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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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K.C.-Blätter 29 man für Antisemiten halten, wenn einzelnes herausgegriffen wird. Hebel verwendet gern den Jargon in karikierender Weise. Die größten Gauner und Spitzbuben in seinen Erzählungen sind nicht jüdisch. In einer Anekdote charakterisiert er die Bescheidenheit und Demut Moses Mendelssohns, in einem Aussatz des Schatzkästleins über den großen Sanhedrin zu Paris tritt er für die Emanzipation der Juden ein. Reuter geht in der sprachlichen Karikatur noch weiter als Hebel,' wir finden bei ihm Ausdrücke wie Tattelewen, Memmelewen, SchmUh, Blümchen, Machile, schmusen, Bocherleben,- Namen wie Schmul, Jtzig, Slaume, Mansche, Bezeichnungen wie Iudenjunge, oll Mauscher» Mauses, der „drehbeinige Iudenbengel". Bei Beurteilung der „Abendteuer des Entspekter Bräsig" ist nicht zu vergessen, daß dieser selbst erzählt, wie er die ihm unsympathische Rolle eines „Judenonkels" zu spielen gezwungen ist. Wie aber Reuter dachte, entnehmen wir zwei anderen Werken. In „Hanne Nüte" erzählt er von der alten, Iudensrau in Köln, die aus Gram über die Ermordung ihres Sohnes wahnsinnig geworden ist. Als sie an der Schmiedegesellenherberge vorüberwankt und ein roher Bursche ihr ein Hepp-hepp nachruft, wird Hanne von tiefstem Mitgefühl ergriffen. „Em is, as wenn em swindeln deiht; tzett desen Dag tau'm irsten Mal Deip runnerseihn up Minschen-Qual, Hett in de Höll herunnerseihn, In de ein Minsch den annern stött." Er läßt sich durch den Spott der anderen nicht zurückhalten von seinem Bemühen, der Unglücklichen zu helfen und sie wieder aufzurichten, wodurch er schließlich in den Verdacht des Mordes kommt. Ernst und Komik mischen sich in der Gestalt des alten Moses in Reuters Hauptwerk „Ut mine Stromtid"; er ist ein Mann von echtem, warmem Gefühl, voll Dank für Freundlichkeiten, die er erfahren hat; er hilft gerne den Anständigen und meidet jedes faule Geschäft, das auch nur den Anschein der Unredlichkeit haben und seinem guten Namen schaden könnte; er lehrt seinen Sohn — allerdings vergeblich — vor allem menschlich zu sein; er segnet den Edelmann, der Hawermanns wackere Tochter heiraten will. „De oll Mann was recht un gerecht dörch't Lewen gähn, un recht un gerecht gung hei ut dat Lewen... un vele Christenminschen folgten em nah den Kirchhof.... un ick glöw', hei is in Abrahams Schot kamen, wenn ok Christen folgt sünd." Und Hawermann sagt an seinem Grabe: „Er war ein Jude dem Glauben und ein Christ den Taten nach." Im Gegensatz zu ihm steht sein Sohn David, dem es nur um das Geldverdienen geht; er ist häßlich, protzenhaft, gewissenlos, aber er pflegt seinen alten Vater, „un an dese Iudenmoden kann sick männig Christenminsch en Exempel nehmen". David ist nur ein Werkzeug in der Hand der größeren Schufte, des Gutsbesitzers Pomuchelskopp und des Notars Slus'ohr, von denen Moses sagt: „der Herr. Notorius und der Herr Pomüffelskopp und ich sünd

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