Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 32 (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268996-2268997--3815-2272916
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

32 K.C.-Blätter „Richtig", versetzte der erste. „Der Knoblauch ist der erste Grad im Judentum. Der Bart ist der zweite. Merkst du was? Geht's dir auf? Alle tragen so lange Bärte. Ich muh nur lachen, wenn die Herren sich so viele Mühe mit dem Volke geben, um ein Geständnis herauszubringen. Am Leibe visitiert, da würden sie bald das untrüglichste Zeichen finden." „So wäre man ja seiner Gliedmaßen nicht sicher, wenn das Zeug die Oberhand bekäme", rief der zweite Gendarm mit Entsetzen. „Das wäre noch das wenigste", sagte der erste; „aber alle Kinder würden sie totschlagen und das Blut trinken, und kein Krämer dürfte mehr ein Lot Salz verkaufen." Der zweite Gendarm erinnerte sich wieder an Aegypten und fragte, ob da nicht die Türken anstatt der Juden hauseten. „Laß dir sagen", antwortete der erste. „Die Reichen sind mit Mose nicht ausgezogen, sondern im Lande sitzen geblieben; wo hast du je gehört, daß ein Jude sein Eigentum verlassen hätte? Rur das Schacherpack lief fort und vierzig Jahre in der Wüste umher, das heißt, sie gingen hausieren — nichts zu handeln drin? — bei den Leuten, die da so in den Gegenden wohnten. Die zurückgeblieben waren, kamen bei den Türken unter den Druck. Bonaparte wollte sie befreien, um dem Engländer einen Tort zu tun. Denn wo die Juden aufkommen, sind die Engländer verloren. Aber die merkten den Schlich und lieferten ihm die große Schlacht da oben bei Dings." „Daher kommt es denn auch, daß sie in Hannover so scharf sind mit den Demagogen", sagte der zweite. „Es ist wegen der englischen Handelsverbindungen." Heinrich Mann, der in seinem Roman „Im Schlaraffenland" eine bis zu einem wahren Inferno grotesker Satire unheimlich gesteigerte Schilderung Berliner Börsianer- und Journalistenkreise gab, geht im „Untertan" ebenso scharf mit dem nationalistischen Antisemitismus des Helden und des getauften Strebers Iadassohn ins Gericht, der natürlich positiv christlich und ein strammer Antisemit ist. Der wandlungsfähige Hermann Bahr, der nach seinem eigenen Wort auch einmal in Antisemitismus debütiert hat, lehrt in seinem Roman „Die Rotte Korah", daß man das Judentum nicht durch Einwurzelung im Deutschtum, sondern allein durch den katholischen Glauben überwinden könne. Im zweiten Bande seines Tagebuches weist er auf die tiefe innere Wesensverwandtschaft von deutschen und jüdischen Nationalisten hin, zwischen ihnen wüte eine Art Bruderhaß. Betonten, aufrichtig gemeinten wirklichen Antisemitismus finden wir in der deutschen Dichtung vor dem Weltkriege nur in einem engen Kreise der Romantik, bei Dichtern, die der christlich-deutschen Tischgesellschaft in Berlin angehörten oder nahestanden, deren Satzungen Philister und Juden ausschlossen. Das erklärt sich aus ihrer Feindschaft gegen Hardenberg, ihrem Haß gegen die Aufklärung und Napoleon,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.