KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 31 Naturalismus, etwa bei Bleib treu, der sich immer dagegen gewehrt hat, als Antisemit angesehen zu werden. Der später getaufte Alberti (eigentlich Sittenfeld) entwirft in einem damals Aufsehen und Unwillen erregenden Aufsatz in Conrads Zeitschrift „Die Gesellschaft" ein Bild der Juden, das es der schlimmste und fanatischste Antisemit nicht zu überbieten vermöchte; dann behauptet er, so sei die ältere Generation der Juden, die jüngere sei völlig anders und durchaus deutsch. Natürlich läßt es sich Fritsch nicht entgehen, Stellen aus dem ersten Teil dieses Aufsatzes als jüdisches Selbstbekenntnis zu zitieren. Im gleichen Sinne ist der heute vergessene Roman eines jüdischen Dichters jener Zeit geschrieben: der Held scheitert in seinem Streben nach Aufgehen im Deutschtum durch die üblen und skrupellosen Geschäfts- Methoden seines Vaters und Vetters. Hierher gehört auch das bei Bartels z. B. so beliebte Verfahren, unsympathische Erscheinungen ohne eine Spur von Berechtigung als jüdisch oder „vermutlich jüdisch" zu bezeichnen. Wir finden das schon bei P l a t e n, der den erfolgreichen Vielschreiber Raupach als „Jüdischen Raupe!" verspottet. Allerlei antisemitisch klingende Gehässigkeiten trifft man in Platens unerquicklicher, ganz ins Persönliche ausartender literarischen Fehde mit Heine. Platen spricht z. B. von dem Knoblauchsgeruch in Heines Küssen; Heine solle froh sein, in Deutschland und nicht in Griechenland zu leben: „Solltest du nackt dich zeigen im männlichen Spiel der Palästra, Sprich, wie verstecktest du dann den verstümmelten Teil?" Nur selten bietet eine Dichtung eine Auseindersetzung mit dem Antisemitismus. Die Aeußerungen eines jungen Mannes über eine kunstliebende jüdische Dame bei Immermann könnte man durchaus dem Antisemitismus zurechnen, wenn nicht erzählt würde, daß dieser junge Mann bei näherer Bekanntschaft mit der Jüdin aus einem entschiedenen Tadler zu einem ebensolchen Lober wurde. Wie eine Vorwegnahme Ludendorffscher Geschichtsklitterung mutet in einem Romane desselben Dichters das Gespräch zweier Gendarmen an, die einen „Demagogen" bewachen: „Weißt du", sagte der eine zum andern, „woher alle die Teufelei rührt? Ich kann's dir sagen. Die Juden stiften den ganzen Spektakel an." „Nicht möglich!" rief der andere. „Ich dachte, die Franzosen steckten dahinter." „Franzosen hin, Franzosen her!" sagte der erste. „Das ist ja eben die Sache. Die Franzosen sind auch alle heimliche Juden. Dazumal in Aegypten hat der Bonaparte seine ganze Armee dazu herumgekriegt, und die Soldaten haben dann nach ihrer Rückkehr das Judentum weiter gestiftet und auch bei uns ausgebreitet, bis der Krieg kam, und davon rühren die Demagogen her." „Darum aßen auch die Kerle soviel Knoblauch", sagte der zweite Gedärm.