind.