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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 30

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 30 (sequence 30)
Language
German
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30 K. C.-Blätter drei Iüden — können auch vier daraus gemacht werden, wenn de beiden Herren gelten wollen for drei." Seit der Romantik gibt es auch eine Art Romantik des Judentums, die leicht den Anschein des Antisemitismus erweckt. Sie bemächtigt sich jüdischer Sagenmotive, z. B. der Golemsigur, religiöser Sitten und Gebräuche, betont das Fremdartige im Milieu des Ghetto und in der Erscheinung des Ghettojuden und neigt oft zur Verzerrung ins Unheimliche und Groteske. Diese Richtung läßt sich durch das 19. Jahrhundert hindurch bis zu Meyrink verfolgen, der andrerseits die Juden des modernen Prag mit der ihm eigenen beißenden Satire verspottet. Kein denkender Jude wird offenbare Mißftände, an denen Juden stark beteiligt waren, beschönigen oder entschuldigen wollen: etwa die Hofbankiers, die das Land aussaugten und den Gewinn mit den Fürsten teilten, das Auftreten jüdischer Räuberbanden, die unerträgliche Verschuldung der Bauern in Hessen an die in den Städten wohnenden jüdischen Geldleute, ein sozialer Notstand, der ja in der nationalökonomischen Literatur eine Rolle spielt, Ausartungserscheinungen im Bereich der Börse und Literatur. Wo ein nichtjüdischer Schriftsteller solche Zustände schildert, braucht noch nicht Antisemitismus vorzuliegen. Die Gestalt des Spiegelberg in Schillers „Räubern" hat nichts mit jüdischem Wesen oder Unwesen zu tun; er ist nicht Jude, wenn er auch durch eine medizinische Eigentümlichkeit dazu prädestiniert erscheint; seine zionistisch klingenden Reden und Pläne teilt er mit andern phantastischen Abenteurern und Spekulanten des 18. Jahrhunderts. Der württembergische Hofjude Iud Süß wird bei Hauff nicht geschont, doch ist er nicht ohne versöhnende Züge. Es mag dem württembergischen Patriotismus des Dichters nicht leicht gefallen sein, anzudeuten, daß an dem Unglück des Landes doch auch der Fürst schuldig sei, ebenso wie viele andere, die sich durch ihre Beziehungen retten können und für die der Jude büßen muß. Im Gegensatz zu ihm steht seine schöne unschuldige und arglose Schwester, die von dem Treiben des Bruders nichts weiß. Sie leidet darunter, daß die Christen sich von ihr zurückziehen. Sie geht lieber ins Elend, als daß sie etwas von dem Gelds annähme, das ihr Bruder rechtzeitig in Sicherheit zu bringen gewußt hat. Außer dem Tun des Bruders steht auch das herrschende Vorurteil gegen die Juden zwischen ihr und dem Geliebten: „so groß war seine Furcht vor Schande, so tief eingewurzelt damals noch die Vorurteile gegen jene unglücklichen Kinder Abrahams, daß sie sogar seine zärtlichen Gefühle für die schöne Tochter Israels in diesem schrecklichen Augenblick übermannten." Es gibt einen Scheinantisemitismus, der nicht unbedenklich ist. Alle möglichen Eigenschaften und Erscheinungen werden als jüdisch bezeichnet, und dann wird erklärt, diese Besonderheiten treffe man auch bei sehr vielen Nichtjuden, während es genug Juden gebe, die davon frei seien. Da muß man doch fragen, warum sie denn überhaupt noch jüdisch genannt werden. Spuren dieser Denkart begegneten wir bei Reuter. Weiter ausgebildet ist sie in Kreisen des frühen

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